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Alexander Everke Warum die geplante Osram-Übernahme für den AMS-Chef alternativlos ist

Alexander Everke will den dreimal so großen Lichtkonzern Osram übernehmen. Dafür muss der Chef des Sensorikkonzerns den Widerstand aus Vorstand und Aufsichtsrat überwinden.
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Der CEO des Apple-Zulieferers AMS lebt seit Jahren in München. Quelle: AMS
Alexander Everke

Der CEO des Apple-Zulieferers AMS lebt seit Jahren in München.

(Foto: AMS)

München, Wien Eigentlich müsste es für Alexander Everke ein Heimspiel sein. Seit seiner Zeit bei Siemens und Infineon lebt der CEO des österreichischen Sensorik-Konzerns AMS an der Isar. „München ist eine tolle Stadt, die lässt einen nicht los“, schmeichelt der sonst eher emotionslose Vorstandschef den Anwesenden bei der Pressekonferenz in München. Seine Charmeoffensive hat ein Ziel. Er will den dort ansässigen Lichtkonzern Osram übernehmen und muss die Gegenwehr brechen.

Im dunklen Anzug, mit Krawatte und Einstecktuch tritt Everke in den Räumen einer Beratungsfirma vor die Presse. In einem Nebenraum hat er eben neue Entwicklungen seiner AMS gezeigt. Gemeinsam mit Osram, schwärmt er, könne er einen einzigartigen Konzern schmieden, wachstumsstark und profitabel.

„Nach der Abwanderung großer Bereiche der Mikroelektronik und Bionik nach Asien kann die Kombination von AMS und Osram einen europäischen Champion schaffen“, sagt Everke. Auf dem internationalen Parkett schwärmt der CEO mit einer Vorliebe für einfarbige Krawatten gerne von seiner „aggressiven Strategie“.

Den neuen europäischen Chip-Champion, daran hat Everke nie einen Zweifel gelassen, will er selbst führen – und das, obwohl Osram mit zuletzt 4,1 Milliarden Euro fast dreimal so viel Umsatz macht wie AMS. In den vergangenen Jahren sah es deshalb eher aus, als wären die Rollen von Jäger und Gejagtem genau andersherum: Da hatten sie bei Osram ihrerseits immer wieder mal die Übernahme von AMS geprüft. Doch dann geriet Osram in die Krise: Auf dem Markt für LED-Beleuchtung, auf den die Münchner lange gesetzt hat, fielen die Preise und haben sich bis heute nicht erholt.

Nun beansprucht Everke ausdrücklich den „Driver Seat“, also den Fahrersitz am Steuer nach der möglichen Fusion, für die Österreicher. Mit Osram-Chef Olaf Berlien, betont Everke, habe er aber „sehr konstruktive Gespräche“ geführt. Allerdings hat Berlien angekündigt, seine privat gehaltenen Osram-Aktien nicht andienen zu wollen.

Die Übernahme verhindern kann er damit zwar nicht, aber es ist ein klares Signal, was er von der Übernahme hält. Auf die Frage, ob für Berlien ein Platz im neuen Konzern sei, antwortete Everke eher vage.

„Ich bin komplett emotionsfrei“

Everke hat den Deal geschickt eingefädelt. Lange hielten sich die Österreicher bedeckt, kommunizierten nur wenig. Doch gelang es ihm, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Damit hatten viele in München nicht gerechnet. Zu seinen persönlichen Gefühlen wollte der Münchener Everke nicht viel sagen. Es gehe um das Beste für die Firma. „Ich bin komplett emotionsfrei“, sagte der CEO.

Dabei haben Everke und Osram eine gemeinsame Historie – nämlich Siemens. Osram gehörte fast ein Jahrhundert zu Siemens und Everke machte dort Karriere. Er startete als Marketingmanager im Halbleitergeschäft, dass später unter dem Kunstnamen Infineon abgespalten wurde. Die High-Tech-Industrie ließ den Elektrotechniker, der in Bochum studiert hat, nicht mehr los.

2006 wechselte er zum niederländischen Halbleiterkonzern NXP, einer früheren Tochter des Konzerns Philips. 2015 kam schließlich das Angebot in die Steiermark zu AMS zu gehen. Nach einer kurzen Zeit als Vorstand übernahm der heute 56-Jährige dort im Frühjahr 2016 den Chefposten.

Sein Ziel ist klar: mit Übernahmen das Produktportfolio ausbauen, um nicht zu abhängig von Apple zu sein, an die AMS etwa optische Sensoren für die iPhone-Gesichtserkennung liefert. Nicht nur bei Berlien persönlich stößt Everke mit seinen ehrgeizigen Plänen auf Widerstand. Zwar empfahlen Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären am Montag, das Angebot anzunehmen.

Doch war anderes rechtlich kaum möglich, schließlich ist die Vier-Milliarden-Euro-Offerte finanziell attraktiv. Die Osram-Führung wies aber auf zahllose Probleme und Risiken hin. Die Österreicher hätten keine Erfahrung mit der Integration so großer Zukäufe, in Sachen Strategie seien viele Fragen offen, die versprochenen Synergien von 300 Millionen Euro seien unsicher, und die Finanzierung berge Risiken.

AMS will die rund vier Milliarden Euro schwere Übernahme zunächst komplett mit kreditfinanzieren. Dann plant Everke eine Kapitalerhöhung über 1,5 Milliarden Euro. Dieser Plan erscheine aufgrund der Bekundungen der beteiligten Banken als „realisierbar und solide, aber nicht sicher“, heißt es in der Stellungnahme. Bei einer Ablehnung der Kapitalerhöhung durch die AMS-Aktionäre stiegen jedoch die Schulden, was die Zinskosten erhöht.

Ich bin kein Fan von Plan B oder Plan C. Alexander Everke (AMS-Chef)

Auch die Osram-Arbeitnehmer im Aufsichtsrat, die nicht leitende Angestellte sind, lehnen die Übernahme ab und gaben ein Sondervotum ab. Sie sähen „mit Sorge, dass die starke Fokussierung von AMS auf nur wenige technologische Themen andere Bereiche von Osram in Mitleidenschaft ziehen könnte“.

Die fehlende Bereitschaft von AMS, auf betriebsbedingte Kündigungen für einen bestimmten Zeitraum verbindlich zu verzichten, sei ein weiterer Grund „für die erhebliche Verunsicherung der Mitarbeiter“.
Osrams Vorstand und Aufsichtsrat ziehen auch die versprochenen Synergien in Zweifel: Nach vorläufiger Einschätzung gingen sie „davon aus, dass voraussichtliche Synergien vor allem auf der Kostenseite gehoben werden können“.

Auch wenn es bei AMS zuletzt besser lief als bei Osram, überragende Finanzkraft bringt das von Everke geführte Unternehmen nicht mit: Im vergangenen Jahr hatte AMS seine Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr zwar von einer auf 1,42 Milliarden gesteigert. Das Konzernergebnis stieg allerdings nur von 89 auf 93 Millionen.

Aufsichtsratschef Hans Jörg Kaltenbrunner bemerkte dazu kritisch: „Das starke Umsatzwachstum von 34 Prozent führte 2018 nicht zu dem angestrebten Anstieg des Gewinns und der positiven Kursentwicklung der AMS-Aktie. Diese Entwicklung war für alle am Unternehmen Interessierten, insbesondere unsere Aktionäre, leider nicht zufriedenstellend“. Am 22. Oktober wird der Konzern seine Quartalszahlen vorlegen.

Die Aktie ist dennoch ein Liebling der Analysten. Von 13 Experten empfehlen acht die Aktie zu kaufen und fünf die Aktie zu halten. Seit Dezember hat sich der Kurs der Aktien mehr als verdoppelt. Viel davon ist aber die Übernahmefantasie, die der Osram-Deal bei den Anlegern auslöst.

Es ist eine Situation ganz nach Everkes Geschmack: Er ist ein Manager, der gerne „Alles oder nichts“ spielt. Ob er einen Plan B habe, falls er nicht genug Aktien angedient bekomme, wurde AMS-Chef in München auch gefragt. Doch ans Scheitern mag der ehemalige Siemens-Manager mit dem geschliffenen Englisch für das internationale Parkett überhaupt nicht denken. „Ich bin kein Fan von Plan B oder Plan C.“

Das liegt wohl auch daran, dass ein Scheitern auch Everkes selber gefährlich werden könnte: Kommt der ehemalige Siemens-Manager bei der ehemaligen Siemens-Tochter nicht zum Ziel, wird die Luft an der Spitze des aggressiv wachsenden Konzerns schnell dünn.

Mehr: Aufsichtsrat und Vorstand des Lichtkonzerns sehen viele Risiken bei dem Milliarden-Deal. Das Angebot von 38,50 Euro sei aber wirtschaftlich attraktiv.

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