Allergan-Übernahme Pfizer kriegt kalte Füße

160 Milliarden wollte Pfizer hinblättern, um Allergan zu übernehmen – und den Firmensitz ins Ausland zu verlegen. Dagegen macht Obama Druck. Nun ist der Deal geplatzt.
Update: 06.04.2016 - 13:18 Uhr
Sind Botox und Viagra doch kein Traumpaar? Einem Insider zufolge überdenkt US-Pharmakonzern Pfizer die Fusion mit Konkurrent Allergan. Quelle: AP
Pfizer in New York

Sind Botox und Viagra doch kein Traumpaar? Einem Insider zufolge überdenkt US-Pharmakonzern Pfizer die Fusion mit Konkurrent Allergan.

(Foto: AP)

New York/San FranciscoDamit hatten Pfizer-Chef Ian Read und Allergan-Chef Brent Saunders nicht gerechnet: Das amerikanische Finanzministerium macht ihrer geplanten Megafusion offenbar einen Strich durch die Rechnung. Finanzminister Jack Lew kündigte am Montagabend überraschend deutlich strengere Regeln für die sogenannten Steuer-Inversionen an, um die Steuerflucht aus den USA aufzuhalten.

Wegen dieser Verschärfung der US-Steuergesetze ist nun die 160 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Botox-Herstellers Allergan durch den US-Pharmariesen Pfizer gescheitert. Der geplante Zusammenschluss sei in gegenseitigem Einvernehmen abgebrochen worden, teilte Pfizer am am Mittwoch mit. Pfizer müsse Allergan dafür 150 Millionen Dollar zahlen. Das „Wall Street Journal“ hatte bereits in der Nacht zu Mittwoch berichtet, dass das Board von Pfizer die Absage beschlossen hätte.

Pfizer hätte bei dem geplanten Deal Allergan übernommen, wäre dann sozusagen bei Allergan in Irland untergetaucht und hätte seinen Firmensitz dorthin verlegt. Das wäre einer Flucht vor den vergleichsweise hohen Körperschaftsteuern in den USA gleichgekommen.

Das war wohl auch der Plan von Read und Saunders, als sie Ende des vergangenen Jahres ihren 160 Milliarden Dollar schweren Deal verkündeten. Bis zur Jahresmitte sollte die Fusion eigentlich vollzogen werden und Pfizer seinen Firmensitz nach Irland verlegen.

Diese Deals schrieben Geschichte
Bayer kauft Monsanto
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Der Chemiekonzern Bayer übernimmt im September 2016 nach monatelangen Verhandlungen den US-Saatguthersteller Monsanto. Dabei wurde das US-Unternehmen mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Es wäre die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Doch es gab in der Wirtschaftsgeschichte noch größere Übernahmen.

Platz 10: Royal Dutch kauft Shell Transport & Trading
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Die Unternehmen Shell Transport & Trading und Royal Dutch Petroleum waren schon seit fast 100 Jahren miteinander verflochten. Im Juli 2005 wurden aber beide Teile endgültig miteinander zur Royal Dutch Shell vereinigt. Wert des Deals damals: 80,10 Milliarden US-Dollar.

Quelle: Bloomberg

Platz 9: Exxon kauft Mobil
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Exxon und Mobil waren im Jahr 1882 Teile eines einzigen Unternehmens, der Standard Oil Company von John D. Rockefeller. 1911 ordnete der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Auflösung von Standard Oil an, die Unternehmen Exxon und Mobil entstanden.

Platz 9: Exxon kauft Mobil
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Erst am 30. November 1999 konnten die beiden bis dahin immens gewachsenen Konzerne dank geänderter gesetzlicher Bestimmungen wieder vereinigt werden. Exxon kaufte Mobil damals für die Summe von 80,3 Milliarden Dollar.

Platz 8: AT&T kauft Bell South
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Die Geschichte von AT&T und Bell South steht für das Hickhack auf dem amerikanischen Telekommunikationsmarkt. Bell South war eine von sieben sogenannten Regional Bell Operating Companies, die aus einem Kartellverfahren des US-Justizministeriums gegen AT&T im Jahre 1984 hervorgegangen waren. AT&T wurde in diesem Verfahren gezwungen, seine Beteiligungen an sämtlichen regionalen Telefongesellschaften aufzugeben. Ende des Jahres 2006 wurde die Gesellschaft wiederum erneut von AT&T erworben und wieder mit dieser verschmolzen. Kaufpreis: 83,1 Milliarden Dollar.

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert
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Pfizer war schon einmal für eine große Übernahme gut: In den späten 90ern kooperierte der Pharmahersteller Warner-Lambert mit Pfizer, um sein Medikament Lipitor auf den Markt zu bringen. Das Mittel wurde zur Regulierung des Cholesterinspiegels eingesetzt.

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert
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Die Einführung im Januar 1997 des Mittels war ein großer Erfolg, allein in den ersten zwölf Monaten wurde in den USA eine Milliarde Dollar eingenommen. Pfizer fand daraufhin wohl so viel Gefallen an Warner-Lambert, dass die Firma im Jahr 2000 für die Summe von 87,3 Milliarden Dollar übernommen wurde.

Doch am Tag zwei nach den Panama-Enthüllungen zu Briefkastenfirmen und lukrativen Steuerschlupflöchern fährt das US-Finanzministerium eine unerwartet harte Linie. Die neuen Regeln würden sogar rückwirkend inverse Fusionen beschränken, die in den vorangegangenen 36 Monaten durchgeführt wurden. Damit steigt das Risiko erheblich, vor allem bei dem derzeitigen politischen Wahlkampf-Klima, in dem US-Unternehmen scharf angegriffen werden, die sich ihren Steuerzahlungen durch Flucht ins Ausland entziehen.

Allergan war zudem in dem betreffenden Zeitraum in verschiedene Zusammenschlüsse involviert und hatte seinen Firmensitz via inverser Übernahme mit Actavis bereits nach Irland verlagert. Wären diese Deals nun nicht mehr gültig, hätte das den geplanten Zusammenschluss mit Pfizer auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Allergan wäre schlicht noch eine US-Firma.

Lews neue Initiative macht es ausländischen Unternehmen deutlich schwerer, Inversionen im großen Stil durchzuführen und vorher durch eine Reihe von kleinen Übernahmen in den USA auf eine angemessene Größe anzuwachsen.

Allergan wurde erst durch die Milliardenzukäufe in den vergangenen Jahren groß genug, um die Verlagerung eines gemeinsamen Firmensitzes mit Pfizer ins Ausland überhaupt möglich zu machen. Denn eine Inversion ist nur möglich, wenn die amerikanischen Aktionäre weniger als 60 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten. Werden die Zukäufe von Allergan dank der neuen Steuerregeln nicht eingerechnet, würde Pfizer deutlich über dieser Schwelle liegen. Zudem wird es für die ausländische Konzernmutter schwerer, steuersparend Kredite an US-Töchter zu vergeben.

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