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Sany-Bagger in Schanghai

Der chinesische Konzern wird Partner des Kölner Motorenherstellers Deutz – ein gutes Beispiel, wie deutsche Unternehmen von der Öffnung profitieren.

(Foto: Bloomberg)

Allianz, BMW, Deutz Konzerne aus Deutschland profitieren von Chinas Marktöffnung am stärksten

Die Regierung in Peking öffnet das Land für ausländische Investoren. Das nutzen bislang vor allem deutsche Unternehmen wie Allianz, BMW oder Deutz.
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Peking, DüsseldorfAls Frank Hiller, Vorstandschef des Kölner Motorenherstellers Deutz, nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren zum ersten Mal das Joint Venture des Konzerns in China besuchte, wurde ihm sofort klar, „dass das nicht funktionieren kann“.

Mit dem chinesischen Kraftfahrzeug-Produzenten First Automotive Works (FAW) hatte der Traditionskonzern zu diesem Zeitpunkt fast ein Jahrzehnt zusammengearbeitet – doch Hiller verkaufte die 50-prozentige Beteiligung kurzerhand und zog sich im April als lokaler Produzent aus dem Markt zurück. Vorerst jedenfalls.

Denn nun wagt der SDax-Konzern einen neuen Versuch. Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, hat Deutz mit dem chinesischen Baumaschinenhersteller Sany einen Vertrag über ein Joint Venture geschlossen, bei dem die Kölner mit einem Anteil von 51 Prozent die Führung übernehmen werden.

Deutz-Chef Hiller erklärte: „Wir haben im April das bisherige Engagement mit FAW beendet, um unsere China-Strategie völlig neu aufzustellen.“ Neben dem Joint Venture mit Sany gehören dazu zwei Kooperationen mit Unternehmen aus anderen Branchen.

Im Jahr 2022 rechnet der Konzern so mit einem zusätzlichen Umsatz von einer halben Milliarde Euro. Derzeit erlöst Deutz rund neun Prozent seines Gesamtumsatzes von rund 1,5 Milliarden Euro (2017) mit Exporten nach China.

Schon seit Jahren verspricht die chinesische Regierung, den heimischen Markt stärker für ausländische Investoren zu öffnen – passiert ist lange wenig. Doch 2018 hat sich der Zugang ausländischer Investoren ins Reich der Mitte Stück für Stück verbessert. Profitiert haben davon vor allem deutsche Unternehmen.

So darf der Autobauer BMW bald als erster ausländischer Hersteller die Mehrheit an einem chinesischen Joint Venture in der Automobilbranche übernehmen. Auch der Versicherer Allianz darf nach einer Lockerung der Joint-Venture-Regeln künftig als erster ausländischer Konzern eine eigene Holding in Peking gründen.

Peking baut immer mehr Barrieren ab

Der Chemieriese BASF wiederum will für zehn Milliarden US-Dollar einen eigenen Verbundstandort in der Provinz Guangdong aufbauen – und unterzeichnete dafür im Juli eine Absichtserklärung.

Während die Bundesregierung eine Verschärfung der Regeln für ausländische Investoren diskutiert, geht Peking den umgekehrten Weg und baut immer mehr Barrieren ab. Das allerdings nicht ganz uneigennützig: So erklärte eine mit den Vorgängen vertraute Person dem Handelsblatt, der chinesischen Regierung sei es nicht mehr so wichtig, ob ein Konzern in chinesischer oder ausländischer Hand sei. Sondern vor allem, dass die Unternehmen in China ihre Steuern zahlen und eine nennenswerte Anzahl von Mitarbeitern auch in Funktionen wie Forschung und Entwicklung beschäftigten.

„Lokalisierung“ lautet demnach heute das Stichwort – anders als bei vielen früheren deutsch-chinesischen Partnerschaften, wo noch vor allem der Transfer von Technologie und Know-how im Vordergrund stand.

Gleichzeitig haben sich auch die Motive der deutschen Investoren gewandelt. Waren ausländische Industriekonzerne im Reich der Mitte früher vor allem an günstigen Produktionsmöglichkeiten interessiert, haben sie es heute vermehrt auf chinesische Kunden abgesehen. Das gilt auch für Deutz, die mit dem Baumaschinenhersteller Sany einen ihrer chinesischen Hauptabnehmer zum Partner gemacht haben.

Doch auch in strategischer Hinsicht gewinnt der Markt für Deutz zunehmend an Bedeutung. So gehören die Kölner zu den wenigen Herstellern von großen Motoren weltweit, die an der Elektrifizierung ihrer Produkte arbeiten. Dafür braucht es Batterien – und die werden vor allem in China entwickelt und gefertigt.

BMW-Chef Krüger ließ sich nicht lange bitten

Auch deshalb ist es für uns wichtig, dort vertreten zu sein“, so Hiller. Allerdings nicht um jeden Preis: So habe von Anfang an die Bedingung gegolten, bei dem neuen Joint Venture auf jeden Fall die Führung zu übernehmen.

Beim Autobauer BMW ließ sich Vorstandschef Harald Krüger nicht lange bitten, als die chinesische Regierung durchblicken ließ, den Joint-Venture-Zwang für ausländische Autohersteller in den kommenden Jahren schrittweise zu senken.

Bereits im April hatte die oberste Planungsbehörde Chinas mitgeteilt, die Beteiligungsobergrenzen für ausländische Unternehmen in mehreren Branchen zu senken: für Elektroautos und Spezialgefährte ab 2018, für Nutzfahrzeuge ab 2020 – und für Pkws, wie sie BMW herstellt, ab 2022.

Im Oktober wurde schließlich bekannt, dass die Münchener als erster ausländischer Autohersteller die Mehrheit an dem Joint Venture mit dem chinesischen Konkurrenten Brilliance übernehmen dürfen. Für die Anteilsaufstockung von 50 auf 75 Prozent zahlt der Konzern rund 3,6 Milliarden Euro – und steigert seine Fertigungskapazität so von heute 400 000 auf 520 000 Autos pro Jahr.

Dass ausgerechnet BMW als erstes deutsches Unternehmen von den gelockerten Regeln profitiert, liege mitunter daran, dass der Konzern in der Region Shenyang zu den größten Steuerzahlern zählt, so das Urteil von Jeffrey Gui, Analyst bei der Unternehmensberatung A. T. Kearny in Peking.

Obergrenze für ausländische Versicherer soll fallen

Grundsätzlich hätte der Autobauer bei dem Gemeinschaftskonzern sogar zu einhundert Prozent übernehmen können, berichtete kürzlich der chinesische Vizeministerpräsident Liu He bei einem Gipfel in Hamburg. „Doch BMW hat uns gesagt, es sei besser für sie, einen lokalen Partner zu behalten. Das respektieren wir“, so Liu.

Mit diesem Wunsch ist BMW nicht allein: Auch Deutz setzt mit Sany, dem Baumaschinenvermieter Horizon und dem chinesischen Motorenfabrikanten Beinei auf starke lokale Partner. „Sicher wären wir rechtlich auch in der Lage gewesen, eine hundertprozentige Tochter in China aufzubauen“, so Vorstandschef Hiller. „Doch im Fall von Sany war uns das Engagement des Kunden wichtig, um die Verlässlichkeit zu bekommen.“

Dass es prinzipiell auch ohne chinesischen Partner geht, stellen derweil andere Branchen unter Beweis. Allianz-Chef Oliver Bäte etwa sprach von einem „signifikanten Meilenstein“, als vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass auch der Joint-Venture-Zwang für Versicherungsunternehmen in den kommenden Jahren fallen soll.

So sehen die Pläne Pekings vor, die Beteiligungsobergrenze für ausländische Versicherungen zunächst auf 51 Prozent anzuheben – bevor sie innerhalb der nächsten fünf Jahre vollständig verschwinden soll.

Schon 2019 will die Allianz damit beginnen, einen eigenen China-Ableger aufzubauen. Auch hier wartet ein riesiger Markt. So rechnen die Münchener damit, dass die Summe der in China gezahlten Versicherungsprämien in den kommenden zehn Jahren um 14 Prozent pro Jahr steigen wird.

Unternehmen erwarten weitere Liberalisierung

In den ersten drei Quartalen 2018 lag das Volumen allein für Lebensversicherungen bei insgesamt 70 Milliarden Euro. Nur ein Bruchteil davon ging an ausländische Versicherer – nämlich rund 2,8 Prozent.

Auf weitere Liberalisierungen des Marktes dürfen deutsche Unternehmen womöglich schon Anfang kommenden Jahres hoffen. So berichtete das „Wall Street Journal“ zuletzt, dass Peking derzeit an einer Überarbeitung für den umstrittenen Strategieplan „China 2025“ arbeitet.

Darin hatte die Regierung strategische Schlüsselindustrien wie Energie und automatisiertes Fahren festgelegt, die vor allem von heimischen Unternehmen besetzt werden sollten. Aus der offiziellen Prioritätenliste 2019, die Peking jährlich für die Lokalregierungen im Land herausgibt, ist der Begriff „China 2025“ allerdings inzwischen verschwunden.

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