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Allianz mit US-Spezialisten Bayer baut seine Krebsforschung aus

Bayer will in der Krebsforschung zu einem der führenden Spezialisten werden. Dazu stärkt der Pharmakonzern externe Allianzen.
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Bayer baut seine Krebs-Forschung aus Quelle: obs
Illustration einer Blutkrebszelle (hellblau)

Der Onkologiemarkt ist weltweit auf etwa 100 Milliarden Dollar Umsatz gewachsen.

(Foto: obs)

FrankfurtIm Vorfeld der bevorstehenden Monsanto-Übernahme versucht der Bayer-Konzern mit einer zweigleisigen Strategie seine Produktentwicklung im Pharmabereich voranzubringen. Zum einen arbeitet er an effizienteren Strukturen für seine konzerninternen Forschungsaktivitäten. Zum anderen baut er aber auch sein Netzwerk an externen Kooperationen, insbesondere im Bereich der Onkologie, weiter aus.

Um auf diesem Feld weiter voranzukommen, haben die Leverkusener jetzt eine Allianz mit dem angesehenen MD Cancer Center vereinbart. Ziel der auf fünf Jahre ausgelegten Kooperation ist es, neuartige zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten für ausgewählte Krebsarten zu entwickeln. Bayer bringt dabei eine Reihe von Wirkstoffkandidaten aus der frühen klinischen Forschung in die Allianz ein.

Das an der Universität Texas angesiedelte MD Anderson Center gilt als eine der größten und angesehensten Forschungseinrichtungen der USA im Onkologiebereich. Es betreibt eine eigene mehr als 600 Betten große Klinik in Houston und eine Reihe externer Behandlungszentren. Das Zentrum unterhält außerdem zahlreiche Kooperationen mit Pharmafirmen, darunter auch die deutschen Firmen Boehringer und Merck sowie Biotechfirmen wie Morphosys, Immatics und Evotec.

Für Bayer ist die Allianz mit MD Anderson ein weiterer Schritt, um seine Basis in der Krebsforschung zu verbreitern. Ziel des Leverkusener Konzerns ist, sich mittelfristig als führender Anbieter in einzelnen Schwerpunktbereichen der Krebstherapie zu etablieren. Seine Krebs-Forschung will Bayer dazu vor allem auf die Segmente Immunonkologie, onkogene Signalwege und zielgerichtete Thorium-Konjugate (TCC) konzentrieren.

Dabei handelt es sich um Krebsmedikamente, die mit einer radioaktiven Substanz gekoppelt sind und auf diese Weise Krebszellen abtöten. Bayer ist in diesem Bereich bereits mit dem Medikament Xofigo vertreten, das derzeit zu den Wachstumstreibern im Krebsmittelgeschäft des Konzerns gehört.

Insgesamt erzielte Bayer mit Krebsmedikamenten zuletzt knapp 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Der Konzern gehört damit aber im boomenden, etwa 100 Milliarden Euro großen Onkologiemarkt nur zu den kleineren Akteuren.

Einen gewissen Sprung nach vorne erhofft sich Bayer nun insbesondere vom Entwicklungsprojekt Larotrectinib, das man im vergangenen Jahr im Zuge einer bis zu 1,6 Milliarden Dollar teuren Allianz mit dem US-Unternehmen Loxo Oncology erworben hat. Der Wirkstoff richtet sich gegen Mutationen am so genannten TRK-Gen. Diese Mutationen entpuppen sich bei vielen Krebsarten in etwa ein bis zwei Prozent der Fälle als maßgeblicher Wachstumstreiber für die Tumorzellen.

Pharmaerträge werden auch für Monsanto-Deal benötigt

Bei den betroffenen Patienten, die mit Hilfe von Gentests ermittelt wurden, zeigte der Wirkstoff in klinischen Studien eine überraschend starke Wirkung. Bei bis zu 80 Prozent der Patienten bewirkte Larotrectinib nach Angaben von Bayer und Loxo eine teilweise oder komplette Rückbildung der Krebszellen.

Der Wirkstoff befindet sich inzwischen in den USA in einem beschleunigten Zulassungsverfahren und könnte damit noch im laufenden Jahr eine erste Zulassung erhalten. Er würde damit zu den bislang noch wenigen Krebsmedikamenten gehören, bei denen sich die Zulassung nicht auf das Entstehungsorgan der Krebserkrankung bezieht, sondern ausschließlich auf die genetischen Eigenschaften der Tumorzellen, unabhängig davon, wo der Tumor auftritt. Der Börsenwert des Bayer-Partners Loxo Oncology hat sich seit Abschluss der Kooperation auf 5,3 Milliarden Dollar verdoppelt.

Parallel zum Ausbau der Entwicklungs-Pipeline arbeitet Bayer aber offenbar auch intensiv daran, seine internen Prozesse in der Pharmaforschung zu optimieren. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte in dieser Hinsicht einen Bericht der „Wirtschaftswoche“.

Die Vermutung, dass davon bis zu 1000 Stellen in der Bayer-Pharmaforschung in Deutschland betroffen sein könnten, bezeichnete er indessen als pure Spekulation.

Der Bayer-Konzern befindet sich mit seinem Pharmageschäft derzeit in einer etwas zwiespältigen Situation. Er muss einerseits kräftig in Innovationen investieren, um das Geschäft für das nächste Jahrzehnt abzusichern. Andererseits kann der Konzern aktuell aber auch möglichst hohe Erträge aus dem Pharmageschäft sehr gut gebrauchen, um die riesige, etwa 53 Milliarden Euro teure Übernahme des Saatgut-Konzerns Monsanto zu finanzieren. Das Closing dieses Deals dürfte in der nächsten Woche erfolgen.

Die Weichen für das Pharma-Effizienzprogramms unter dem Titel „Superbowl“ wurden bereits im vergangenen Herbst gestellt, mit der Zusammenlegung der Bereiche Forschung und klinische Entwicklung und Führung des neuen F+E-Chefs Jörg Möller.

Ziel der Neuordnung ist es unter anderem, neue wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in konkrete Produktentwicklungen umzusetzen und die Erforschung neuer Wirksubstanzen generell zu beschleunigen. Der Titel „Superbowl“ , so der Bayer-Sprecher, signalisiere das Ziel, ein besseres Zusammenspiel im Team und damit auch eine höhere Produktivität zu erreichen.

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