Alte Dieselautos Scheuer fordert „höchst attraktive“ Angebote von Konzernen für Autowechsel

Fahrverbote für alte Dieselautos könnten bis zu 1,3 Millionen Pkws von der Straße holen. Der Verkehrsminister verlangt Vorschläge von den Herstellern.
Update: 16.09.2018 - 23:54 Uhr Kommentieren
In vielen deutschen Städten drohen Fahrverbote für Dieselwagen. Quelle: dpa
Berufsverkehr in Frankfurt

In vielen deutschen Städten drohen Fahrverbote für Dieselwagen.

(Foto: dpa)

BerlinBundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fordert von den Autobauern deutliche Anreize für einen Umstieg von alten Dieselautos auf saubere Fahrzeuge. „Den Besitzern alter Diesel müssen höchst attraktive Angebote für den Wechsel in saubere Autos gemacht werden“, sagte Scheuer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe) einem Vorabbericht zufolge.

„Die Autohersteller sind hier zwingend in der Pflicht.“ Dies gelte nicht nur für Volkswagen, sagte Scheuer. Er spreche mit den Herstellern, zu welchem Preis diese alte Fahrzeuge in Zahlung nehmen könnten. Zu den Kosten für eine Nachrüstung bei Besitzern von Euro-4-Fahrzeugen sagte Scheuer, es werde überlegt, was möglich sei. „Aber eins ist ganz klar: Der Staat ist kein Autohändler.“

Einem Medienbericht zufolge könnten von den bereits bestehenden oder drohenden Fahrverboten für ältere Diesel mindestens 1,3 Millionen Pkw betroffen sein. Wie die „Funke Mediengruppe“ berichtete, sind nach Angaben der Bundesregierung in den 43 am stärksten mit Stickoxid belasteten Städten 476.000 Autos mit der Abgasnorm Euro 4 zugelassen. Mit der Abgasnorm Euro 5 fahren demnach dort 841.000 Fahrzeuge.

In einer Erklärung des Ministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hieß es: „Wer von Zulassungszahlen auf Fahrverbote schließt, begeht einen Denkfehler.“ Von Fahrverboten betroffen würden nur Halter von Fahrzeugen in wenigen Städten sein.

Unklar bleibt, ob das neue Konzept von Verkehrsminister Scheuer neben Software-Updates möglicherweise doch auch Hardware-Umbauten an Dieselmotoren umfasst. Er hatte dies über Monate abgelehnt - ebenso wie die Autoindustrie. „Von Fahrverboten betroffen werden nur Halter von Fahrzeugen in wenigen Städten sein“, teilte das Verkehrsministerium mit und kündigte an, der Bund werde diesen Kommunen „besonders helfen“.

Der Grünen-Verkehrsexperte Oliver Krischer forderte: „Nur über eine Hardware-Nachrüstung von Euro-5-Dieseln kann jetzt das Schlimmste noch verhindert werden.“ Finanzieren sollten das in jedem Fall nicht die Steuerzahler, sondern die Autobauer. „Sie haben billige Technik bei der Abgasreinigung eingebaut und dadurch ihre Gewinne erhöht.“

Der Deutsche Städtetag kritisierte die Politik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Scheuer zur Diesel-Krise scharf. „Wir haben uns über lange Zeit von der Bundesregierung alleingelassen gefühlt“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der „Welt am Sonntag“.

Nach einem Gespräch mit der Kanzlerin am Donnerstag hatte Scheuer ein Konzept für technische Verbesserungen alter Diesel angekündigt: „Wir werden uns technische Gedanken machen, wie wir bestehende Fahrzeuge noch sauberer bekommen.“ Weitere Details nannte er noch nicht. Dazu sagte Dedy: „Falls das Konzept auch Hardware-Nachrüstungen von älteren Dieselautos vorsieht, ist das der richtige Weg.“ Aber bezahlen dürften das weder die Steuerzahler noch die Autofahrer.

Die Finanzierungsfrage gilt - neben der technischen Umsetzung - als besonders heikel. SPD-Bundestagfraktionsvize Sören Bartol sagte dem Handelsblatt: „Die Kosten muss die Automobilindustrie übernehmen. Den vagen Worten von Herrn Scheuer müssen jetzt auch konkrete Taten folgen.“ Sein Unionskollege Ulrich Lange meinte, es sei „außer Frage, dass die Automobilhersteller eine besondere Verantwortung haben“.

Laut „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ gibt es Überlegungen, Hardware-Umbauten gezielt an schadstoffbelasteten Orten anzustreben. „Alle Anstrengungen sollten sich auf das knappe Dutzend Hot-Spots konzentrieren, die Städte und Ballungsgebiete, wo die Stickoxide mittelfristig zu hoch sind“, sagte der VW-Lobbyist und frühere Regierungssprecher Thomas Steg dem Blatt. „Ausgeschlossen“ sei aber, dass die Autokonzerne selbst die Umrüstung unternehmen.

VW stärkt zur Aufarbeitung den Bereich „Integrität und Recht“. Dieser soll den Wandel in der Unternehmenskultur voranbringen. „Seit Jahresbeginn hat der Vorstand für solche Projekte, die Compliance, Risikomanagement, Integrität, Kultur und angrenzende Sachverhalte unterstützen (...), zusätzliche Mittel von rund 170 Millionen Euro bewilligt“, sagte Vorständin Hiltrud Werner der „Automobilwoche“.

Bei Daimler sind neue Software-Varianten für mehrere hunderttausend Mercedes-Autos in Europa nun behördlich freigegeben. Für rund 700.000 Dieselwagen hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wegen einer illegalen Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung einen Rückruf angeordnet. Daneben gebe es eine freiwillige Aktion, teilte Daimler mit. Insgesamt habe man mehrere hundert Programmversionen entwickelt.

  • dpa
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Alte Dieselautos - Scheuer fordert „höchst attraktive“ Angebote von Konzernen für Autowechsel

0 Kommentare zu "Alte Dieselautos: Scheuer fordert „höchst attraktive“ Angebote von Konzernen für Autowechsel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%