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Analyse der Tesla-Zahlen Drei Probleme, die Elon Musk in kurzer Zeit lösen muss

Tesla macht Gewinn, das Model 3 geht weltweit in den Verkauf. Doch dem Elektropionier bleibt nicht viel Zeit, um sich zukunftssicher aufzustellen.
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Tesla kündigt Gewinne für 2019 an – kommt nun der Boom?

DüsseldorfDer Tesla-Gewinn kam wie angekündigt. Doch auch die knapp schwarzen Zahlen konnten die Wall Street nicht beruhigen. Nachbörslich sackte die Tesla-Aktie erneut ab, innerhalb eines Monats hat der Elektropionier rund zehn Prozent seines Börsenwerts eingebüßt.

Die Skepsis der Anleger ist berechtigt. Denn Teslas Erfolg steht auf tönernen Füßen. Der Vorsprung des Pioniers schrumpft jeden Tag. Firmenchef Elon Musk muss dieses Jahr drei fundamentale Probleme lösen. Und er hat dafür wenig Zeit.

1. Problem: Hoher Investitionsbedarf
Das erste Problem ist der immense Investitionsbedarf. In diesem Jahr muss Tesla die Produktion globaler aufstellen. In China soll darum die erste Gigafactory des Autobauers außerhalb der USA entstehen.

In den USA verlangen die Kunden mehr Service. Kunden hatten über lange Wartezeiten und fehlende Ersatzteile geklagt. Musk hat Abhilfe versprochen, doch neue Niederlassungen kosten Geld. Derweil sinkt die Nachfrage im Heimatmarkt, weil staatliche Förderung ausläuft – und die Nachfrage nach vergleichsweise teuren Limousinen begrenzt ist.

Und darüber hinaus muss Tesla etliche Produkte serien- und produktionsreif machen, die bereits angekündigt wurden: ein elektrischer Pick-up, der Truck Semi und schließlich das Model Y, die kleinere Alternative zum Model X. Schon heute investiert sein Unternehmen 20 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung – bei VW sind es 5,7 Prozent.

All diese Investitionen werden Milliarden verschlingen. Dafür braucht Tesla eine komfortable Kapitaldecke. Doch Tesla ist nach wie vor hochverschuldet und muss alleine für die Rückzahlung einer Anleihe im März 920 Millionen Dollar aufbringen. Eine Kapitalerhöhung hatte Musk ausgeschlossen, um die gebeutelten Investoren nicht zu verschrecken. Geld für die Expansion muss Tesla sich daher selbst verdienen.

2. Problem: Kosten
Dafür muss Musk dringend die Kosten in den Griff bekommen. „Kosten, Kosten, Kosten“, seien das größte Problem des Elektropioniers, gab der Tesla-Chef bei der Präsentation der Quartalszahlen unumwunden zu. In einem flammenden Brief an die Mitarbeiter hatte er damit auch einen massiven Stellenabbau begründet. Sein Versprechen, das Model 3 für einen Preis ab 35.000 Dollar zu verkaufen, kann er aktuell nicht halten. Um die ehrgeizigen Wachstumspläne zu realisieren, kalkuliert Musk beim Einstiegsmodell immerhin mit einer Marge von 25 Prozent.

Dafür muss Tesla seine Autos deutlich effizienter bauen als die klassische Autoindustrie, die sich für ihre hochoptimierten Werke rühmt. In der Vergangenheit ging Musk dabei zu schnell vor: Sein Traum von der weitgehend automatisierten Produktion führte Tesla beim Marktstart des Model 3 direkt in die Produktionshölle. Solche Fehler kann Musk sich nicht mehr erlauben.

3. Problem: Anfälligkeit für Handelskonflikte
Und drittens sind auch die wachsenden Handelskonflikte dieses Jahr noch ein großes Risiko für den Erfolg von Tesla. Gebaut werden die Elektroautos in den USA, von dort landen sie im Weltmarkt. Das erhöht nicht nur die Lieferzeiten. Jeder neue Zoll macht Tesla auch teurer als die lokalen Konkurrenten. Einen Vorgeschmack bekam Musk vor wenigen Monaten. In China, dem größten Elektroautomarkt der Welt, brach der Absatz nach der Einführung neuer Importzölle um 70 Prozent auf 211 Einheiten ein. Tesla musste die Preise senken, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Die weltweiten Konflikte wird Musk nicht lösen, aber er muss es schaffen, Tesla weniger abhängig von von den Unwägbarkeiten des Welthandels zu machen. Der globale Vertrieb bleibt dieses Jahr eine riesige Herausforderung. Nur mit steigenden Absatzzahlen im Weltmarkt bringt sich Tesla in eine gute Position für den künftigen Wettbewerb.

Denn die Konkurrenz holt auf. Tesla wird schon ab 2020 von zwei Seiten in die Zange genommen. Hersteller wie Porsche wollen mit Modellen wie dem Taycan das lukrative Premiumsegement zurückerobern. VW und chinesische Hersteller drängen ins elektrische Einstiegssegment. Und spätestens dann wird auch der für Tesla bislang lukrative Handel mit CO2-Zertifikaten deutlich leiden.

Im Jahr 2019 ist Tesla noch weitgehend alleine am Markt. Diese Zeit braucht Musk aber auch, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

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