Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Analyse Die Gewinnwarnung von BASF ist ein Alarmsignal für die Wirtschaft

Der Chemiekonzern senkt seine Prognose kräftig. Die Dimension dieser Korrektur ist überraschend groß – und betrifft weite Teile der deutschen Wirtschaft.
Update: 09.07.2019 - 17:52 Uhr 1 Kommentar
Der Chemiekonzern musste seine Prognose für das Gesamtjahr deutlich nach unten korrigieren. Quelle: dpa
BASF-Anlage

Der Chemiekonzern musste seine Prognose für das Gesamtjahr deutlich nach unten korrigieren.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist nur acht Wochen her, dass Martin Brudermüller die Aktionäre mit einem packenden Auftritt überzeugte. „Wir müssen uns verändern. Deutlich verändern“, rief der BASF-Chef auf der Hauptversammlung den Anteilseignern zu und erklärte 2019 zum Übergangsjahr.

Wenn man dieses Jahr erfolgreich meistere, sei BASF danach in einer „ausgezeichneten Startposition für nachhaltiges Wachstum“. Und er demonstrierte Optimismus, als er trotz der bereits spürbaren Schwächen im Geschäft die Prognose für 2019 bestätigte.

Lesen Sie auch:

Von einem erfolgreichen Jahr für BASF kann allerdings schon jetzt keine Rede mehr sein. Die schwache Konjunktur macht die Pläne des weltgrößten Chemiekonzerns zunichte. Am Montagabend musste BASF die Prognosen für 2019 zusammenstreichen, und zwar so massiv, wie es kein Analyst und Investor erwartet hatte.

Bis zu 30 Prozent könne der Gewinneinbruch 2019 erreichen, teilte der Konzern mit. Bisher hatte er einen leichten Zuwachs des operativen Gewinns (Ebit) versprochen. Vom geplanten Umsatzwachstum ist keine Rede mehr, stattdessen wird auch hier ein Rückgang erwartet.

Von der heftigen Prognosekorrektur des weltgrößten Chemiekonzerns gehen zwei Signale aus: Es ist ein Alarmzeichen für die deutsche Industrie insgesamt, deren Geschäfte immer schlechter laufen.

Zudem bringt es den BASF-Chef in die unbequeme Lage, dass er sich erneut verkalkuliert hat: Schon zum zweiten Mal in seiner erst 14-monatigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender muss Brudermüller eine Gewinnwarnung erklären. Einen solchen Rückschlag kann er bei seinen Umbauplänen für das Dickschiff BASF nicht gebrauchen.

Die von BASF ausgelösten Schockwellen an der Börse waren beachtlich. Die Aktie des Konzerns verlor zeitweise bis zu sechs Prozent an Wert und riss Konkurrenten wie Covestro und andere Industriekonzerne wie Thyssen-Krupp mit nach unten. Die Anleger interpretierten die BASF-News als weiteres Zeichen, dass die Wirtschaft insgesamt auf einen veritablen Konjunktureinbruch zusteuert.

Die Entwicklung der Chemiebranche deutet darauf hin. Der Branchenverband VCI hat in der vergangenen Woche ein weiteres Mal die Prognose für Deutschlands drittgrößten Industriezweig gesenkt.

Die Lage in der Chemie und bei einem derart breit aufgestellten Konzern wie BASF ist ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Die Hersteller beliefern mit Vorprodukten beinahe alle Branchen in jeder Region und bekommen eine sinkende Nachfrage früh zu spüren.

Schwäche der Autoindustrie belastet

Dieser Rückgang muss in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich an Fahrt gewonnen haben – sonst hätte sich ein erfahrener Manager wie Brudermüller Anfang Mai nicht weiterhin so zuversichtlich gezeigt. Tatsächlich hatte die Chemie im Juni einen der schlechtesten Monate seit Langem, wie eine Umfrage der Baader Bank unter 30 Herstellern ergab.

Für den Juli sehen die Firmen keine Besserung. Die Kunden aus der verarbeitenden Industrie würden sich mit Bestellungen stark zurückhalten. Aus Sicht von BASF liegt dies an der zunehmend unsicheren Lage der Weltwirtschaft.

Herrschte vor wenigen Wochen noch Zuversicht, dass der handelspolitische Konflikt zwischen China und den USA zügig beigelegt werden könnte, so macht sich nun Enttäuschung breit. „Der G20-Gipfel Ende Juni hat gezeigt, dass nicht mit einer schnellen Entspannung im zweiten Halbjahr 2019 zu rechnen ist“, schreibt BASF.

Grafik

Besonders belastend wirkt die anhaltende Schwäche der Automobilindustrie. Zu Jahresbeginn war die Hoffnung groß, dass die Absatzprobleme in Deutschlands bedeutendster Branche auf die neuen Zulassungsstandards zurückzuführen sind und schnell vorübergehen. Das stellt sich nun als Trugschluss heraus.

In China, dem wichtigsten Markt für die deutschen Autobauer, sei der Rückgang der Autoproduktion mit zuletzt rund 13 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. BASF beliefert Autobauer etwa mit Lacken und Kunststoffen; auf diese Kunden entfällt ein Fünftel des Konzernumsatzes. Auch in anderen Chemiefirmen heißt es, dass die Autoindustrie nicht in Fahrt komme. „Das wird das restliche Jahr wohl so bleiben“, sagt ein Topmanager der Branche.

Bei BASF führte die Nachfragedelle dazu, dass der bereinigte operative Gewinn (Ebit vor Sondereinflüssen) im zweiten Quartal um 47 Prozent auf eine Milliarde Euro sank. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 15 Milliarden Euro zurück. Ob es bei Konkurrenten ebenso schwach aussieht, ist unklar. Die Baader Bank rechnet in ihrer Branchenstudie damit, dass es weitere Gewinnwarnungen geben wird. Der Kölner Chemiekonzern Lanxess hingegen bestätigte am Dienstag seine Prognose für 2019 und verwies auf das konjunkturrobustere Portfolio, das der Konzernumbau gebracht hat.

Brudermüller muss gegensteuern

Bei BASF hingegen sind die Geschäfte hochvolatil, wie das Auf und Ab in den vergangenen Jahren zeigt. Auch deswegen fällt die aktuelle Gewinnwarnung so stark aus. Besserung sollte eigentlich die Übernahme der Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäfte von Bayer bringen, die die Leverkusener im Zuge der Monsanto-Übernahme abgeben mussten.

Doch auch die BASF-Agrarsparte schwächelte im zweiten Quartal im wichtigen nordamerikanischen Markt. Dort bestellten Bauern weniger Pflanzenschutzmittel, nachdem Überschwemmungen den Anbau auf ihr Feldern zerstört hatten. Zudem dämpfte auch im Agrargeschäft der Handelsstreit zwischen den USA und China die Nachfrage.

Brudermüller muss angesichts der schwachen Konzernverfassung gegensteuern – und das bedeutet vor allem strikte Kostendisziplin und einen schnellen Erfolg beim geplanten Umbau. Angesichts dieser Prognosekorrektur müsse man die Frage nach der Aufstellung von BASF stellen, kommentierte Analyst Chetan Udeshi von JP Morgan. Man könne nicht auf allen Hochzeiten tanzen, schrieb er und spielte damit auf das breite BASF-Portfolio an, das von Basischemie über Kunststoffe bis zu Saatgut reicht.

An der grundsätzlichen Ausrichtung von BASF rüttelt Brudermüller nicht, aber er will den Konzern schneller machen und den Segmenten mehr Freiheiten geben. Die Organisation von BASF gilt als sehr komplex. Deswegen trifft der Umbau vor allem die Verwaltungseinheiten. Auf sie entfällt ein Großteil der 6 000 wegfallenden Stellen. Zugleich will sich BASF von einzelnen, schwach wachsenden Geschäften trennen – etwa der Bauchemie.

Am Erfolg dieser Projekte wird Brudermüller gemessen. Die zweite Gewinnwarnung wird ihm an der Börse noch nicht übel genommen. „Seiner Reputation hilft das nicht, aber einen Vertrauensverlust sehen wir nicht“, sagt Analyst Markus Mayer von der Baader Bank. „Der BASF-Chef hat die richtigen Programme zum Umbau angestoßen.“

Eine weitere Gewinnwarnung will er in jedem Fall vermeiden – auch deswegen hat er die Ziele für 2019 so deutlich gesenkt.

Mehr: Die eingetrübte Weltwirtschaft und Handelskonflikte machen der Chemiebranche immer mehr zu schaffen. Der Branchenverband senkt erneut die Prognose für 2019.

Startseite

Mehr zu: Analyse - Die Gewinnwarnung von BASF ist ein Alarmsignal für die Wirtschaft

1 Kommentar zu "Analyse: Die Gewinnwarnung von BASF ist ein Alarmsignal für die Wirtschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Fröndhoff,

    verwundert reibe ich mir die Augen. Träume ich oder wache ich? Oder habe ich Halluzination?

    Da meldet ein DAX-Konzern für das 2. Quartal einen leichten Umsatzrückgang von 4 %. Das ist glaubhaft und kein Aufreger.

    Aber bei nur geringfügig zurückgegangenen Verkäufen sollen sich die Gewinne fast halbiert (EBIT - 47%) haben. Dass diese Zahlen nicht zusammen passen, sondern sich hart im Raume stoßen, ist augenfällig. Staunen darf man auch darüber, dass die Geschäftsleitung noch vor kurzem guter Stimmung war und von einem eklatanten Gewinneinbruch anscheinend nicht das Geringste ahnte.

    Ich glaube deshalb auch nicht an die angebotenen Erklärungen. Sie sind mir schlicht zu fadenscheinig und mit zu wenig Substanz hinterlegt. Wie Ausreden halt so sind. Aber ein Alarmsignal für die Industriekonjunktur sind diese Ausreden sicherlich nicht.

Serviceangebote