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Analyse Harald Krüger hinterlässt bei BMW ein Erbe mit Schattenseiten

Der scheidende Vorstandschef Krüger verabschiedet sich mit durchwachsenen Zahlen von BMW. Der drohende Brexit könnte die Jahresprognose noch kippen.
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Der Konzernchef verabschiedet sich nach 27 Jahren bei BMW. Quelle: Sepp Spiegl
Harald Krüger

Der Konzernchef verabschiedet sich nach 27 Jahren bei BMW.

(Foto: Sepp Spiegl)

München Zwei Wochen ist Harald Krüger noch BMW-Chef, der 16. August sein letzter Arbeitstag. Bevor sein designierter Nachfolger Oliver Zipse die Geschäfte in der Konzernzentrale übernimmt, zog Harald Krüger am Donnerstag noch einmal Bilanz. Über das erste Halbjahr des Münchener Autobauers und über seine knapp vierjährige Amtszeit als Vorstandschef.

„Die BMW Group ist robust, innovationsstark und gut aufgestellt“, urteilt Krüger über sein Erbe. Tatsächlich zeigt die Halbjahresbilanz ein gemischtes Bild. Anders als die Konkurrenten Daimler und Audi gelang es den Münchenern in den ersten sechs Monaten, etwas mehr Autos zu verkaufen als im Vorjahr, der Marktanteil wächst.

Während der Absatz in den USA und Europa leicht zurückging, zog er in China kräftig an. Auf dem größten BMW-Einzelmarkt liegen die Verkäufe um 16,8 Prozent über dem Vorjahr. Die Schattenseite: Mehr denn je ist BMW vom Erfolg in Fernost abhängig.

Abhängiger wird BMW auch von den steigenden Anteilen der SUVs im Portfolio. Mit dem kompakten X2 und dem riesigen X7 hat BMW zwei neue Modelle im Angebot, zudem wurde der X5 grundlegend erneuert. Da nun der X3 nicht nur in den USA, sondern auch in China und Südafrika gebaut wird, kann BMW alle Märkte ausreichend bedienen. Konkurrent Daimler kämpft hingegen seit Monaten mit Produktionsschwierigkeiten in seinem SUV-Werk in Alabama.

Die teuren und gut ausgestatteten Geländewagen helfen BMW, das Ergebnis zu stabilisieren. Zwar brach das operative Ergebnis im Autogeschäft im Vergleich zum Vorjahresquartal um ein Viertel ein, doch anders als zu Jahresbeginn schreibt BMW keine roten Zahlen mehr.

Krüger und Finanzchef Nicolas Peter mussten im ersten Quartal eine Gewinnwarnung herausgeben, da BMW eine milliardenschwere Kartellstrafe der EU-Kommission in Sachen Abgasreinigung fürchten muss.

Die Preise sind unter Druck

Auch ohne Sonderbelastung läuft BMW längst nicht mehr so rund wie in den Vorjahren. Denn die zusätzlichen Absätze werden offenbar auch mit höheren Rabatten erkauft. „Wir hätten uns eigentlich erhofft, dass wir noch stärker die Nachlässe absenken können“, räumte Finanzchef Peter ein.

Vor allem in den USA und Europa sind die Preise unter Druck, BMW und Mercedes drosseln bereits den Aufbau neuer Kapazitäten. So hat BMW in Ungarn zwar ein neues Werk in Bau – wann dort Autos produziert werden, lässt der Vorstand aber offen.

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Wichtiger ist für Peter die Stabilisierung der Ergebnisse. Mit einer Ebit-Marge von 6,5 Prozent im Autogeschäft liegt BMW mittlerweile um zwei Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Angepeilt wird für das Gesamtjahr ein Wert zwischen 4,5 bis 6,5 Prozent.

Bis 2022 sollen die Kosten um rund zwölf Milliarden Euro gesenkt werden, vornehmlich durch Einsparungen im Materialeinkauf, in der Entwicklung und im Entschlacken von Modellen und Ausstattungen. Der in den vergangenen Jahren ausgegebene „Zielkorridor“ von acht bis zehn Prozent bleibe aber „der grundsätzliche Anspruch, den BMW in einem stabilen Umfeld anstrebt“, erklärte der Konzern.

Doch das Umfeld ist alles andere als stabil: Noch immer steht die Drohung von US-Präsident Donald Trump im Raum, Autoimporte aus Europa in die USA mit einem Strafzoll von 25 Prozent zu versehen. Auch der latente Konflikt zwischen den USA und China kann BMW viel Geld kosten, wenn die in South Carolina gebauten Geländewagen erneut mit Strafzöllen bei der Einfuhr nach China belegt werden.

Ein harter Brexit dürfte die BMW-Prognosen ebenfalls gefährden. Großbritannien ist nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch Heimat und Produktionsbasis der Konzerntöchter Mini und Rolls-Royce.

Herausforderungen, die künftig Oliver Zipse bewältigen muss. Krüger hatte Anfang Juli erklärt, seinen im Mai 2020 auslaufenden Vertrag als Vorstandsvorsitzender nicht verlängern zu wollen. Kritiker im Unternehmen warfen ihm vor, insbesondere bei der Einführung der Elektromobilität nicht entschieden genug gehandelt zu haben.

Ende Juli hatte der Aufsichtsrat dann Produktionsvorstand Zipse zu seinem Nachfolger bestimmt. Der 55-Jährige soll bereits in zwei Wochen den Vorstandsvorsitz übernehmen. Bislang ist noch nicht klar, welchen Kurs der künftige BMW-Chef einschlagen will.

Krüger wünscht Zipse jedenfalls „viel Erfolg“. Er selbst zog eine positive Bilanz seiner Amtszeit. Als eine seiner wichtigsten Entscheidungen bezeichnete er die Mehrheitsübernahme des chinesischen Joint Ventures mit Brilliance, die BMW in Zukunft mehr Durchgriff und mehr Profitabilität in China sichern soll. Auch die von Krüger eingeleitete Modelloffensive werde seinem Nachfolger helfen.

Mehr: Gewinnwarnungen bei Daimler und Conti, Massenentlassungen bei Nissan: Die Autobranche steht vor schweren Zeiten. Nur einer kann sich dem Trend noch entziehen.

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1 Kommentar zu "Analyse: Harald Krüger hinterlässt bei BMW ein Erbe mit Schattenseiten"

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  • Deutliche Schattenseiten: Den Vorsprung in der E-Mobilität verspielt, in völlig unzeitgemäße Fahrzeuge investiert (z.B X7 oder 8er), zu wenig Hybridmodelle. Selbst das Design ist in die Jahre gekommen (viele Sicken und unmotivierte Kanten). Dazu jahrelang den Heimatmarkt vergessen, der das gute Image der Marke trägt.

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