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5G-Pläne von Bosch

Auf der Hannover-Messe stellte der Technologie-Konzern seine Vision für eine mit 5G-Mobilfunk vernetzte Fabrik vor.

(Foto: Caro / Oberhaeuser)

Andreas Müller im Interview Bosch-5G-Experte: „Bis Ende 2019 pilotieren wir Werke mit 5G“

Andreas Müller verantwortet bei Bosch den Umgang mit dem Echtzeit-Mobilfunkstandard. Im Interview erläutert er, wie der Konzern 5G-Netze für seine Fabriken aufbauen will.
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Berlin Der Technologiekonzern Bosch will beim Internet der Dinge eine wichtige Rolle einnehmen – sowohl als Anbieter als auch als Nutzer. Andreas Müller ist als Head of Communication and Network Technology bei Bosch der „5G-Experte“, wie es dort heißt. Zugleich ist er Vorsitzender der Allianz „5G Alliance for Connected Industries and Automation“.

Sie hat sich beim Verband der Elektroindustrie gegründet. Neben Bosch gehören ihr namhafte Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Siemens, Audi, Infineon, Huawei, Intel, Ericsson, Nokia, Sony und Qualcomm an.

Bosch spielt derzeit viele Optionen durch, wie Netze auf den Fabrikgeländen entstehen können: über Betreibermodelle, den Selbstbetrieb eines privaten 5G-Netzes bis hin zu einer kompletten Fremdvergabe. Es gibt auch Zwischenformen, heißt es bei Bosch, etwa, wenn ein Fabrikbetreiber die Netzwerkplanung sowie die Wartung fremdvergibt und sich selbst um das Netzwerkmanagementkümmert. „Bosch prüft diese unterschiedlichen Modelle und wird sich mit seiner IT-Kompetenz selbst umfassend einbringen“, heißt es seitens des Unternehmens.

Lesen Sie hier das Interview mit Andreas Müller:

Herr Müller, die 5G-Frequenzauktion ist beendet, nun folgt der Aufbau der Netze. Starten dürfte er gerade mit jenen Frequenzen, die die Bundesnetzagentur für Unternehmen reserviert hat. Wie wird Bosch sich verhalten?
Wir gehen davon aus, dass es eine Vielzahl von neuen Betreibermodellen geben wird, die vom kompletten Selbstbetrieb eines privaten 5G-Netzes bis hin zu einer kompletten Fremdvergabe reichen. Abhängig von der Größe, der Branche sowie der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens können dabei unterschiedliche Betreibermodelle bevorzugt werden.

Wir sind aktuell dabei, verschiedene Optionen für unsere eigenen Werke zu entwickeln und zu evaluieren. Dabei gibt es eine ganze Reihe von potenziellen Partnern, die uns in diesem Zusammenhang unterstützen können. Es ist zudem damit zu rechnen, dass es auch neue Anbieter geben wird, die sich speziell auf die Planung und den Betrieb von privaten 5G-Netzen fokussieren werden.

„Derzeit loten wir mit unterschiedlichen Anbietern Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit aus.“ Quelle: PR
Andreas Müller, Head of Communication and Network Technology bei Bosch

„Derzeit loten wir mit unterschiedlichen Anbietern Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit aus.“

(Foto: PR)

Was heißt das für Bosch konkret?
Derzeit loten wir mit unterschiedlichen Anbietern Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit aus. Bis Ende 2019 plant Bosch, 5G in verschiedenen Werken zu pilotieren und hierzu entsprechende private 5G-Netze aufzubauen. Derzeit warten wir noch darauf, bis geeignete 5G-Netzwerkkomponenten und Module für die Endgeräteseite zur Verfügung stehen.

Warum sind eigene 5G-Netze für Bosch so wichtig?
In unserer Vision der Fabrik der Zukunft sind nur noch Wände, Boden und Decke statisch und fest. Alles andere ist flexibel, mobil und einfach zu rekonfigurieren. Dies umfasst beispielsweise mobile Roboter, autonome Transportsysteme oder neue Assistenzsysteme, wie AR/VR, die den Menschen optimal bei seinen Tätigkeiten unterstützen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine leistungsfähige drahtlose Vernetzungsinfrastruktur, die eine effiziente Kommunikation zwischen Sensoren, Aktuatoren, Menschen und Maschinen ermöglicht. Dadurch entstehen intelligente Systeme, die sich durch ein hohes Maß an Flexibilität, Effizienz und Wandelbarkeit auszeichnen.

Und dazu benötigen Sie das Echtzeitinternet?
5G spielt dabei eine Schlüsselrolle. 5G verzehnfacht die Datenrate gegenüber 4G auf mehr als 20 Gigabit pro Sekunde im Downlink und zehn Gigabit pro Sekunde im Uplink. Gleichzeitig erhöht sich signifikant die Zuverlässigkeit, mit der Daten übertragen werden sowie die Echtzeitfähigkeit und Reaktionszeit. 5G wird so zum zentralen Nervensystem der Fabrik der Zukunft und zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Das Stichwort lautet Industrie 4.0.
Private 5G-Campusnetze sind eine wichtige Voraussetzung, um die speziellen Randbedingungen von Industrie-4.0-Anwendungen, wie beispielsweise die hohen Anforderungen an die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Vernetzungsinfrastruktur, optimal adressieren zu können.

Bisher steht noch nicht fest, zu welchen Konditionen die Bundesnetzagentur die lokalen Frequenzen vergeben wird. Es ist die Rede davon, dass landwirtschaftliche Betriebe deutlich weniger zahlen sollen als etwa Dax-Unternehmen. Wie wichtig ist die Höhe der Gebühr für die Entscheidung, solche Netze zu beantragen?
Sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen, hat Bosch fest vor, lokale Lizenzen zu beantragen – beispielsweise für Fertigungsstandorte des Unternehmens. Die Gebühren spielen dabei eine wichtige Rolle, da die industrielle Fertigung sehr kostengetrieben ist und sich der Einsatz von 5G am Ende innerhalb eines überschaubaren Zeitraums schlichtweg rechnen muss.

Sind Ihnen da vielleicht schon Details bekannt?
Die genauen Gebühren wurden seitens der Bundesnetzagentur bislang noch nicht bekanntgegeben. Wir hoffen allerdings, dass diese mit Augenmaß festgesetzt werden. Nur so wird der Einsatz von 5G in der deutschen Industrie auch in der Breite erfolgen, was wiederum den gesamten Standort Deutschland im internationalen Vergleich stärkt.

Herr Müller, vielen Dank für das Interview. Die Fragen stellte Daniel Delhaes.

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