Angst vor Donald Trump Stahlindustrie fürchtet rigide US-Handelspolitik

Die Stahlbranche erwartet zwar ein leichtes Produktionsplus im laufenden Jahr, sieht aber erhebliche Risiken für die Stahlkonjunktur – insbesondere durch die Politik von Donald Trump, den Brexit und Exporte aus Asien.
Update: 18.01.2017 - 12:44 Uhr Kommentieren
42,7 Millionen Tonnen soll die deutsche Rohstahl-Produktion im Jahr 2017 betragen – ein Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
Stahl

42,7 Millionen Tonnen soll die deutsche Rohstahl-Produktion im Jahr 2017 betragen – ein Prozent mehr als im Vorjahr.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEigentlich bräuchte es nur so weiterzugehen, dann wäre die seit Jahren krisengeschüttelte deutsche Stahlindustrie schon zufrieden: Die Preise haben sich stabilisiert. Die Kapazitäten sind dank der unverändert guten Nachfrage vor allem aus der Autoindustrie gut ausgelastet. Und der Druck chinesischer Billigimporte hat in den vergangenen Monaten etwas nachgelassen.

Es gab schon schlechtere Ausgangspositionen für die Branche rund um Marktführer Thyssen-Krupp. Doch den Konzernen schwant, dass dies nicht so bleiben wird. „Ein zentrales Risiko sehen wir darin, dass sich protektionistische Tendenzen auf den globalen Stahlmärkten weiter ausbreiten“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, am Mittwoch in Düsseldorf.

Dieses Risiko hat einen Namen: Donald Trump. Mit seinen jüngsten Äußerungen zu möglichen Zöllen für ausländische Autobauer hat der designierte US-Präsident massive Sorgen in großen Teilen der deutschen Industrie vor einer Abschottung des amerikanischen Marktes vor unliebsamer Konkurrenz ausgelöst. Auch die deutsche Stahlindustrie wäre von einer solchen protektionistischen Handelspolitik der USA betroffen.

Zum einen liefert sie rund 700.000 Tonnen direkt in die Vereinigten Staaten – das ist immerhin ein Viertel der deutschen Stahlexporte außerhalb der EU. Viel entscheidender sind aber die indirekten Exporte in Form von Autos oder Maschinen, die mit 2,5 Millionen Tonnen die direkten Stahllieferungen um mehr als das Dreifache übersteigen. Damit liegen die USA auf Rang zwei der größten Abnehmer von stahlintensiven Gütern – hinter Großbritannien. Auch der britische Markt dürfte sich spätestens nach dem Austritt des Landes aus einem gemeinsamen EU-Binnenmarkt in zwei Jahren – wie gestern von der Regierung in London verkündet – deutlich verändern.

„Protektionismus ist die falsche Antwort auf die Herausforderungen für die globale Stahlindustrie“, sagte Kerkhoff. Dass die europäische Branche gerade in den vergangenen Monaten ihrerseits massiv auf Schutzmaßnahmen der EU-Kommission gegen chinesische Billigimporte gedrängt hat, ist für ihn kein Widerspruch. Antidumping- oder Antisubventionsmaßnahmen seien ein notwendiges Korrektiv und kein Protektionismus, meinte der Stahlpräsident. Deren Ziel sei es schließlich, faire Wettbewerbsbedingungen wiederherzustellen.

Stahlpräsident fordert schärfere Handelsschutzinstrumente
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