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Anlagenbauer Das ist die neue Strategie von Gea-Chef Klebert

Durch einen Umbau will Klebert den Anlagebauer Gea zurück zum Erfolg führen. Die Firma soll in fünf Bereiche mit fünf Vorständen aufgeteilt werden.
Update: 24.06.2019 - 17:07 Uhr Kommentieren
Gea: Chef Klebert will Anlagenbauer in fünf Divisionen gliedern Quelle: dpa
Stefan Klebert

Der neue Gea-Chef will dem Konzern eine neue Struktur geben.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSeit knapp fünf Monaten ist er im Amt – nun startet Vorstandschef Stefan Klebert den Umbau des Düsseldorfer Maschinen- und Anlagenbauers Gea. So sollen die bislang zwei Geschäftsbereiche auf fünf Sparten aufgeteilt werden, wie der Lebensmittel- und Getränketechnikhersteller am Montag mitteilte.

Klebert macht damit die Strategie wieder rückgängig, die sein Vorgänger Jürg Oleas vor fünf Jahren unter dem Slogan „Fit for 2020“ ausgerufen hatte. Der bündelte die seinerzeit vier Segmente des Konzerns – Landwirtschaft, Kältetechnik, Prozesstechnik und mechanisches Equipment – in den beiden Sparten „Equipment“ und „Solutions“.

Die wird Klebert nun wieder entflechten. „Zu den wesentlichen Veränderungen gehört, dass wir das Unternehmen künftig nach Technologien aufstellen, so wie es für einen Technologieführer sinnvoll ist“, erklärte der Manager. Dabei sollen fünf eigenständige Divisionen entstehen.

So wird etwa das Geschäft mit verfahrenstechnischen Komponenten wie Separatoren, Dekantern und Pumpen künftig unter der Sparte „Separation & Flow Technologies“ geführt, die mit einem Pro-forma-Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro und einem Betriebsergebnis von zuletzt 255 Millionen Euro künftig das profitabelste Geschäft des Maschinenbauers stellen wird.

Mehr Verantwortung

Die Flüssigkeitsverarbeitung etwa für die Milch- und Brauereiwirtschaft wird mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro in Zukunft unter „Liquid & Powder Technologies“ gebündelt. Weitere Bereiche umfassen die Nahrungsmittelverarbeitung („Food & Healthcare Technologies“, Umsatz circa eine Milliarde Euro), Kühltechnik („Refrigeration Technologies“, 800 Millionen Euro) sowie die Aktivitäten in der Landwirtschaftstechnik („Farm Technologies“, 650 Millionen Euro).

Dabei soll jede Division künftig von einem eigenen dreiköpfigen Vorstandsteam geführt werden, sagte Klebert. „Jeder, der eine Division leitet, trägt zukünftig auch die Verantwortung für das entsprechende betriebswirtschaftliche Ergebnis.“ Das fördere unternehmerisches Handeln und schaffe intern und extern deutlich mehr Transparenz, erklärte der Manager. „Das ist der Schlüssel zur Steigerung unserer Profitabilität.“

Diese Steigerung hat der Konzern stellenweise auch bitter nötig: So kommt etwa die Flüssigkeitsverarbeitung derzeit auf eine Marge von nur fünf Prozent vor Steuern, Zinsen, Investitionen und Abschreibungen (Ebitda), während die verfahrenstechnischen Komponenten auf etwa 21 Prozent kommen.

Insgesamt erzielte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Ebitda-Rendite von rund elf Prozent. Dabei brach das Geschäftsergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im Vorjahresvergleich von 380,2 Millionen Euro um fast ein Drittel auf rund 260 Millionen ein.

Schon länger steht Gea bei Aktionären deshalb in der Kritik, auch weil die Aktie in den vergangenen Jahren deutlich an Wert eingebüßt hat. Gleich mehrere Gewinnwarnungen haben das Papier seit Herbst 2016 von fast 50 Euro auf nunmehr gut 25 Euro abstürzen lassen. Verantwortlich dafür war vor allem die schlechte Lage der Milchindustrie, in der Gea viele Kunden hat. Aber auch konjunkturelle Risiken sowie zunehmende Handelshemmnisse hatte der Konzern als Begründung für die jüngste Prognosesenkung im November genannt.

Zum Schluss rief der anhaltende Kursverfall auch den US-Hedgefonds Elliott auf den Plan, der zuletzt rund fünf Prozent der Anteile hielt. In einem bösen Brief forderte der Investor einen raschen Wechsel an der Spitze, nachdem Kleberts Vorgänger Jürg Oleas bekanntgegeben hatte, seinen Vertrag nicht über Februar 2019 hinaus zu verlängern. Auch der langjährige Finanzchef Helmut Schmale musste gehen. Für ihn kam im Mai der frühere Finanzchef von Klöckner, Marcus Ketter.

Dabei arbeiten Ketter und der neue CEO Klebert nicht zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammen. So kennen sich die beiden aus ihrer Zeit beim Göppinger Maschinenbauer Schuler, wo Klebert von 2010 bis 2018 Vorstandsvorsitzender war. Währenddessen arbeitete Ketter dort zwei Jahre als Finanzchef, bevor er zu Klöckner wechselte.

Vom ehemaligen Vorstandsteam der Gea blieben nach den Wechseln nur Steffen Bersch, derzeit für den Geschäftsbereich Equipment zuständig, sowie Martine Snels, die die Regional- und Länderorganisationen der Gea verantwortet, übrig. Wie das Unternehmen mitteilte, wird nun auch Snels ihren Vertrag ab Ende September 2020 auf eigenen Wunsch nicht verlängern. Ihre Aufgaben sollen dann auf die verbleibenden Vorstände aufgeteilt werden.

Personalsuche gestartet

Zusammen mit dem Umbau will Klebert zudem ein neues Vorstandsressort für die Aufgaben Einkauf, Produktion und Logistik schaffen. Derzeit laufe die Suche nach einem Kandidaten für den Posten des Chief Operational Officers (COO), der künftig auch den Einkauf aller Sparten und Regionalgesellschaften steuern soll. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Im Konzernvorstand übernehmen Klebert und Bersch künftig gemeinsam die Verantwortung für die fünf Sparten, die jeweils von einem dreiköpfigen Team aus CEO, CFO und einem sogenannten „Chief Service Officer“ geleitet werden sollen. Der soll sich vor allem um das Service-Geschäft der jeweiligen Division kümmern, das 2018 konzernübergreifend fast ein Drittel zum Umsatz beitrug.

In den kommenden Monaten will Klebert die Reorganisation weiter ausarbeiten, um den Investoren beim Kapitalmarkttag im September weitere Details zum geplanten Umbau zu nennen. Dabei will der Manager auch Orientierungsgrößen nennen, an denen die Profitabilität der einzelnen Geschäftsbereiche künftig gemessen werden soll. Anfang Oktober sollen die Mitarbeiter dann beginnen, in den neuen Strukturen zu arbeiten.

Ob der Umbau auch die Aktionäre zufriedenstellt, zu denen neben Elliott auch die Investmentholding GBL des verstorbenen belgischen Milliardärs Albert Frère (rund 8,5 Prozent) zählt, wird sich in den kommenden Wochen weisen. Denn an einer zentralen Stelle konnten die Investoren zumindest bisher noch keinen Wechsel erzwingen.

So hatte Elliott in seinem Brief von vergangenen Sommer auch „mangelnde Unabhängigkeit wesentlicher Mitglieder des Aufsichtsrats, einschließlich des Aufsichtsratsvorsitzenden, aufgrund übermäßig langer Amtszeiten“ beklagt – vor allem mit Blick auf Chefkontrolleur Helmut Perlet, der seit gut 14 Jahren in dem Gremium sitzt und noch bis zur Hauptversammlung 2021 bestellt ist.

Mehr: Wegen der schlechten Konjunkturlage hat Gea seine mittelfristigen Ziele gesenkt. Der Umsatz soll in diesem Jahr niedriger ausfallen.

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