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ARD-Reportage Undercover beim Daimler

Eine ARD-Reportage wirft dem Daimler-Konzern vor, per Werkvertrag Billigarbeitskräfte zu beschäftigen. Diese stehen mit Daimler-Mitarbeitern am selben Band – verdienen aber weniger als die Hälfte. Der Konzern weicht aus.
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Produktion im Werk Sindelfingen des Daimler-Konzerns (Archiv). Quelle: dpa

Produktion im Werk Sindelfingen des Daimler-Konzerns (Archiv).

(Foto: dpa)

Düsseldorf Untertürkheim ist das Herz des Daimler-Konzerns. An das Stammwerk hat Vorstandschef Dieter Zetsche vor ein paar Jahren die Konzernzentrale zurückgeholt, hier werden Bauteile für das Flaggschiff der Marke Mercedes produziert: die S-Klasse. Die neueste Variante des Modells wird am Mittwoch in Hamburg im ganz großen Stil präsentiert – in einem Flugzeug-Hangar von Airbus. Sängerin Alicia Keys wird auftreten, und gleich mehrere Sterneköche werden die etwa 750 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien bewirten.

Mitten in die Feierstimmung hat die ARD zur besten Sendezeit am Montagabend eine Reportage ausgestrahlt, die einen Schatten auf den glänzenden Mercedes-Stern wirft. SWR-Reporter Jürgen Rose hat sich für den Film einen Bart wachsen lassen, eine Brille aufgesetzt und bei Daimler am Band gearbeitet. Der Vorwurf des Films: Über Subunternehmen beschäftigt Daimler Mitarbeiter zu Löhnen, die ein Hartz-IV-Aufstocken möglich machen. Damit werde die Produktion des Luxusherstellers durch Steuergelder querfinanziert.

Es ist zum wiederholten Male, dass die ARD den Umgang mit Leiharbeitern in einer Reportage kritisiert. Ein Film über den Versandhändler Amazon hatte zuletzt für großes Aufsehen gesorgt – auch wenn Meldungen über eine unzulässige Zuspitzung der Vorwürfe die Runde machten. Bei RTL hatte Investigativ-Reporter Günter Wallraff den Niedriglohnsektor ins Visier genommen, indem er die Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten kritisierte. Und auch wenn die Reportagen hier und da überdrehen, treiben sie doch die Diskussion über Billiglöhne in Deutschland voran.

Auch der Daimler-Film ist eindringlich. Aus der Ich-Perspektive erzählt Rose mit vielen versteckt gefilmten Aufnahmen auch aus dem Daimler-Werk: Wie er bei einer Zeitarbeitsfirma angeheuert hat, von dieser an ein Logistik-Unternehmen ausgeliehen wurde und nur einen Tag danach „beim Daimler“, wie es in Schwaben heißt, am Band stand. Seine Aufgabe: 12,5 Kilo schwere Motorenbauteile von einem Band heben, in Tüten verpacken und für die Verschiffung nach China vorbereiten. 8,19 Euro erhält er dafür pro Stunde von der Zeitarbeitsfirma.

Politiker kritisieren den Konzern
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62 Kommentare zu "ARD-Reportage: Undercover beim Daimler"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nichts Neues, alle machen mit (2011):

    http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10021&pk=729495#729495

    " auf dem BMW-Werksgelände ... Im Rahmen von sogenannten Werkverträgen sollen Leiharbeiter nur nach dem gesetzlichen Mindeststundenlohn (7,79 Euro).. bezahlt werden."

    Kein Wunder, dass BMW eine bessere Rendite als Daimler hat, die kaufen die Leute noch billiger ein.

  • Wenn es diese Hebevorrichtung gegeben hat, und der ach so böse Journalist die zwecks hörerer Dramatik nicht verwendet hat, wieso haben die festangestellten Daimler-Mitarbeiter die vorhandene Vorrichtung nicht genutzt? Und woher wollen Sie wissen, dass die Anrufe fingiert waren? Natürlich ist es richtig, nicht alles einfach zu glauben was von Medien behauptet wird, aber angesichts der Tatsache dass Daimler ganz sicher keine weiße Weste hat, was die Behandlung von Mitarbeitern angeht, glaube ich eher dem SWR als dem Unternehmen!!

  • Ich verstehe immer nicht, warum in den Diskussionen besprochen wird wie man den Missbrauch einschränken kann. Die Firmen nutzen Menschen aus, in dem sie geltende Gesetze nutzen. Daran ist in erster Linie die Politik schuld, die diese Möglichkeiten erst durch die Gesetze geschaffen hat. So konnte man mit Leiharbeit die Arbeitslosenstatistik schön aussehen lassen. Die richtige Konsequenz wäre also einfach, das Konstrukt Leiharbeit wieder abzuschaffen.

  • Daimler macht das, was alle machen. So funktionieren die sogenannten “Werksverträge” in der Praxis bei fast allen grossen deutschen Industrieunternehmen.

    Das spart Lohnkosten. Die Politik fördert das.

  • Ich glaube, die ARD weiß nicht, oder will es nicht wissen, dass Leiharbeit bei jedem Fahrzeug-Hersteller in Deutschland Gang und Gäbe ist.
    Gerade BMW hat hier angefangen.
    Leider wurde die Reportage nicht dort gedreht, denn es hätte sich das gleiche Bild gezeigt.
    Mit Daimler lässt sich halt mehr Einschaltquote realisieren...

  • Welche Teile der Reportage stimmen und welche nicht, bleibt fraglich.
    Denn nach Daimler-Erkenntnissen gab es bspw. eine Hebevorrichtung für den Zylinderkopf, den der Reporter ENTGEGEN Einweisung nicht angewendet hat.
    Und die Anrufe bei der Daimler-Presseabteilung waren fingiert.
    -->Da geht es dann wie bei den gefälschten Doktorarbeiten:
    Wenn so geschummelt wird, ist der ganze Wahrheitsgehalt fraglich.
    Da hilft dann auch keine erzwungene Gegendarstellung, den Image-Schaden auszugleichen.

  • Leider ist Daimler schon seit längerem auf dem Holzweg - es wird Zeit, das obere Management (1.+2. Ebene) auszutauschen, da wird nur noch politisch agiert und inhaltlich eine Katastrophe nach der anderen fabriziert:

    a) Marktstudien vor Einführung des GLK verkommen zur Alibiveranstaltung - trotz 95% negativem Feedback seitens der > 10 Teilnehmer wird so gut wie NICHTS geändert, 3 Monate später in der nächsten Runde der Studie steht da der gleiche hässliche Wagen... Es wird einfach so lange getestet, bis statistisch gesehen sich der positive Zufallstreffer einstellt!

    b) Beim Einkauf lässt man McKinsey Leute im Alter von ca. <30 Jahren auf gestandene Zulieferer los - leider sind die McKinsey's nicht nur inkompetent (weil fachfremd), sondern vom Benehmen her arrogant und ignorant damit untragbar für eine langfristige Lieferantenbeziehung. So bekommt Daimler bestimmt nicht die besten Innovationen, die es im Zulieferer-Markt gibt! Dies ist leider bei Mercedes zu sehen - das Navi ist vom Stand der Technik her rund eine Generation hinter der Konkurrenz BMW und Audi...

    c) Das Thema Leiharbeit zeigt einen krampfhaften Fokus auf Kosten - anstelle von Innovationen, die Daimler dringend nötig hätte! Aber dazu fehlen Mut, Anreize, Fehlertoleranz und die richtigen Leute im Management - offenbar haben die Guten längst das Schiff verlassen oder wurden mundtot gemacht.

    Fazit: Der Fisch fängt immer vom Kopf an, zu stinken...

  • Stellt das ab, sonst kauf ich in Zukunft keinen Daimler mehr ... es ist eine Schande, was Schremp und Zetsche aus der Firma gemacht haben ... nehmt euch lieber ein Beispiel an dem Management von Volkswagen ...

  • Genau so ist es! Leiharbeit könnte ja sinnvoll sein, aber durch die Werkverträge wird die equal pay Regel ausgehebelt! Das freut die Anleger, aber Nachfrage schafft es nicht hierzulande.

  • Es sind eben nicht nur Zeitarbeitsfirmen, die im "Wettbewerb um den besten Preis" für den Kunden stehen, es sind eben auch immer mehr Firmen, die im Werkvertrag arbeiten.

    Wem nutzt das alles? Den Auftraggeber!

    Hier sind die Gewerkschaften gefordert. Immer große Klappe und anschließend stehen alle zusammen auf dem Golfplatz...

    Die Lösung:
    ...könnte so aussehen: Der Auftraggeber, in dem Fall Daimler, benötigt Mitarbeiter mit einer bestimmten Qualifikation, die zum Beispiel ab 25,-- Euro je Stunde angeboten wird. Warum sagt dann der Betriebsrat, zum Beisoiel durch Betriebsvereinbarung nicht, ist in Ordnung wenn der Betrieb die Mitarbeiten benötigt, die Leistung wird aber für 35,-- Euro je Stunde eingekauft...

    Wenn es für den Betrieb wichtig ist, dann macht er es, der Lieferant (die Zeitarbeitsfirma) muß nicht das letzte aus dem Mitarbeiter "Rauspressen" und es wird von dem Auftragnehmer der Mitareiter eingesetzt, der die beste Qualifikation hat...

    Ssssoooooo einfach könnte es gehen, aber da schlafen die Genossen und anschließend kommen die Krokodilstränen...

    Da will man doch nur...

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