Arzneimittel-Piraterie Die Jagd nach den gefälschten Medikamenten

Der Schutz vor Fälschungen ist für Pharmafirmen eine große Herausforderung. Illegal hergestellte Mittel gefährden Patienten und fügen der Branche Milliardenschäden zu. Neue Technologien sollen das ändern.
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Die weißen Tabletten des Arzneimittel-Herstellersd Gilead sind für Entwicklungsländer bestimmt, die orangefarbenen für die Industrieländer: Im Juni tauchten in Deutschland illegal importierte weiße Harvoni-Tabletten auf. Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Illegal importiertes Hepatitis-Mittel Harvoni

Die weißen Tabletten des Arzneimittel-Herstellersd Gilead sind für Entwicklungsländer bestimmt, die orangefarbenen für die Industrieländer: Im Juni tauchten in Deutschland illegal importierte weiße Harvoni-Tabletten auf.

(Foto: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

FrankfurtAnfang des Monats sorgte der Fall Harvoni für Schlagzeilen: Eine Apotheke in Dortmund hatte eine Packung des Hepatitis-Mittels mit weißen statt der üblichen orangen Tabletten ausgegeben. Der Patient merkte das allerdings zu Hause und meldete den Vorfall. Mittlerweile ist nach den Ermittlungen der Behörden klar: Die weißen Tabletten stammen wie die orangen vom Hersteller Gilead und sind bis auf die Farbe identisch. Sie waren aber nicht für den europäischen Markt, sondern für Entwicklungs- und Schwellenländer bestimmt. Die Pillen wurden illegal umverpackt und vermutlich über die Niederlande in den deutschen Pharmagroßhandel geschleust.

Gefälschte Arzneimittel sind ein großes Thema für die Branche, wie eine Studie der Unternehmensberatung PWC Strategy& zeigt. „In Deutschland und anderen Industrieländern kommen gefälschte Arzneimittel zwar nicht so häufig vor, aber dennoch ist die Pharmaindustrie die weltweit von Produktfälschungen am stärksten betroffene Branche. In den Entwicklungs- und Schwellenländern geht man bei einigen Produkten von einem Anteil gefälschter Medikamente zwischen 30 und 60 Prozent aus“, sagt Peter Behner, Managing Director bei PWC Strategy&. Schätzungen des britischen Markenschutzdienstleisters Netnames zufolge entsteht der Pharmabranche ein jährlicher Schaden von 150 bis 200 Milliarden Euro.

Im Falle Harvoni wollte der Fälscher wohl allein durch das Umverpacken einen stattlichen Gewinn kassieren. Der US-Konzern Gilead gibt seine Hepatitis-C-Medizin in Entwicklungs-  und Schwellenländern zu einem deutlich günstigeren Preis ab als in den Industriestaaten. Während eine Packung Harvoni mit 28 Tabletten hierzulande in Apotheken für 17.666,23 Euro verkauft wird, kostet sie in Ländern wie Ägypten, Südafrika, Indien, Marokko, Kambodscha, der Dominikanischen Republik oder der Ukraine etwa 400 Dollar.

Damit Patienten in ärmeren Ländern Zugang zu dieser Medizin haben, hat Gilead entsprechende Produktionsverträge mit elf indischen Generikaherstellern geschlossen. Um eben zu vermeiden, dass günstig abgegebene Tabletten für die Entwicklungsländer teuer in die Industrieländer verkauft werden, haben die sogenannten Market-Access-Tabletten eine andere Farbe.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Solche Maßnahmen helfen gegen illegale Geschäfte mit Arzneimitteln, reichen aber längst nicht aus, um das Problem zu beherrschen. Deshalb wird in Europa gerade an der Umsetzung der EU-Fälschungsrichtlinie gearbeitet. Ab 2019 dürfen verschreibungspflichtige Medikamente nur noch mit einer individuellen Seriennummer verkauft werden. Die Echtheit des Mittels kann so in der Apotheke überprüft werden. In Deutschland wird die Richtlinie von der Securpharm-Initiative von Pharmaherstellern, Großhändlern und Apotheken umgesetzt.

Aber auch diese Maßnahmen gehen nach Ansicht von Strategy&-Partner Behner im Kampf gegen Arzneimittelfälschung nicht weit genug. Denn eine Außenverpackung kann immer noch vergleichsweise einfach gefälscht werden. „Wenn man etwa die Blisterverpackungen kennzeichnen würden, wäre es für Fälscher schon viel aufwendiger, illegale Kopien herzustellen“, sagt er.

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