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Arzneimittelhandel Phoenix kauft Teile von McKesson Europe und baut damit seine Führungsposition aus

Mit der Übernahme von wichtigen Teilen des Europageschäfts des US-Konzerns treibt die Mannheimer Gruppe die Konsolidierung im europäischen Pharmahandel voran.
07.07.2021 - 16:23 Uhr Kommentieren
Der Mannheimer Konzern, der komplett zur Unternehmensgruppe von Ludwig Merckle gehört, dürfte mit dem Deal mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz hinzugewinnen. Quelle: dpa
Pharmahändler Phoenix

Der Mannheimer Konzern, der komplett zur Unternehmensgruppe von Ludwig Merckle gehört, dürfte mit dem Deal mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz hinzugewinnen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Mannheimer Phoenix-Gruppe will große Teile des Europageschäfts des US-Konzerns McKesson übernehmen und damit ihre Stellung als führender europäischer Pharmahändler ausbauen.

Wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten, plant Phoenix den Erwerb der Aktivitäten von McKesson Europe in Belgien, Frankreich, Irland, Italien, Portugal und Slowenien. Außerdem wurde die Übernahme der Europazentrale von McKesson in Stuttgart und der 45-prozentigen Minderheitsbeteiligung des US-Konzerns am Gemeinschaftsunternehmen Brocacef Groep in den Niederlanden vereinbart, an dem Phoenix bisher bereits eine Mehrheitsbeteiligung hält.

Der Mannheimer Konzern, der komplett zur Unternehmensgruppe von Ludwig Merckle gehört, dürfte mit dem Deal mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz hinzugewinnen und damit in Richtung 40 Milliarden Euro Geschäftsvolumen wachsen. Zum Kaufpreis machen die beiden Unternehmen keine Angaben. Er dürfte sich nach Schätzungen aus Finanzkreisen bei ein bis zwei Milliarden Euro bewegen.

Phoenix ist mit 28 Milliarden Euro Umsatz bisher bereits Europas größter Pharmahändler vor der US-Kette Walgreens Boots Alliance. Durch den Kauf der McKesson-Aktivitäten wird er seinen Vorsprung vor der Konkurrenz noch deutlich ausbauen. Vom Gesamtumsatz entfielen im vergangenen Geschäftsjahr rund 9,7 Milliarden Euro oder 35 Prozent auf das Deutschlandgeschäft.

Darüber hinaus ist Phoenix in Europa in weiteren 26 Ländern als Großhändler und Logistikdienstleister für die Pharmabranche vertreten und betreibt in einer Reihe von Ländern zudem auch eigene Apothekenketten. Durch den Deal mit McKesson gewinnt die Gruppe nun eine Präsenz in Ländern wie Belgien, Irland, Portugal und Slowenien hinzu, wo sie bisher nicht vertreten ist. Darüber hinaus kann sie bestehende Aktivitäten in Frankreich und Italien ausbauen. Allerdings steht die Transaktion noch unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch die europäischen Kartellbehörden.

McKesson will sich von weiteren Aktivitäten in Europa trennen

„Mit diesem Schritt stärken wir die Position der Phoenix Group als integrierter Gesundheitsdienstleister mit europaweiter Präsenz und lokal etablierten Marken. Unseren Kunden, Patienten und Partnern in Europa können wir künftig noch umfassendere und optimal ineinandergreifende Angebote machen“, kommentierte Phoenix-Chef Sven Seidel den geplanten Deal.

Mit der Übernahme treibt Phoenix den bereits seit Jahrzehnten bestehenden Konsolidierungstrend im europäischen Pharmahandel weiter deutlich voran. Er ist geprägt durch zahlreiche kleinere und immer wieder auch größere Transaktionen. Ende 2019 bündelten McKesson und Walgreens Boots Alliance ihre deutschen Großhandelsaktivitäten in einem Gemeinschaftsunternehmen, an dem Walgreens mit 70 Prozent die Mehrheit hält.

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Für McKesson bedeutet der Deal mit Phoenix insofern einen weiteren Schritt auf dem Rückzug aus Europa. Auch von den verbleibenden Pharmahandelsaktivitäten in Großbritannien, Norwegen, Österreich und Dänemark, die nicht Teil des Phoenix-Deals sind, wird sich McKesson wohl trennen. Man prüfe strategische Optionen für diese Geschäfte, um sich künftig auf Wachstumsstrategien außerhalb Europas zu konzentrieren, teilte der US-Konzern am Mittwoch mit. Für Phoenix wäre eine Übernahme dieser Aktivitäten kartellrechtlich extrem schwierig, ebenso wie Zukäufe im deutschen Pharmagroßhandel, wo der Mannheimer Konzern ebenfalls Marktführer ist.

McKesson ist mit 238 Milliarden Dollar Umsatz das zweitgrößte Pharmahandelsunternehmen der USA nach CVS. In Europa fasste der Konzern 2014 mit der Mehrheitsübernahme des Pharmahändlers Celesio (ehemals Gehe) für insgesamt 6,2 Milliarden Euro Fuß. Celesio wurde später in McKesson Europe umbenannt. Insgesamt ist die Gruppe mit rund 38.000 Mitarbeitern in 13 Ländern Europas aktiv und erzielte zuletzt noch rund 17 Milliarden Euro Umsatz. Sie wird mit den nun geplanten Transaktionen jedoch praktisch zerschlagen.

Walgreens erwarb 2014 den Pharmahändler Alliance Boots, der zuvor durch die Fusion von Alliance Unichem mit der britischen Apothekenkette Boots entstanden war. Inzwischen hat das US-Unternehmen seinen Pharmagroßhandel inklusive der meisten europäischen Aktivitäten an Amerisource-Bergen weiterverkauft.

Hohe Wertberichtigungen auf Europa-Aktivitäten

Für beide US-Konzerne erwiesen sich die Engagements im margenschwachen europäischen Pharmahandel als wenig erfolgreich. Unter dem Eindruck rückläufiger Renditen und schwacher Wachstumsraten waren sowohl McKesson als auch Walgreens in den vergangenen Jahren zu hohen Wertberichtigungen von rund zwei Milliarden Dollar auf ihre Europa-Aktivitäten gezwungen. McKesson Europe schrieb ab 2016 vier Jahre in Folge rote Zahlen.

Die Phoenix-Gruppe hat sich in dem Umfeld insgesamt besser geschlagen, auch wenn sie vom Margenverfall keineswegs verschont blieb. Seit 2014 steigerte sie ihren Umsatz durch organisches Wachstum und kleinere Zukäufe um rund ein Viertel auf zuletzt 28,2 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2020/21, das am 31. Januar endete.

Die operative Marge, gemessen am ausgewiesenen Betriebsergebnis (Ebit) sank zwischenzeitlich zwar von ehemals zwei auf nur noch 0,2 Prozent, hat sich im vergangenen Jahr aber wieder deutlich auf 1,3 Prozent erholt. Der Nettogewinn verbesserte sich von schwachen 40 Millionen im Vorjahr auf 227 Millionen Euro. Auch den Free Cashflow konnte die Gruppe zuletzt deutlich auf knapp 430 Millionen Euro verbessern, was die Finanzkraft für die jetzt geplante Großübernahme stärkte. Der Konzern verfügte nach eigenen Angaben zuletzt außerdem über ungenutzte Kreditlinien von rund 1,8 Milliarden Euro.

Die Akquisition erfolge vor dem Hintergrund hoher Wettbewerbsintensität und zunehmenden Margendrucks in der europäischen Gesundheitsbranche, räumt Phoenix ein. Zugleich steigerten der demografische Wandel und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und -produkten.

Mit dem Ausbau der europäischen Präsenz stelle man daher die Phoenix-Gruppe noch robuster für zukünftige ökonomische und regulatorische Marktveränderungen auf, so Firmenchef Sven Seidel. Zudem eröffne der Ausbau neue Möglichkeiten, die digitale Transformation des Gesundheitssektors aktiv mitzugestalten.

Mehr: Bayer, Boehringer, Merck: Wie deutsche Pharmafirmen im Krebsmittelgeschäft aufholen wollen

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