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Arzneimittelindustrie Wie Roche und Novartis die Spitze der Pharmabranche erobern

Lange führte der US-Konzern Pfizer die Arzneimittelindustrie an. Doch nun ziehen die Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis an ihm vorbei.
02.02.2020 - 14:03 Uhr Kommentieren
Wie Roche und Novartis die Spitze der Pharmabranche erobern Quelle: Bloomberg
Molekularanalyse

„Durch unser Projekt bekommen sechs Millionen Menschen den Zugang zu den Möglichkeiten, die die Charité im Bereich Präzisionsonkologie hat.“

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt, Zürich Auf eine Konstante war in der Pharmaindustrie in den letzten zwei Jahrzehnten stets Verlass: Wie sehr sich die Branche auch bewegte, die Nummer eins, gemessen am Arzneimittelumsatz, war immer der US-Konzern Pfizer.
Doch nun bahnt sich erstmals seit Langem wieder eine Wachablösung an.

Aller Voraussicht nach werden in diesem Jahr die beiden Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis die Führungsposition im Arzneimittelgeschäft übernehmen – und damit den langjährigen Branchenführer Pfizer ablösen. Dafür jedenfalls sprechen die jüngsten Zahlen und Prognosen der Baseler Konzerne.

Beide Unternehmen steigerten ihren Umsatz währungsbereinigt um neun Prozent. Bei Roche legten die Erlöse inklusive des Diagnostika-Geschäfts damit auf 61,5 Milliarden Franken (umgerechnet etwa 64 Milliarden Dollar) zu. Die Pharmasparte alleine wuchs um starke elf Prozent auf 48,8 Milliarden Dollar.

Damit ist Roche, was die reinen Arzneimittelerlöse angeht, bereits bis auf weniger als eine Milliarde an den US-Konzern Pfizer herangerückt. Novartis folgt mit 47,5 Milliarden Dollar nicht weit dahinter. Vor allem der Aufstieg von Roche ist bemerkenswert, zumal der Baseler Konzern aktuell den Patentablauf bei seinen bisherigen drei Spitzenprodukten verkraften muss.

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    Die Krebsmittel Rituxan, Herceptin und Avastin erzielten 2017 zusammen noch mehr als 20 Milliarden Franken Umsatz. Doch inzwischen dürfen die Kassenschlager in Europa und teilweise auch in den USA von Konkurrenten als sogenannte Generika kopiert werden.

    Und obwohl sich dieser Wettbewerb im laufenden Jahr noch verstärken wird, stellt Roche-Chef Severin Schwan auch für 2020 ein Umsatzwachstum um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentsatz in Aussicht. „Wir erwarten einen deutlichen Impact durch Biosimilars, vor allem in den USA“, sagt Schwan. „Aber wir glauben, dass wir die Umsatzverluste durch unsere neuen Medikamente deutlich überkompensieren können“.

    Grafik

    Weiter starke Zuwächse erwartet Roche etwa durch das Multiple-Sklerose-Mittel Ocrevus, das Medikament Hemlibra, mit dem sich die Bluterkrankheit behandeln lässt, oder das Krebsmittel Tecentriq. Noch optimistischer gibt sich der heimische Konkurrent Novartis, der seine großen Patentabläufe bereits verdaut hat.

    Für 2020 verspricht Firmenchef Vas Narasimhan ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent, angetrieben unter anderem von steigenden Erlösen mit neu entwickelten Medikamenten gegen Schuppenflechte und Herzschwäche und der neuartigen Gentherapie Zolgensma gegen die Erbkrankheit SMA.

    Neues Spitzenduo in der Pharmabranche

    Demgegenüber prognostiziert Branchenführer Pfizer Stagnation oder leichte Umsatzrückgänge für seine angestammten Pharmaaktivitäten. Zudem will Pfizer sein rund zehn Milliarden Dollar großes Geschäft mit patentfreien Altprodukten in eine neue Gesellschaft abspalten und mit der US-Firma Mylan bündeln. Auch dadurch wird sich der Umsatz des bisherigen Branchenführers im Laufe des Jahres reduzieren.

    Damit ist vorgezeichnet, dass die beiden Schweizer Konzerne 2020 zum neuen Spitzenduo der Pharmabranche aufsteigen werden, mit jeweils etwas mehr als 50 Milliarden Dollar Arzneimittelumsatz. Wer genau die Nase am Ende vorne hat, wird von den konkreten Wachstumsraten abhängen.

    Der Wachwechsel beleuchtet den Strukturwandel und die neuen Erfolgsfaktoren in der Branche. Die tendenziell stetigeren und stärker auf Innovationen ausgerichteten Strategien der Schweizer haben sich auf lange Sicht als überlegen erwiesen. Unter den etablierten Pharmagroßkonzernen, die bereits Anfang des Jahrtausends am Start waren, erzielten Roche und Novartis seither das stärkste Umsatzwachstum.

    Und dies, obwohl sie mit Akquisitionen im Kern-Pharmageschäft tendenziell zurückhaltender agierten als viele Konkurrenten. Anfang der 2000er-Jahre erzielte Novartis auf Dollarbasis mit Arzneimitteln nur gut halb so viel Umsatz wie Pfizer. Roche war sogar noch kleiner.

    Jetzt stehen sie kurz davor, den US-Konzern zu überrunden, obwohl dieser in der Zwischenzeit zwei Großakquisitionen (von Pharmacia und Wyeth) sowie diverse kleinere und mittelgroße Übernahmen vollzogen hat.

    Dabei kann von einer Einheitsstrategie bei den beiden Baseler Pharmariesen nicht die Rede sein. Auch in Kultur und Habitus unterscheiden sie sich erheblich. Novartis ist stärker amerikanisch geprägt, während im weitaus stetigeren Roche-Konzern nach wie vor der Einfluss der Gründerfamilie spürbar ist, die unverändert eine Stimmrechtsmehrheit kontrolliert.

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