Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Audi Streit um Abfindung für Stadler vergrößert Führungsvakuum in Ingolstadt

Die VW-Aufsichtsräte diskutieren über eine mögliche Millionenabfindung für den inhaftierten Audi-Chef Stadler. Am Dienstag beraten sie erneut.
1 Kommentar
Rupert Stadler Quelle: Reuters
Rupert Stadler

Der Audi-Chef ist seit Monaten in Untersuchungshaft.

(Foto: Reuters)

München, Düsseldorf, FrankfurtDass Audi-Chef Rupert Stadler gehen muss, ist im VW-Aufsichtsrat unbestritten. Auch wenn sich die Kontrolleure erneut nicht auf eine Ablösung des seit Juni inhaftierten Vorstandschefs einigen konnten.

Es gebe nach wie vor unterschiedliche Auffassungen über die Modalitäten, heißt es immer wieder, zum Beispiel bei der Frage der Abfindung. Der Zeitpunkt aber ist heikel: Anfang dieser Woche will die Bundesregierung die Eckpunkte für die Nachrüstung von mehreren Hunderttausend Dieselautos bekanntgeben.

Als sicher gilt, dass sich auch die Autobesitzer an den Kosten beteiligen müssen. Ein teurer Abfindungsvertrag für einen Manager, der im Verdacht steht, tief in den Abgasskandal verwickelt zu sein, wäre schwer zu vermitteln gewesen. Offiziell will sich keine der beteiligten Parteien äußern. Am Dienstag wollen sich die Kontrolleure erneut per Telefonschaltung beraten.

Seit gut drei Monaten sitzt Stadler nun in Untersuchungshaft. Und genauso lange ringen die Aufsichtsräte von Volkswagen und Audi nun mit der Frage, wie sie mit der Causa Stadler umgehen sollen. Denn offiziell ist der Audi-Chef seit seiner Inhaftierung nur „beurlaubt“. Die Staatsanwaltschaft München verhaftete den Topmanager Mitte Juni wegen Verdunklungsgefahr im Zusammenhang mit den Dieselermittlungen.

Audi-Ingenieure gelten als Urheber der betrügerischen Software, mit der im VW-Konzern mehrere Millionen Autos manipuliert wurden, um niedrigere Abgaswerte vorzutäuschen. Stadler hat stets seine Unschuld beteuert.

Er ist aber auch jetzt noch auf dem Chefposten, weil sich Eigentümer und Politik nicht auf die Höhe der Abfindung einigen kann: Insbesondere die Familien der Großaktionäre Porsche und Piëch seien für eine großzügige Abfindung des seit gut zehn Jahren amtierenden Audi-Chefs, der erst im vergangenen Jahr einen neuen Fünfjahresvertrag erhalten hat.

Das Land Niedersachsen und Teile der Arbeitnehmer wollen eine hohe Zahlung aber vermeiden, auch weil sie im Fall einer hohen Abfindung einen erneuten Imageschaden für den VW-Konzern fürchten. Im Raum steht nach Informationen des Handelsblatts eine Summe knapp unter zehn Millionen Euro.

Seit Stadlers Verhaftung führt Marketingvorstand Bram Schot kommissarisch die Geschäfte in Ingolstadt. Der Niederländer gilt nur als Übergangslösung, dürfte nun aber länger bleiben als gedacht. Schon in den kommenden Wochen könnte er einen Vertrag angeboten bekommen, der ihn zumindest für die nächsten zwei Jahre zum Audi-Chef macht, hieß es in Konzernkreisen.

Denn in Ingolstadt stehen wichtige Entscheidungen an, die sogenannte „Cycle-Planung“ für die kommenden sieben Jahre muss abgeschlossen werden. Dabei geht es um die Frage, welche Modelle wo mit welchen Stückzahlen gefertigt werden. Anders als früher muss nun auch entschieden werden, welche Antriebe in welchen Werken vom Band laufen sollen. So will Audi zehn vollelektrische Modelle bis 2025 anbieten.

Diese Zukunftsfragen muss Schot entscheiden, denn die Wunschlösung von VW-Chef Herbert Diess in Sachen Stadler-Nachfolge bleibt wohl längerfristig verwehrt. Diess, bis 2014 Entwicklungsvorstand bei BMW, hatte Markus Duesmann im Juni dazu überredet, seinen Job als Einkaufsvorstand in München zu kündigen. Dort war die Personalie vergangene Woche auch Thema der Aufsichtsratssitzung.

Der BMW-Aufsichtsrat ist über das Verhalten Duesmanns verärgert“, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Gremiums. Die Folge: Duesmann ist freigestellt. Neben seiner Vertragslaufzeit bis Mitte 2019 beharrt BMW auf eine zusätzliche Wettbewerbssperre von einem weiteren Jahr. Vor dem zweiten Halbjahr 2020 werde es keinen Audi-Chef mit Namen Duesmann geben, heißt es in München.

Hinzu kommt eine Nachricht, die nicht nur in Ingolstadt mit Bestürzung aufgenommen wird. Entwicklungsvorstand Peter Mertens, der erst im Mai 2017 von Volvo zu Audi wechselte, muss aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgeben. Das ist ein besonders bitterer Verlust für Audi, denn der in der Branche hochgeachtete Mertens sollte endlich Ruhe in das krisengeschüttelte Technikressort bringen, das fünf Chefwechsel in fünf Jahren hinter sich hat.

Nun kommt der sechste: Ab November übernimmt Hans-Joachim Rothenpieler, bislang Qualitätschef des VW-Konzerns. Er muss die von seinen Vorgängern eingeleitete Elektrooffensive fortsetzen. Audi hat mit dem „Etron“ Mitte September sein erstes Strom-SUV auf den Markt gebracht und will bis 2025 ein Drittel des Absatzes von fast zwei Millionen Auto mit Elektroantrieben ausliefern.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Audi - Streit um Abfindung für Stadler vergrößert Führungsvakuum in Ingolstadt

1 Kommentar zu "Audi: Streit um Abfindung für Stadler vergrößert Führungsvakuum in Ingolstadt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin sehr gespannt, ob die im Aufsichtsrat vertretenen Damen undHerren der bisherigen Praxis treu bleiben, und Abfindungen auch dann bezahlen, wenn der Abzufindende der Firma großen Schaden zugefügt hat.
    Da gehen mir immer die seltsamsten Gedanken durch den Kopf.
    Herr Stadler wurde ja nicht entlassen, sondern die Strafverfolgung hat ihn vorerst aus dem Verkehr gezogen.