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Aufsichtsratschef Cromme Ein Mann und das Siemens-Chaos

Gerhard Cromme ist einer der mächtigsten Manager in Deutschland. 2007 holte er Peter Löscher an die Siemens-Spitze – und war lange dessen wichtigster Fürsprecher. Nach Löschers Sturz gerät er selbst ins Kreuzfeuer.
29.07.2013 Update: 29.07.2013 - 13:03 Uhr 31 Kommentare
Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme: Mächtig, aber angeschlagen. Quelle: dpa

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme: Mächtig, aber angeschlagen.

(Foto: dpa)

München Nach einer heißen Schlacht ist Siemens-Chef Peter Löscher so gut wie geschlagen und wird seinen Posten wohl räumen. Der Österreicher hinterlässt einen gewaltigen Scherbenhaufen, den sein Nachfolger nun beiseiteräumen muss. Nach aller Voraussicht wird Finanzvorstand Joe Kaeser diese schwierige Aufgabe übernehmen. Ein Neuanfang ist das zwar nicht. Aber eine pragmatische Lösung, mit der nach dem Chaos der vergangenen Tage und Wochen wieder Ruhe ins Unternehmen gebracht werden soll. Die Aufsichtsräte dürften kaum eine andere Wahl gehabt haben.

So mancher Stratege des Münchener Konzerns fragt sich nun, ob es dem 70-jährigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme besser ergehen kann als dem Vorstandschef; der Strippenzieher ist angeschlagen. Sogar Löscher selbst, das berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, fordere den Aufsichtsrat heraus: Nur wenn Cromme aufgebe, wolle er Platz für einen Nachfolger machen. Im Zweifelsfall wolle er es auf eine Kampfabstimmung in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ankommen lassen und versuchen, die notwendige Zweidrittelmehrheit für seine Abwahl zu verhindern.

Am Montag dementierte Peter Löscher dann über die Bild-Zeitung, den Abgang Crommes zu fordern. „Es geht mir ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370.000 Siemensianer, die zu Recht stolz auf ihr Unternehmen sind“, sagte Löscher der „Bild“-Zeitung. Auch ein Siemens-Sprecher wies den Bericht zurück.

Cromme war die Eminenz des Ruhrgebiet-Konzerns Thyssen-Krupp, er war auf dem Weg, den mächtigen Berthold Beitz in der Stiftung hinter dem Konzern abzulösen - bis er selbst im Februar gehen musste. Siemens ist seine letzte Machtbastion, sagt ein Berater, der viel im Haus unterwegs ist, gegenüber dem Handelsblatt: „Um die wird er kämpfen.“ Und ein Siemens-Manager fügt hinzu: „Im Ruhrgebiet kann er sich kaum noch sehen lassen.“ Cromme habe nur noch ein Ziel: „Seinen Posten über die nächste Hauptversammlung zu sichern.“ Aber genau das ist schwierig.

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    So haben Aktionärsschützer den Rücktritt von Cromme gefordert. „Herr Cromme soll den Übergang an der Siemens-Spitze noch gut steuern und dann seine eigene Nachfolgeregelung in die Hand nehmen“, sagte die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, der „Welt“. Nur mit einem Wechsel auf den Chefsesseln von Vorstand und Aufsichtsrat habe Siemens wirklich die Möglichkeit für einen Neuanfang. 

    Die aktuelle Krise ist eine Krise des Gespanns Löscher/Cromme. Es war ein ungewöhnliches Bündnis. Der Aufsichtsratschef trieb die Aktion „sauberer Konzern“ voran, sein erwählter Manager kümmerte sich ums Operative. Vielen galt Löscher in den ersten Jahren als Marionette Crommes. Der damals noch mächtige Aufseher zog im Hintergrund die Fäden. Löscher fallen lassen konnte er nicht, er war sein Mann. „Doch er hatte auch kein Interesse, ihn zu stark werden zu lassen“, meint ein Siemens-Manager.

    Erst die Krise bei Thyssen-Krupp brachte das Machtgefüge ins Wanken. Da war auf einmal Dirigent Cromme angezählt. Vor allem das Missmanagement beim Stahlkonzern belastet den 70-jährigen promovierten Juristen. Nach dem Rückzug vom Aufsichtsrats-Chefposten bei den Essenern wurde auch immer wieder über ein mögliches Ende der Ära Cromme bei Siemens spekuliert. Bei der Trennung von Vorstandschef Peter Löscher soll er nun die treibende Kraft gewesen sein, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“.

    Schon bei seinem Antritt als Siemens-Chefkontrolleur im Jahr 2007 hatte Cromme eine schwere Krise bei dem Elektrokonzern zu meistern: Neben der Suche nach einem Nachfolger für den früheren Siemens-Lenker Klaus Kleinfeld musste Cromme die Aufarbeitung des Schmiergeldskandals auf den Weg bringen, der Siemens vor die Zerreißprobe gestellt hatte. Insgesamt sind in dem Korruptionsskandal, dem größten in der deutschen Nachkriegsgeschichte, mehr als eine Milliarde Euro an dubiosen Zahlungen geflossen – der Großteil vermutlich als Schmiergeld ins Ausland, um Aufträge zu erlangen. Dafür holte Cromme den unbelasteten Peter Löscher an die Siemens-Spitze. Lange Zeit galt der Chefkontrolleur als Löschers wichtigster Fürsprecher.

    Nun geht es ans Aufräumen
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    31 Kommentare zu "Aufsichtsratschef Cromme: Ein Mann und das Siemens-Chaos"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Man muss nicht die Details verstehen um zu erkennen, dass die österreichischen Top Manager hier nicht reüssieren. Wie war das mit der Telekom und dem öst. Strahlemann?!! Wenn dann noch 70jährige meinen mit dem Backing von 99 jährigen internationale Konzerne leiten zu müssen, dann wird's kriminell. Diese Strippenzieher die nur Strippen ziehen können aber keinen Wagen aus dem Dreck holen können, sind aber sehr wohl in der Lage einen Konzern zu ruinieren. Mehr Macht den Aktionären! Bei Daimler war es Reuter und sein Enddarmbewohner, die DB wurde von Ackermann an die Wand gefahren, die Bahn von nem kleinen Gernegroß, der es gut mit den Politikern kann.... das ist eine Never-Ending-Story

    • Ich verstehe eines nicht: Budgetierung und Unternahmens-planung sind doch normalerweise beim Finanzvorstand angesiedelt. Wenn es Defizite in diesem Bereich gibt, dann
      trägt doch Herr Kaeser hier eine erhebliche Mitverantwortung.
      Wenn es Probleme bei der operativen Umsetzung gibt, dann sind doch die operativ verantwortlichen Vorstände hier ebenfalls in der Verantwortung. In diesem Fall reicht doch der Austausch des CEO alleine nicht aus.

    • Wer Glaubt, ohne " kleine Gefälligkeiten " irgendwo auf dieser Welt einen größeren Auftrag an Land zu ziehen, leidet an Realitätsverlust. Es würde mich nicht wundern, wenn die Siemens AG auf längere Sicht das gleich Schicksal ereilt wie im vergangenen Jahrtausend die AEG. Die Nieten in Nadelstreife optimieren ein Unternehmen auf Truck der Kapitalmärkte ( Bänkster )bis nichts mehr übrig bleit.

    • Dieser unfähige Cromme hat in der deutschen Industrielandschaft gewaltigen Flurschaden angerichtet.Wiso hat Herr Berthold Beitz so lange an ihm festgehalten? Es war doch schon länger absehbar, daß dieser Mann nichts taugt.
      Und natürlich gibt es zum Abschied üppige Abfertigung und tolle Boni zwecks Versüßung des Rauswurfs.
      Danach radikaler Personalabbau, eisernes Sparen im Konzern, denn irgendwie muß man ja schließlich die Verluste ausgleichen.
      Klüger wäre es ständig Verluste produzierende Manager beizeiten zu kündigen.

      Neue Dienstverträge braucht das Land! Nur wer nachhaltige
      Erfolge vorweisen kann bekommt in Zukunft Boni. Gescheiterte Manager müssen Boni auf Heller und Pfennig zurückzahlen! Das muß in alle Verträge hinein.

    • Machthunger kennt keine Freunde und zeigt gewaltige Charakterschwächen.

    • @ Ruhr-Erfahrung
      Als "alter "Kruppianer" und Thyssen-Kenner muß ich schon voll zustimmen.
      Daran sieht man, wie die eigentlichen Kapitalinhaber miteinander verflochten sind. (Vom Patenonkel bis zum Jagdgenossen).
      Aber beim "normalen" Arbeitnehmer muß mit aller Gewalt gespart werden.
      Wann endlich durchschaut der Wähler und Arbeitnehmer diese
      Miss(st)stände und wird bei den Wahlen entsprechend votieren?

    • Und ich Naivling dachte immer der Kunde ist König...

    • Das eigentliche Problem in Deutschland scheint mir der qualitative Abbau seit der Maueröffnung zu sein. Deutschland ist da wie ein Ingenieurbüro, wenn es lauter Personen ohne passenden Studienabschluß beschäftigt.

      Dass Löscher nur eine "Zwischenlösung" sein konnte, ergibt sich aus der Korruptionsaffäre bei Siemens, die einen Firmenfremden erforderte. Mir scheint aber Siemens keine Aufträge ziehen zu können ohne Korruption - die Zahlen sprechen da für sich.

    • Jetzt toben die Machtkämpfe und die politischen Spielchen. Damit wird dem Konzern massiv geschadet. Wenn dies überstanden ist, dann sind es die gierigen Mitarbeiter,die für ihre Arbeit auch noch ein Gehalt verlangen.

    • ... womit Hofmanns Erzählungen sich komplettiert haben dürften.

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