Aufsichtsratspräsidium Volkswagen-Aufseher tagen heute zu Winterkorn

Im Machtkampf bei Volkswagen suchen die Aufseher nach einer Lösung. Das Präsidium trifft sich heute, um über die zukünftige Aufstellung des Unternehmens zu beraten. Vorstandschef Winterkorn sagt einen externen Termin ab.
Update: 16.04.2015 - 12:04 Uhr 3 Kommentare

Was hinter dem Machtkampf bei Volkswagen steckt

WolfsburgIn der Machtprobe bei Volkswagen trifft sich heute das Präsidium des Aufsichtsrats. Es stellt mit seinen sechs Personen den Kern des 20-köpfigen Kontrollgremiums und bereitet die entscheidenden Weichenstellungen des Aufsichtsrates vor. Das Präsidium kommt außer der Reihe zusammen, nachdem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am vergangenen Freitag mit einer Aussage im „Spiegel“ („Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“) vom Konzernchef abgerückt war und damit einen Wirbel im Unternehmen selbst und bei den Eigentümern ausgelöst hatte.

Im Präsidium sitzen: Ferdinand Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (stellvertretender Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sowie der Osterloh-Vize Stephan Wolf. Zu Ort und Zeit des Treffens gab es zunächst noch keine Informationen. Jedoch wird Weil zunächst - zumindest nach bisherigem Plan - von 11 Uhr an auf der Hannover Messe erwartet.

Winterkorn hat zwar eine breite Unterstützer-Allianz, vor allem im Arbeitnehmerlager. Dennoch wird auch über einen weiteren Piëch-Satz viel spekuliert: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ In Vorstand und Aufsichtsrat müssten jeweils Techniker die Führung bekleiden. Winterkorn sagte am Donnerstag kurzfristig seine Teilnahme an der Klausurtagung der Fraktionsspitzen von Union und SPD ab. Eigentlich wurde der Volkswagen-Chef am Nachmittag in Göttingen erwartet, wo die Fraktionsführungen von CDU/CSU und SPD ihr weiteres Arbeitsprogramm abstecken und unter anderem Winterkorn als externen Gast eingeladen hatten.

Wer Winterkorn beerben könnte
Bleibt er oder bleibt er nicht?
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Egal wie der Machtkampf im VW-Konzern ausgeht. Der VW-Vorstandsvorsitzende gilt nach der offenen Kritik durch den Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch als angeschlagen. Längst wird über mögliche Nachfolger diskutiert.

Matthias Müller
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Der aktuelle Porsche-Chef gilt als einer der Favoriten für die Winterkorn-Nachfolge. Der gelernte Werkzeugmacher und Informatiker leitet immerhin die rentabelste Konzernmarke und ist gerade in den VW-Konzernvorstand aufgenommen worden. Ihm werden beste Kontakte zu Aufsichtsratschef Piëch nachgesagt. Wegen seines Alters (61) und seiner Erfahrung wäre Müller aber wohl nicht mehr als ein Übergangschef.

Winfried Vahland
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Unter der Kronprinzen von Winterkorn ist der Skoda-Chef der Leisetreter. Doch der studierte Wirtschaftsingenieur bringt eigentlich alles mit, um es tatsächlich an die Konzernspitze zu schaffen. Er hat technischen Hintergrund und leitete lange das VW-Chinageschäft, immerhin der wichtigste Markt des Konzerns. Derzeit führt er mit Skoda die zuletzt erfolgreichste Volumenmarke im Konzern. Trotzdem fällt der Name des 58-Jährigen in den Nachfolgedebatten eher selten.

Herbert Diess
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Dem ehemaligen BMW-Manager eilt der Ruf als harter Sanierer voraus. Genau so einer wäre gefragt, um den deutschen Autoriesen wieder auf Rendite zu trimmen. Ab dem 1. Juli soll der 56-Jährige ohnehin den Job als Markenvorstand von Martin Winterkorn übernehmen. Doch für die Konzernspitze könnte es noch zu früh sein: Zum einen fehlen Diess die Netzwerke im Riesenreich der Wolfsburger, die man als VW-Chef unbedingt braucht. Zum anderen dürften die Gewerkschafter einen eisernen Sparer nicht unbedingt mit offenen Armen begrüßen. Und ohne die Rückendeckung der Arbeitnehmer landet niemand an der Spitze des Konzerns.

Andreas Renschler
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Der ehemalige Daimler-Manager hat gerade erst seinen Dienst angetreten, um die Lkw-Riesen des Konzerns auf eine Linie einzuschwören, darum scheint ein schneller Wechsel an die Konzernspitze zumindest unwahrscheinlich. Doch gelingt es Renschler in den nächsten Monaten, die unvereinbaren Konzerntöchter zu befrieden, empfiehlt er sich damit für höhere Aufgaben. Bisher fehlen dem 57-jährigen Wirtschaftsingenieur ebenfalls die Netzwerke.

Ulrich Hackenberg
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Der technische Vordenker des VW-Konzerns war maßgeblich an der Entwicklung der Baukastensystems beteiligt. Sein Wort gilt in Wolfsburg. Zuletzt brachte er die Premiumtochter Audi wieder auf Touren. Doch weil Hackenberg im Mai seinen 65. Geburtstag feiert, taugt auch er eher zum Übergangschef. Ein wirklicher Neuanfang dürfte unter dem Winterkorn-Vertrauten kaum gelingen.

Heinz-Jakob Neußer
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Seine Ernennung wäre eine handfeste Überraschung: Jakob Neußer leitet zwar die Entwicklung bei VW, doch sitzt bisher nicht im Konzernvorstand. Es sind vor allem seine Führungsqualitäten und sein technisches Know-how mit denen Neußer sich viele Unterstützer in Wolfsburg gesichtet hat. Hinter den Kulissen arbeitet er bereits an einem "neuen Gesicht" für die Marke. Möglich, dass er das neue Gesicht des ganzen Konzerns wird. Unter allen Kandidaten ist der 55-Jährige der Jüngste.

Für den Großaktionär Katar steht fest, dass der angeschlagene Winterkorn nur schwer zu halten sein wird, nachdem er bei Piëch „in Ungnade gefallen ist“. Über diese Einschätzung aus dem Umfeld der Qatar Investment Authority, die 17 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen hält, hatte das Handelsblatt berichtet. Doch in der derzeitigen Führungskrise geht es möglicherweise nicht ums Stimmenzählen der Mandate im Aufsichtsrat. Übereinstimmend sagen Insider, dass eine offene Frontenbildung im Aufsichtsrat gegen Piëch eher unwahrscheinlich ist. Der Aufsichtsratschef und Vertreter der Piëch-Eigentümerfamilie gilt als VW-Machtzentrum.

Wolfgang Porsche ist im Präsidium der Sprecher des Familienzweigs der Posches, der zusammen mit den Piëchs die Stimmenmehrheit an VW hält. Porsche hatte Piëchs vernichtendes Zitat zunächst als „Privatmeinung“ zurückgewiesen. Die Aussage sei nicht abgestimmt.

Winterkorn war bis zu der Aussage im „Spiegel“ als Nachfolger des VW-Patriarchen Piëch an der Spitze des Aufsichtsrates gehandelt worden. Neben der Distanz-Ansage zitierte das Nachrichtenmagazin Piëch auch mit den Worten: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ Zusammen mit dem Zitat „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ steht damit nicht nur Winterkorns möglicher Wechsel an die Spitze des Kontrollgremium infrage, sondern auch sein weiterer Verbleib im Vorstand. Winterkorns Vertrag als Volkswagen-Chef läuft Ende 2016 aus. Piëchs Kontrakt als Aufsichtsratschef hat eine Laufzeit bis zum Frühjahr 2017.
Unter Winterkorns gut achtjähriger Ägide - er wurde 2007 Konzernchef - legten die Auslieferungen des heute größten Autobauer Europas nach Berechnungen der Deutschen Presse-Agentur um 64 Prozent zu, der Umsatz um 86 Prozent, das operative Ergebnis vervierfachte sich. Bei seinem Amtsantritt 2007 zählte der Konzern 329 000 Mitarbeiter. Heute sind es, auch dank vier neuer Marken, fast 600 000 Menschen.

Diese Sätze zerstörten Manager-Karrieren
Paul Singer: „Es gibt keine Möglichkeit, die Daten so zu wenden, dass die schlechte Performance der Firma unter Dr. Kleinfeld kaschiert werden kann“
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Elliott-Chef Paul Singer hielt den Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der 2016 den Metallspezialisten Arconic vom Aluminiumkonzern Alcoa abgespalten hatte, schon lange für eine Fehlbesetzung. Seit Anfang 2017 hat der Hedgefonds-Manager alles daran gesetzt, den Deutschen an der Spitze von Arconic loszuwerden - unter anderem mit einem sehr kritischen Brief. Das Ergebnis: Kleinfeld trat am 17. April 2017 zurück.

Klaus Kleinfeld: „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint‘“
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Anfang des Jahres hatte Klaus Kleinfeld auf dem Podium einer New Yorker Finanzkonferenz zunächst mit einem Scherz reagiert: „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint.‘“ Fast alle Gäste im Saal lachten. Nur zwei im Publikum verzogen keine Miene: Sie arbeiteten für den Angreifer Elliott.

Paul Achleitner: „Es geht bei diesen Fragen um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen.“
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Ein Vertrauensbeweis liest sich anders, als das Interview, das der Ausrichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, kurz vor der Hauptversammlung im Mai 2015 der Wirtschaftswoche gab. Statt sich deutlich hinter die Vorstandsdoppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu stellen, ging er auf Distanz. „Niemand ist unersetzbar“, sagt er.

Ferdinand Piëch: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn"
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Mit einfachen Worten machte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (rechts) im April 2015 klar, dass er von seinem langjährigen Weggefährten und VW-Chef Martin Winterkorn (links) abrückt. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", ließ Piëch verlauten und verdeutlichte damit, dass er mit der Arbeit des Konzernchefs nicht mehr zufrieden ist. Winterkorn trat wegen des VW-Abgasskandals am 23. September 2015 zurück.

Berthold Beitz: „Cromme bleibt"
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Der Industriekonzern Thyssen-Krupp kämpfte Anfang 2013 um die Existenz. Aufgrund von gut fünf Milliarden Euro Verlust durch Fehlinvestitionen, Korruption und Kartellabsprachen, stand auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme vor dem Aus. Viele Jahre hatte Patriarch Berthold Beitz nicht mit der Presse gesprochen, doch in dieser Situation griff er zum Hörer und rief beim Handelsblatt an: „Cromme bleibt“, sagte er und wollte damit Spekulationen um das Aus von Cromme ein Ende setzen. In Wahrheit offenbarte der Satz, in welcher prekärer Situation das Unternehmen war. Nur vier Monate später musste der Aufsichtsratschef Cromme den Konzern trotzdem verlassen.

Josef Ackermann: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen."
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Josef Ackermann verkündete im Jahr 2011, dass er zwei Jahre später als Chef der Deutschen Bank ausscheiden würde. Gleichzeitig machte er Angaben dazu, wie er sich das Profil seines Nachfolgers vorstellte: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen." Damit verdeutlichte Ackermann seine Abneigung gegen den designierten Nachfolger Anshu Jain. Vor allem warb er auch für seinen eigenen Favoriten, den Bundesbank-Chef Axel Weber. Doch all das nützte Ackermann wenig: Bereits Ende Mai 2012 musste er seinen Posten zugunsten einer Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumen. Axel Weber ging zur Schweizer Großbank UBS.

Metro-Aufsichtsratsmitglied: „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn."
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Zwar ist unklar, wer genau der Urheber dieses Zitats war, die Botschaft vom Aufsichtsrat der Metro AG für den damaligen Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes war dennoch eindeutig. „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn", hieß es im Jahr 2011. Für Eckhard Cordes war das der Anfang vom Ende. Zu eindeutig hatte sich eine Mehrheit gebildet, die sich gegen eine Verlängerung seines 2012 auslaufenden Vertrages aussprach. Grund dafür waren charakterliche Zweifel, nachdem sich Cordes in einer Bar im russischen St. Petersburg beleidigend über Aufsichtsratsmitglieder geäußert hatte. Hinzu kamen Zweifel, ob Cordes seine Verkaufspläne für die Konzerntöchter je würde umsetzen können. Zum 31. Dezember 2011 legte Cordes sein Amt als Vorstandschef der Metro AG nieder.

  • dpa
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3 Kommentare zu "Aufsichtsratspräsidium: Volkswagen-Aufseher tagen heute zu Winterkorn"

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  • Winterkorn ist kein Opfer! Punkt! Er erfüllte seine Funktion bisher gut und wurde dadür “fürstlich entlohnt”! Wenn aber die Weiterentwicklung des Konzerns und/oder Erhalt der Performance neue Köpfe erfordert, so ist es legitim und sogar Pflicht dies in den Raum zu werfen.
    Piech ist eben kein Abnickaufsichtsrat und läßt sich von Erfolg nicht einlullen, sondern in guter Familienunternehmertradition darauf bedacht langfristig den Vermögenserhalt und -wachstum sicherzustellen. Er hat zwei Gesichter: 1. der kanllharte und sachlich orientierte Machiavellist im Sinne des Unternehmen. 2. Sehr familienorientiert und nicht wie viele glauben Egoman oder selbstverliebt. Sicherlich ein sehr starkes Selbstvertrauen, doch die Entscheidungen bisher in seinem unternehmerischen Leben war immer richtig und letztendlich zum Wohle des Unternehmen und der Mitarbeiter.

    Winterkorn wurde und wird dafür bezahlt dies auch auszuhalten und dieses mediale Aufgekreische ist widerum auch nur mediale Hascherei!

    Der König ist tot, es lebe der König! ;-)

  • Naja, ob der VV nun 20 odeer 120 Millionne bekommt, ist irrelevant. Wichtrig aber ist, dass der Mega-Tanker Volkswagen nicht gegen einen Eisblock rammt. Und genau diesen Kurs hat der QUASI-Experte leider eingeschlagen.

    Trotzdem war er der rechte Mann zur rechten Zeit. Er hat das gefestigt, was Herr Dr. Piech begonnen hat und übrig blieb das, was man auch leicht verkaufen konnte. Jedes ding hat seinen Platz und jeder Manager hat seine Zeit. Darum hat Ferdi ihn auch freie Hand gelassen.

    Aber Wiko ist kein Ingenieur, der neue Ideen hatte. Und genau die müssen wieder her, will Volkwagen wieder auf den Kurs der nachhaltigen Zukunft gebracht werden.

  • VW soll den Porsche- oder Audi-Manager als Nachfolger von Winterkorn nehmen.
    Dann stimmen die Umsatz-Rendite und die Produktpolitik und der US-Markt kommt auch wieder in Schwung.
    Außerdem spart der Konzern bis zu 8 Millionen jährlich an Gehalt des Vorstandsvorsitzenden, weil das völlig überzogene Gehalt des Vorgängers auf den üblichen Standard reduziert werden kann.

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