Aufwind im Rüstungsgeschäft Rheinmetall schrumpft – und bekommt dennoch Lob

Der Gewinn sinkt erneut, die Umsätze auch – und dennoch sind die Anleger mit Rheinmetall zufrieden. Denn die Ergebnisse fallen weniger schlecht aus als erwartet, Auftragseingänge stimmen optimistisch.
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Wer Rüstungsgeschäfte aus menschenrechtlicher Sicht kritisiert, hat keinen Grund zum Jubel – die Anleger dürften sich über neue Rheinmetall-Aufträge allerdings freuen. Quelle: dpa

Wer Rüstungsgeschäfte aus menschenrechtlicher Sicht kritisiert, hat keinen Grund zum Jubel – die Anleger dürften sich über neue Rheinmetall-Aufträge allerdings freuen.

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DüsseldorfRheinmetall-Chef Armin Papperger hat sich in seinem ersten Amtsjahr die Aufräumarbeiten beim Düsseldorfer Mischkonzern einiges kosten lassen. Er nahm dafür einen Gewinnrückgang in Kauf, der allerdings geringer ausfiel als er und Experten erwartet hatten. Hoffnung weckte auch der Rekord-Auftragsbestand im zuletzt schwächelnden Rüstungsgeschäft.

Das operative Ergebnis (Ebit) sank nach vorläufigen Berechnungen im vergangenen Jahr auf 213 (Vorjahr: 268) Millionen Euro, wie Rheinmetall am Mittwoch mitteilte. Papperger hatte mit 180 bis 200 Millionen Euro gerechnet, Analysten im Schnitt mit 198 Millionen Euro. Die Kosten für Restrukturierungen und andere einmalige Aufwendungen bezifferte der Vorstand auf insgesamt rund 100 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte um zwei Prozent auf 4,613 Milliarden Euro. Als Grund dafür nannte er Wechselkurseffekte.

Die Anleger honorierten die Jahreszahlen. Die Aktien legten zeitweise um über fünf Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch zu und führten die MDax-Gewinnerliste an. DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald hob in einem Kommentar den hohen Auftragseingang in der Rüstungssparte hervor. Zudem liege die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) im Autozulieferer-Geschäft mit sieben Prozent deutlich über seiner Prognose von 6,3 Prozent.

Das sind die größten Waffenhersteller der Welt
Platz 10: L-3 Communications
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Platz 10: L-3 Communications

Das Unternehmen mit Sitz in New York ist bekannt als Hersteller der Körperscanner an Flughäfen (im Bild der damalige Innen- und heutige Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Hamburg 2010). Laut Sipri erwirtschaftet L-3 Communications aber 82 Prozent seines Umsatzes mit militärischem Gerät. Produziert werden vor allem Kommunikations- und Navigationssysteme. Insgesamt kommt das Unternehmen in der Militärsparte auf einen Umsatz von 12,5 Milliarden Dollar.

Erlöse aus Waffenverkauf 2012:

10,84 Milliarden Dollar

Erlöse aus Waffenverkauf 2011:

12,52 Milliarden Dollar

Gesamterlös:

13,15 Milliarden Dollar

Anteil der Waffenverkäufe am Gesamtgeschäft:

82 Prozent

Gesamtgewinn 2012:

0,78 Milliarden Dollar

Mitarbeiter weltweit:

51.000

Platz 9: Finmeccanica (Italien)
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Die Italiener bauen Flugzeuge, Hubschrauber, Panzer und Schiffsgeschütze, aber auch den Hochgeschwindigkeitszug ETR 500. Mit einem Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar in der Militärsparte ist Finmeccanica nicht nur im internationalen Waffenmarkt bedeutend, die Firma ist auch zweitgrößter Arbeitgeber Italiens.

Platz 8: United Technologies (USA)
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US-Unternehmen dominieren die Top Ten der weltweit größten Rüstungsfirmen. Der Mischkonzern United Technologies hat mit seiner Militärsparte im vergangenen Jahr 9,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Damit konnte das Rüstungsunternehmen nicht an das starke vergangene Jahr anknüpfen – auch, weil die Hubschraubersparte Sikorsky Mitte 2015 für 9 Milliarden Dollar an Lockheed Martin verkauft wurde. United Technologies dürfte so 3 Milliarden Dollar an jährlichen Rüstungsumsätzen einbüßen.

Platz 7: Airbus Group (Europa)
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Fast wäre aus Airbus, der ehemaligen EADS, und der britischen BAE der größte Rüstungskonzern der Welt geschaffen worden. Doch die Fusion platzte. Das europäische Unternehmen, an dem Deutschland, Frankreich und Spanien künftig direkt beteiligt sind, kommt allein auf Platz sieben im Sipri-Ranking. Im Jahr 2015 standen Umsätze im Militärbereich von 12,9 Milliarden Dollar zu Buche – gut 700 Millionen mehr als im Vorjahr.

Platz 5: Northrop Grumman (USA)
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Das US-Unternehmen bedient mit seinen Produkten die Schiff-, Luft- und Raumfahrt. Der Militärbereich macht mit 20 Milliarden Dollar über 80 Prozent der Umsätze aus. Bekanntestes Produkt ist der Tarnkappenbomber B-2.

Platz 6: General Dynamics (USA)
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Flugzeuge, Fahrzeuge und Schiffe für den militärischen Bedarf stellt General Dynamics her. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden mit Kriegsgütern gemacht. 2015 konnte GD deb Umsatz mit der Rüstungssparte weiter steigern – und zwar auf 19,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 4: Raytheon (USA)
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Ganz auf Militärprodukte ist das Unternehmen aus Waltham (US-Bundesstaat Massachusetts) spezialisiert. 94 Prozent seines Umsatzes macht Raytheon mit Kriegsgerät. Im Jahr 2015 waren es 21,8 Milliarden Euro. Raketen und Radar-Systeme gehören zu den bekanntesten Produkten. Raytheon stellt auch das Raketenabwehrsystem Patriot her.

Das Rüstungsgeschäft schwächelte zwar 2013: Die Erlöse gingen um knapp acht Prozent auf 2,155 Milliarden Euro zurück, das Ebit rutschte um mehr als 60 Prozent. Allerdings gab es einen Lichtblick in der Sparte: Der Auftragsbestand kletterte um 21 Prozent auf den Rekordwert von 6,05 Milliarden Euro.

In der Autozulieferung legten die Erlöse um vier Prozent auf 2,458 Milliarden Euro zu, das Ebit stieg um 15 Prozent auf 160 Millionen Euro. Rheinmetall profitierte mit seinen Mechatronikteilen wie Abgasrückführsystemen von gesetzlich geforderten Schadstoff- und Verbrauchsreduzierungen.

Einen Ausblick auf das laufende Jahr gab Konzernchef Papperger nicht. Am 19. März will Rheinmetall seine vollständige Bilanz veröffentlichen.

  • rtr
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