Australiens Aufrüstungsprogramm Thyssen-Krupp entgeht U-Boot-Milliardenauftrag

Thyssen-Krupp geht im Wettstreit um den australischen Milliardenauftrag für den Bau von zwölf neuen U-Booten leer aus. Die Regierung in Canberra gab stattdessen dem französischen Konkurrenten DCNS den Zuschlag.
Update: 26.04.2016 - 08:43 Uhr 5 Kommentare
Australien will seine Flotte an U-Booten in der Größe von 4000 Tonnen modernisieren. Der entsprechende Auftrag ging nun an den französischen Industriekonzern DCNS. Der Staatskonzern bietet eine diesel- und elektrisch betriebene Version seines 5000 Tonnen schweren Atom-U-Boots Barracuda an. Quelle: dpa
Archivbild: U-Boot bei HDW-Werft in Kiel

Australien will seine Flotte an U-Booten in der Größe von 4000 Tonnen modernisieren. Der entsprechende Auftrag ging nun an den französischen Industriekonzern DCNS. Der Staatskonzern bietet eine diesel- und elektrisch betriebene Version seines 5000 Tonnen schweren Atom-U-Boots Barracuda an.

(Foto: dpa)

Sydney/TokioThyssen-Krupp ist bei der Ausschreibung eines Milliardenprojekts zum Bau von zwölf U-Booten in Australien leer ausgegangen. Die Regierung wählte den staatlichen französischen Schiffbaukonzern DCNS als bevorzugten Partner, wie Premierminister Malcolm Turnbull am Dienstag in Adelaide mitteilte. Der über mehrere Jahrzehnte gestreckte Auftrag hat ein Volumen von rund 35 Milliarden Euro und wäre für ThyssenKrupp einer der größten Aufträge der Unternehmensgeschichte gewesen. Zugleich handelt es sich um die größte militärische Anschaffung der australischen Geschichte.

Australien will seine U-Boot-Flotte von zurzeit sechs Schiffen ersetzen und ausbauen. Der Essener Industriekonzern war über seine Kieler Werft Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) ins Rennen gegangen. Ebenfalls um den Auftrag beworben hatte sich ein japanisches Konsortium mit Mitsubishi Heavy Industries und Kawasaki Heavy Industries. Letztlich gewann jedoch der Pariser Konzern, an dem der französische Staat knapp zwei Drittel der Anteile hält.

Turnbull verkündete die Entscheidung in der Küstenstadt Adelaide, wo sich die U-Boot-Werft befindet, die an dem Bau beteiligt werden soll. Die Schiffe sollen überwiegend in Australien gebaut werden, unter Einbeziehung der führenden australischen Marinewerft, der staatlichen ASC (früher: Australian Submarine Corporation). Sie baute die sechs U-Boote der Collins-Klasse, die zwischen 1994 und 2003 in Dienst gestellt wurden und jetzt abgelöst werden sollen. Die Fertigung der neuen U-Boote soll in wenigen Jahren beginnen, das erste U-Boot Anfang der 2030er Jahre in Dienst gestellt werden.

TKMS hatte versprochen, in Australien ein Werk aufzubauen und die U-Boote dort herzustellen. Die Kieler Sparte wollte damit auch ein Standbein für Wartungsaufträge in der Asien-Pazifik-Region aufbauen. TKMS hatte eine enge Kooperation oder die Übernahme der Marinewerft ASC angeboten.

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Australiens Regierung hatte im März ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm angekündigt - mit Ausgaben von allein 195 Milliarden Australischen Dollar (134 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2025. Die Verteidigungskräfte müssten angesichts des Wettrüstens in Asien und wegen der Spannungen im Südchinesischen Meer schlagkräftiger werden. „In den nächsten 20 Jahren werden die Hälfte aller U-Boote weltweit und mindestens die Hälfte aller modernen Kampfflugzeuge in dieser Region stationiert sein“, hieß es in einem Weißbuch zur Verteidigung. Bedrohungen seien mögliche Konflikte, Cyberangriffe, Terrorismus, Pandemien und der Klimawandel.

Das sind die größten Waffenhersteller der Welt
Platz 10: L-3 Communications
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Der US-Konzern hat vor zwei jahren den Aufstieg in die Reihe der zehn größten Waffenhersteller geschafft. Allerdings hat das Unternehmen aus New York 2015 in der Rüstungssparte mit 8,8 Milliarden US-Dollar etwas weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr. L-3 liefert vor allem Kommunikationssysteme und Navigationssysteme an das Militär. Außerdem stellt der Konzern Körperscanner für Flughäfen her.

Quelle: SIPRI Arms Industry Database

Platz 9: Finmeccanica (Italien)
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Die Italiener bauen Flugzeuge, Hubschrauber, Panzer und Schiffsgeschütze, aber auch den Hochgeschwindigkeitszug ETR 500. Mit einem Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar in der Militärsparte ist Finmeccanica nicht nur im internationalen Waffenmarkt bedeutend, die Firma ist auch zweitgrößter Arbeitgeber Italiens.

Platz 8: United Technologies (USA)
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US-Unternehmen dominieren die Top Ten der weltweit größten Rüstungsfirmen. Der Mischkonzern United Technologies hat mit seiner Militärsparte im vergangenen Jahr 9,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Damit konnte das Rüstungsunternehmen nicht an das starke vergangene Jahr anknüpfen – auch, weil die Hubschraubersparte Sikorsky Mitte 2015 für 9 Milliarden Dollar an Lockheed Martin verkauft wurde. United Technologies dürfte so 3 Milliarden Dollar an jährlichen Rüstungsumsätzen einbüßen.

Platz 7: Airbus Group (Europa)
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Fast wäre aus Airbus, der ehemaligen EADS, und der britischen BAE der größte Rüstungskonzern der Welt geschaffen worden. Doch die Fusion platzte. Das europäische Unternehmen, an dem Deutschland, Frankreich und Spanien künftig direkt beteiligt sind, kommt allein auf Platz sieben im Sipri-Ranking. Im Jahr 2015 standen Umsätze im Militärbereich von 12,9 Milliarden Dollar zu Buche – gut 700 Millionen mehr als im Vorjahr.

Platz 6: General Dynamics (USA)
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Flugzeuge, Fahrzeuge und Schiffe für den militärischen Bedarf stellt General Dynamics her. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden mit Kriegsgütern gemacht. 2015 konnte GD deb Umsatz mit der Rüstungssparte weiter steigern – und zwar auf 19,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 5: Northrop Grumman (USA)
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Das US-Unternehmen bedient mit seinen Produkten die Schiff-, Luft- und Raumfahrt. Der Militärbereich macht mit 20 Milliarden Dollar über 80 Prozent der Umsätze aus. Bekanntestes Produkt ist der Tarnkappenbomber B-2.

Platz 4: Raytheon (USA)
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Ganz auf Militärprodukte ist das Unternehmen aus Waltham (US-Bundesstaat Massachusetts) spezialisiert. 94 Prozent seines Umsatzes macht Raytheon mit Kriegsgerät. Im Jahr 2015 waren es 21,8 Milliarden Euro. Raketen und Radar-Systeme gehören zu den bekanntesten Produkten. Raytheon stellt auch das Raketenabwehrsystem Patriot her.

  • rtr
  • dpa
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5 Kommentare zu "Australiens Aufrüstungsprogramm: Thyssen-Krupp entgeht U-Boot-Milliardenauftrag"

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  • Jedes untergegangene U-Boot ist ein gutes U-Boot

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    weg mit diesem TEUFELSZEUG


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    damit löst man keine Konflikte

    das wird schon alles über das Internet gemacht, totale Überwachung

    !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    überall sind Kameras, alles ist transparent für einige wenige, globale Steuerung







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    Turnbull verkündete die Entscheidung in der Küstenstadt Adelaide, wo sich die U-Boot-Werft befindet, die an dem Bau beteiligt werden soll. Die Schiffe sollen überwiegend in Australien gebaut werden.
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    Und was wäre für die Kieler Werft (ehemals HDW) an Bauvolumen verblieben? Ohnehin, soweit mir bekannt bilden die kostenträchtigen Positionen die Elektronik-/Digital-Elemente. Und wo werden diese hergestellt? In Deutschland? In Frankreich? Oder eher im asiastischen Raum?

  • Da hat unsere industriefeindliche, selbstzerstörerische Bedenkenträgerregierung neben EEG wohl wieder einen weiteren Sargnagel in die Quelle unseres Wohlstands getrieben, im Gegensatz zur auch durch unsere Steuergelder-und Euromitgliedschaft durch uns mitalimentierten französischen Regierung. Wenn von den Australiern auch nicht offiziell so verlautbart, mag wohl ein Grund für die Entscheidung gewesen sein, dass die Australier wissen, dass die französische Regierung im Falle von Problemen hinter Ihren Unternehmen steht, im Gegensatz zur Deutschen

  • Kann auch sein, Australien möchte nicht die gleiche Technik einsetzen wie Israel - die haben die U-Boote geschenkt bekommen. Kann auch sein, Australien versteht nicht, warum sie etwas bezahlen sollen (für VIEL Geld) was andere geschenkt bekommen?

  • Generell würde ich so etwas schade finden.

    Aber wenn es um Kriegs-Werkzeuge geht, muss man auch mal auf so etwas verzichten können. Egal, ob nun freiwillig, oder unfreiwillig. Es gibt gewisse Sachen, die einfach negativ auf uns zurück fallen und dazu gehören Rüstungsexporte, wie auch das Verspeisen von Tierleichen.

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