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Auto-Flatrate Mit Abo-Diensten will Mercedes neue Kunden gewinnen

Nach Volvo- sollen bald auch Mercedes-Fahrer Autos abonnieren können. Die Hersteller hoffen auf mehr Umsatz, doch für Autohäuser wird das Netflix-Modell zur Gefahr.
Update: 01.02.2019 - 04:26 Uhr 1 Kommentar
Über die „Mercedes me Flexperience“ sollen Merdedes-Kunden in Zukunft bis zu zwölfmal im Jahr ihren Pkw wechseln können. Quelle: dpa
Mercedes-Benz

Über die „Mercedes me Flexperience“ sollen Merdedes-Kunden in Zukunft bis zu zwölfmal im Jahr ihren Pkw wechseln können.

(Foto: dpa)

MünchenWerktags für Geschäftstermine eine Limousine, am Wochenende ein Cabrio und für den Urlaub in den Bergen ein SUV: Autobauer wie Daimler versprechen ihren Kunden neuerdings den passenden Wagen für jede Gelegenheit. Wer flexibel mobil sein möchte, abonniert seinen Mercedes einfach via Smartphone-App, statt ihn zu kaufen oder zu leasen.

Für eine monatliche Rate von 750 bis 1.800 Euro können Kunden der Marke mit dem Stern bis zu zwölfmal im Jahr ihren Pkw wechseln – Versicherung, Wartung, Reparaturen, Reifenwechsel und eine Fahrleistung von 36.000 Kilometern inklusive.

Bis dato ist der Service „Mercedes me Flexperience“ nur ein Pilotversuch und lediglich bei den beiden Händlergruppen Lueg und Beresa in Deutschland verfügbar sowie in einigen US-Städten. Schon bald dürfte Daimler seinen Abo-Dienst aber vom Experiment in die Breite überführen.

„Nachdem wir Mercedes me Flexperience mehrere Monate getestet haben, ist für uns klar: Dieses Angebot bietet absolut einen Mehrwert“, sagte Daimler-Vertriebsvorständin Britta Seeger dem Handelsblatt. „Wir sehen, dass viele unserer Kunden begeistert sind, unterschiedliche Fahrzeuge in einem kurzen Zeitraum zu nutzen.“

Die 49-jährige Managerin verspricht: „Das wird ein nachhaltiges und attraktives Angebot werden, davon sind wir zutiefst überzeugt.“ Zunächst gelte es aber, noch „Feinheiten“ zu klären. „Die Kernfrage für uns ist: Wie häufig wechseln die Kunden tatsächlich ihr Fahrzeug, und wie viele Stunden oder Tage sind sie bereit, auf einen neuen Wagen zu warten – beispielsweise falls es gerade einen Run auf Cabrios gibt?“, so Seeger.

Sobald dazu weitere Pilotergebnisse vorliegen, will Daimler den Abo-Dienst breiter anbieten. „Heute kauft, least und finanziert der Kunde das Fahrzeug, morgen werden neue Kundenbedürfnisse und somit auch neue Vertriebsmodelle wie Mercedes me Flexperience entstehen.“

Daimler wäre nach Volvo der zweite namhafte Autobauer, der mit einer Flatrate auf vier Rädern in der Fläche an den Start geht. Andere große Fahrzeughersteller wie BMW, Porsche oder Cadillac bieten zwar ebenfalls Abo-Dienste an, aber nur in einzelnen Städten, und das teils auch nur im Testmodus. Neben den etablierten Automarken sehen Start-ups wie Cluno oder Leihwagenfirmen wie Sixt großes Potenzial im Netflix für die Straße.

Für die Autoindustrie sind Flatrate-Modelle eine „spannende Alternative“ zum klassischen Vertrieb, attestierten die Experten des Center of Automotive Research (CAR) in einer mehrseitigen Analyse, die dem Handelsblatt vorliegt.

Autohäuser unter Druck

Klassische Händlernetze sind teuer. Zehn Prozent des Neuwagenpreises müssen laut CAR-Berechnungen heute im Branchenschnitt aufgewendet werden, um die Kosten des herkömmlichen Autohandels abzudecken. Bei digital vertriebenen Auto-Abos würden 80 bis 90 Prozent dieser Kosten entfallen, da man sich etwa den Verkäufer sparen könnte.

„Mit den Car-Abos ist das trojanische Pferd entwickelt worden, um die klassischen Händler ad acta zu legen“, prophezeien die CAR-Experten. Die Subskriptionsdienste seien der „Einstieg in den Abschied der klassischen Händlernetze“. Die Fahrzeughersteller weisen derlei Hintergedanken freilich weit von sich.

Porsche im Abo – Das sind Vorteile einer Auto-Flatrate

Man müsse zwar digitaler werden und das Händlernetz stetig optimieren, aber der physische Kanal bleibe „sehr wichtig“, meint etwa Daimler-Vertriebschefin Seeger. Sie preist die 6.500 Mercedes-Händler sogar als echtes Asset. „Wir sehen, dass auch die Tech-Giganten in den stationären Handel streben“, so Seeger. Eine physische Präsenz sei für eine Automarke nach wie vor unabdingbar. Gleichwohl will Mercedes bis 2025 bis zu 25 Prozent seines Fahrzeugabsatzes online verkaufen. Auto-Abos sind ein Teil davon.

Noch ambitioniertere Pläne hegt Volvo. Die Schweden wollen in sechs Jahren bereits die Hälfte ihrer Fahrzeugverkäufe weltweit über Abonnements abdecken. „Ein Handy kauft man auch nicht mehr“, lässt Volvo-Chef Håkan Samuelsson wissen. Er verspricht: Der Abo-Dienst „Care by Volvo“ lasse sich in fünf Minuten via App oder am PC abschließen.

Der Vorteil für die Nutzer: Sie haben ihre Kosten stets transparent im Blick, müssen sich nicht mehr über Jahre an ein Fahrzeug binden und sparen sich zudem lästige Servicetermine. Das hat allerdings seinen Preis. Das Volvo-Abo startet bei rund 500 Euro pro Monat, für edlere Modelle werden schnell mal mehr als 700 Euro fällig. Flatrates sind aber nicht zwangsweise teurer als das klassische Leasing.

So ist beispielsweise ein Opel-Corsa laut der CAR-Analyse schon für unter 260 Euro pro Monat im Abo bei Cluno erhältlich. Bei einer Haltedauer von sechs Jahren ist das Abo in diesem Fall im Vergleich zu Kauf oder Finanzierung sogar um drei bis neun Prozent günstiger. Die Flatrateangebote von Fahrzeugherstellern wie Mercedes oder Volvo sind in der Regel aber deutlicher teurer als der herkömmliche Kauf.

Klar ist: Mit bis zu 30 Prozent Kostenanteil für Vertrieb und Distribution leistet sich die Autoindustrie aktuell noch ein sehr teures System. Im Elektrozeitalter steigt der Druck, diese Kosten zu senken. Auto-Abos könnten hier ein Vehikel sein, um mehr Umsatz bei geringeren Aufwendungen zu genieren.

Tesla zeigt den etablierten Autobauern dabei , wie ein schlanker Vertrieb heute funktioniert. Konfiguriert und bestellt werden die Elektroflitzer online. In Innenstadtlage gibt es kleine Showrooms. Überdimensionierte Glaspaläste sind dagegen passé.

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1 Kommentar zu "Auto-Flatrate: Mit Abo-Diensten will Mercedes neue Kunden gewinnen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Idee finde ich ganz gut. Aber warum soll ich ein Auto "abonnieren".
    Mir würde genügen wenn ich per App einen Wagen vor meiner Haustür
    bestellen kann, dann den jeweiligen Typen den ich brauch. Für Einkäufe
    und Baumarkt einen Kombi, für den Urlaub einen Familienwagen etc.
    Und dann noch einen Wagen der autonom fährt. Wenn ich den
    Wagen nicht mehr brauche kann der Nächste ihn benutzen und der Wagen
    fährt dann selbstständig zum nächsten Benutzer. Ich habe
    gar kein eigenes Auto mehr, denn das steht ja heutzutage meistens
    23 Stunden am Tag nutzlos herum.
    Nur die Absatzzahlen der Autoindustrie werden dann sinken.