Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Auto-Manager Carlos Ghosn tritt als Renault-Chef zurück

Renaults inhaftierter Verwaltungsratsvorsitzender und CEO ist seiner Absetzung zuvorgekommen. Nun ist der Weg frei für die neue Doppelspitze im Konzern.
Update: 24.01.2019 - 08:40 Uhr Kommentieren
Anfangs hielt Renault seinem Chef noch die Treue. Quelle: AFP
Carlos Ghosn

Anfangs hielt Renault seinem Chef noch die Treue.

(Foto: AFP)

Paris, TokioDer in Japan inhaftierte Automanager Carlos Ghosn ist in der Nacht zu Donnerstag von seinem Posten als Verwaltungsratsvorsitzender und CEO bei Renault zurückgetreten. Das erklärte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am Morgen in Paris.

Der Staat ist bei Renault mit 15 Prozent beteiligt und spielt deshalb bei dem Autohersteller eine wichtige Rolle. Zuvor hatten die Wirtschaftszeitungen „Les Echos“ und „Nikkei“ über den Schritt berichtet.

Mit dem Schritt ist der 64-jährige Ghosn seiner wahrscheinlichen Abwahl zuvorgekommen. Renaults Verwaltungsrat will sich an diesem Donnerstag um 10 Uhr treffen, um eine neue Führung zu bestimmen. Dabei sollen auch Ghosns Nachfolger bestimmt werden.

Um wen es sich handelt, ist schon seit Mittwoch kein Geheimnis mehr. Interimschef Thierry Bolloré wird laut Medienberichten Generaldirektor. Jean-Dominique Senard, der derzeitige Chef von Michelin, übernimmt den Posten des Präsidenten. Die französische Regierung hatte am Donnerstagmorgen schon bestätigt, dass die beiden bei der Verwaltungsratssitzung von Renault vorgestellt werden.

In Japan hatten Nissan und Mitsubishi Motors Ghosn bereits als Verwaltungsratsvorsitzenden abgewählt. Nissan plant im Fall Ghosn für Mitte April eine außerordentliche Aktionärsversammlung. wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Renault: Carlos Ghosn tritt als Chef zurück Quelle: dpa
Carlos Ghosn

Anfangs hielt Renault seinem Chef noch die Treue.

(Foto: dpa)

Auslöser des Führungswechsels bei Renault ist die Verhaftung Ghosns zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly in Japan im November 2018. Die dortige Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sein Gehalt in Geschäftsberichten zu niedrig angegeben und Gelder veruntreut zu haben.

Darüber hinaus gibt es weitere Vorwürfe wie die Beschäftigung von Familienangehörigen, die mietfreie Überlassung von Luxuswohnungen und eine ungenehmigte zusätzliche Gehaltszahlung von 7,8 Millionen Euro durch ein Joint Venture zwischen Nissan und Mitsubishi Motors in den Niederlanden. Vor Gericht hatte der Top-Manager seine Unschuld beteuert.

Anfangs hielt Renault seinem Chef noch die Treue. Aber nachdem japanische Gerichte Anfang des Jahres Ghosns Antrag auf eine Freilassung auf Kaution abgelehnt hatten, drängte die französische Regierung auf einen Führungswechsel bei Renault. Denn damit dürfte Ghosn wenigstens noch mehrere Monate im Gefängnis bleiben.

Der gebürtige Brasilianer Ghosn ist Architekt der Autoallianz aus Renault und der japanischen Hersteller Nissan und Mitsubishi. Er hatte 1999 von Renault kommend den Chef-Sessel bei Nissan übernommen, um den verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen. 2005 rückte er dann auch an die Spitze von Renault.

Neues Tandem für den Autobauer

Jean-Dominique Senard, der seine Funktion bei Michelin bis zum Ende seines Mandates im Mai behält, hat unter Ghosns beiden designierten Nachfolgern die schwierigste Aufgabe. Er muss den Dialog mit dem Partner Nissan wieder aufnehmen. Die Trennung der Aufgaben auf ein Tandem könnte nach Renault auch auf Ebene der Allianz fortgesetzt werden, darüber haben französische Repräsentanten des Staates schon mit den Japanern gesprochen.

Mit der neuen Ordnung war Renault schneller als Nissan, die Japaner haben immer noch keinen neuen Präsidenten. Renault, Aktionär zu 43 Prozent bei Nissan, will bei der Auswahl offenbar ein Wort mitreden. Laut französischen Medienberichten warteten die Japaner auf den Rücktritt von Ghosn bei Renault.

Mit dem 65-jährigen Senard wählt Renault einen neuen Präsidenten, der im völligen Kontrast zu Ghosn steht. Senard, der seit sechs Jahren Michelin führt, gilt als ethisch unumstritten und vor allem als sehr sozialer Chef. Der Diplomatensohn ist auch für sein Verhandlungsgeschick bekannt und war Wunschkandidat von Präsident Emmanuel Macron.

Und auch der 55-jährige Thierry Bolloré war im Vergleich zu dem charismatischen Ghosn eher immer zurückhaltend. Mit dem neuen Tandem will der französische Staat auch ein Zeichen mitten in der Krise der Gelbwesten setzen. Ein neuer Typ von Firmenchef ist nun gefragt: bescheidener und volksnäher mit einem Blick auf die sozialen Anliegen des Unternehmens.

Mit Agenturmaterial

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Auto-Manager - Carlos Ghosn tritt als Renault-Chef zurück

0 Kommentare zu "Auto-Manager: Carlos Ghosn tritt als Renault-Chef zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%