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Die Autoindustrie von morgen

Attac und „Sand im Getriebe“ Aktivisten behindern den Zugang zur IAA – Besucher müssen Geduld aufbringen

Attac und „Sand im Getriebe“ können für ihren „zivilen Ungehorsam“ überraschend viele Teilnehmer rekrutieren – sie können die Autoshow aber nicht komplett blockieren.
Update: 15.09.2019 - 17:09 Uhr Kommentieren
Aktivisten von „Sand im Getriebe“ blockieren den Haupteingang der IAA. Rund um das Messegelände haben sich mehrere Gruppen zu Blockadeaktionen zusammengefunden. Quelle: dpa
Demonstrationen gegen IAA

Aktivisten von „Sand im Getriebe“ blockieren den Haupteingang der IAA. Rund um das Messegelände haben sich mehrere Gruppen zu Blockadeaktionen zusammengefunden.

(Foto: dpa)

Frankfurt Um kurz vor neun melden die einzelnen sogenannten Bezugsgruppen von Attac und „Sand im Getriebe“ per Twitter Vollzug. Die wesentlichen Blockaden zur Automesse stehen. Eine Zufahrt zum Messegelände ist mit alufarbenen aufblasbaren Steinen geschlossen, auf denen die Aufschrift „Autofrei“ prangt.

Auf einer anderen Straße haben zahlreiche Aktivisten in weißen Overalls Platz genommen. Vor der Festhalle, einem der Haupteingänge der Messe, sitzen viele Protestierer und singen Widerstandslieder. Blockiert wird der Zugang allerdings auch von Polizisten, die unmittelbar vor den Türen vorbeugend in Stellung gegangen sind.

„'Blauer Finger' angekommen“, schreiben die Protestierer in den sozialen Medien, wenn sie Position bezogen haben. Um kurz nach neun – die IAA hat gerade ihre Türen geöffnet – melden erste Aktivisten auf Twitter, dass die Messe dicht sei. „Achtung Falschmeldung“, kontern die Veranstalter auf Twitter. Die IAA sei weiterhin erreichbar. Zwar sei der Eingang City nicht in Betrieb, aber die anderen Eingänge seien frei.

Richtig ist: Das Bündnis sorgt mit den Blockaden für deutliche Behinderungen, aber es gelingt nicht, die IAA komplett abzuriegeln. Wer mit der S-Bahn anreist, kommt am Vormittag ohne Probleme auf das Gelände. Wer auf anderen Wegen kommt, wird vom Messe-Personal frühzeitig umgeleitet, weg vom Haupteingang City. Aber es ist eine verwirrende Situation für die Gäste, die extra früh angereist sind, um noch freien Zugang zu den besten Ständen zu bekommen. Lange Schlangen bilden sich, die Stimmung ist leicht gereizt, doch sie kippt nicht. Frust schwingt mit, als ein junger Mann sagt: „Ich kann nur heute zur IAA, das ist doch Mist. Dabei bin ich extra früh los.“ Aber das Warten wird wohl oder übel akzeptiert.

Mehr als 1000 Menschen beteiligen sich laut Attac an der Blockade-Aktion. Damit haben die Klimaaktivisten ihren Protest gegen die ihrer Meinung nach verfehlte Verkehrspolitik am Sonntag verschärft. Tags zuvor hatten Tausende Fahrrad-Demonstranten, die aus der gesamten Region in einer Sternfahrt angereist waren, den Autoverkehr in großen Teilen der Innenstadt bis in den späteren Nachmittag hinein lahmgelegt. Hinzu kamen zahlreiche Demonstranten zu Fuß. 25.000 sollen es laut dem Bündnis „Aussteigen“ gewesen sein. Die Polizei sprach am Samstagabend von 15.000.

Attac und „Sand im Getriebe“, die Organisatoren der Blockade, sind allerdings der Ansicht, dass Proteste dieser Art alleine nicht ausreichen, um beim Thema klimagerechter Verkehr ein Umdenken und Umsteuern zu erreichen. „Wir wollen eine radikale Verkehrswende von unten, mit deutlich weniger Autos. Dazu sind wir auch bereit, die Grenze des legalen Protests zu übertreten“, hatte die unter einem Pseudonym arbeitende Aktivisten Tina Velo im Vorfeld deutlich gemacht. „Nur durch störenden Protest kann das erreicht werden, was man mit regelkonformem Protest nicht erreichen kann“, glaubt auch Achim Heier von Attac.

Beide hatten aber klar gemacht, dass sie Gewalt strikt ablehnen. „Das ist nicht unsere Aktionsform“, so Velo. Im Vorfeld der IAA hatten radikale Autogegner mehrfach Fahrzeuge demoliert. So bekannte sich eine Gruppe mit dem Namen „Steine im Getriebe“ dazu, bei einem Jaguar-Händler in Kronberg 40 Luxuslimousinen schwer beschädigt zu haben. Auch die Polizei hat angekündigt, am Sonntag nicht aktiv eingreifen zu wollen, solange keine Gefahr im Verzug sei. Dennoch ist sie mit einem Großaufgebot präsent. Auch Wasserwerfer stehen am Straßenrand bereit.

Ihren „zivilen Ungehorsam“ haben Attac und „Sand im Getriebe“ akribisch vorbereitet. Am Samstagnachmittag fand am Mainufer ein sogenannten Attac-Aktionstraining statt. Dort konnten die Teilnehmer nicht nur trainieren, wie man mit bestimmten Blockade-Situationen umgeht. Zum Beispiel das Räumen durch Polizeikräfte.

Es wurden auch sogenannte Bezugsgruppen gebildet, die die Aktionen der einzelnen Gruppen steuern. Die Bezugsgruppen haben wiederum Vertreter in das „Deli-Plenum“ der Initiatoren geschickt. Bis in die Abendstunden wurden so die neuesten Informationen über den Ablauf am Sonntag ausgetauscht.

Das Ziel der Aktivisten: schon früh am Morgen an den Eingängen sein und zeitig die Blockaden errichten. Für aus größerer Entfernung angereiste Teilnehmer hatten Attac und „Sand im Getriebe“ im Netz sogar eine eigene Bettenbörse zur Übernachtung organisiert. Beide verfügen über viel Erfahrung mit Blockaden und Besetzungen. Tina Velo etwa hat unter anderem bei „Ende Gelände“ mitgemacht, das im vergangenen Jahr das Tagebau-Gebiet im Hambacher Forst besetzt hat.

Mehr: Zigtausend Menschen sind am Samstag zur IAA geradelt. Der erste große Aktionstag der Klimaaktivisten verlief friedlich, sorgte aber für Behinderungen.

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