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Die Autoindustrie von morgen

Autobauer Es ruckelt zwischen Volkswagen und Ford

Der ursprüngliche Zeitplan für eine groß angelegte Kooperation zwischen Ford und VW gerät ins Stocken. Probleme bereitet vor allem ein Projekt zum autonomen Fahren.
14.12.2018 Update: 16.12.2018 - 16:44 Uhr Kommentieren
VW und Ford wollen mit ihrer geplanten Kooperation die Kosten für die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte und der Elektromobilität drücken. Quelle: dpa
Herbert Diess

VW und Ford wollen mit ihrer geplanten Kooperation die Kosten für die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte und der Elektromobilität drücken.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Frankfurt Eigentlich sollte vor Weihnachten schon alles unter Dach und Fach sein – die gemeinsame Produktion von leichten Nutzfahrzeugen, die Zusammenarbeit beim autonomen Fahren und ein möglicher Austausch von Fahrzeugplattformen, vor allem für die neuen Elektroautos. Volkswagen und der US-Autohersteller Ford arbeiten seit Monaten an der ganz großen Kooperation.

Doch es geht nicht so schnell voran wie ursprünglich von beiden Seiten erhofft. Die Verhandlungen zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Autokonzern über eine grundlegende Zusammenarbeit sind ins Stocken geraten. Zwar gebe es eine grundsätzliche Einigung über eine gemeinsame Produktion von Nutzfahrzeugen, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren hat. Allerdings seien die Gespräche über eine Vertiefung der Kooperation festgefahren.

Ursprünglich wollten Volkswagen und Ford nur bei Transportern kooperieren. Doch im Zuge der Gespräche entdeckten beide Seiten zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten. „Es haben sich weitere Ideen wie bei Elektroplattformen und beim autonomen Fahren entwickelt“, bestätigte Volkswagen-COO Ralf Brandstätter vor einer guten Woche.

Aus Volkswagen-Sicht hat die geplante Zusammenarbeit mit Ford noch aus einem anderen Grund große Bedeutung: Die Kooperation könnte dafür sorgen, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump den Wolfsburger Autohersteller von möglichen Handelsbeschränkungen wie Einfuhrzöllen und Importquoten ausnimmt. Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess hatte darüber Anfang Dezember zusammen mit Daimler und BMW in Washington mit Regierungsvertretern und direkt mit dem US-Präsidenten verhandelt.

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    Eine intensive Kooperation mit Ford könnte es der US-Regierung in der Tat schmackhaft machen, von Einfuhrbeschränkungen Abstand zu nehmen. Bei seinem Besuch im Weißen Haus hatte Herbert Diess einige Vorhaben mitgebracht, die der US-Regierung gefallen dürften. Möglicherweise werde der deutsche Konzern Ford-Produktionsstätten zur Fertigung von Autos nutzen, sagte Diess vor ein paar Wochen.

    Die Verhandlungen zum Aufbau einer „globalen Auto-Allianz“ seien fortgeschritten, das Bündnis würde auch die US-Fahrzeugindustrie stärken, so der VW-Chef. Diess sprach von einem „großen Investmentprogramm“ in den USA, Details darüber würden „im Januar oder Februar“ bekanntgegeben. Volkswagen will zudem eine neue Produktionsstätte für Elektroautos in den USA errichten.

    In den aktuellen Gesprächen zwischen Volkswagen und Ford bereitet vor allem ein geplantes Vorhaben Probleme: die Beteiligung von VW an der Ford-Tochter Argo, die Systeme für autonom fahrende Autos entwickelt. Volkswagen will sich an der Gesellschaft beteiligen, um dadurch die Forschung an selbstständig fahrenden Autos gemeinsam mit Ford zu beschleunigen. Volkswagen könnte damit Milliarden an eigenen Investitionen sparen.

    VW soll sich stärker an Argo beteiligen

    Die VW-Seite hat nach Angaben aus Konzernkreisen intensiv mit Ford über die Details der Argo-Beteiligung verhandelt. Die Amerikaner hatten Investments von einer Milliarde US-Dollar in Aussicht gestellt. Mit diesem Geld sollte die Lücke zum US-Konkurrenten Waymo geschlossen werden. Waymo gehört zum Google-Mutterkonzern Alphabet und gilt in Branchenkreisen als das Unternehmen, das die größten Fortschritte beim autonomen Fahren erreicht hat.

    Ford verlange dafür auch eine höhere Beteiligung von Volkswagen, wie ein Insider berichtete. VW-Chef Herbert Diess habe eine solche Zahlung aber bislang abgelehnt, hieß es ergänzend dazu. In den zurückliegenden Wochen war intensiv über diesen Punkt verhandelt worden. Doch Diess ist es offenbar bislang nicht gelungen, diese Geldkomponente vom Tisch zu bekommen.

    Volkswagen bietet dem US-Wettbewerber stattdessen die Nutzung seines modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) an. Ford würde damit hohe Investitionskosten beim Einstieg in die Elektromobilität sparen, da neue Modelle auf der Basis der MEB-Plattform gebaut werden könnten. Für Ford wäre die gemeinsame Nutzung der Volkswagen-Elektroplattform besonders interessant im Europa- und Deutschlandgeschäft. Der US-Konzern schreibt auf dem europäischen Markt rote Zahlen. Schon in wenigen Jahren werden Elektroautos zum Standardprogramm der Fahrzeughersteller in Europa gehören. Während Volkswagen mit seinen Vorbereitungen weit vorangekommen ist, hängt Ford beim Elektroantrieb deutlich hinterher.

    Für Volkswagen ist die Zusammenarbeit mit Ford beim autonomen Fahren vor allem im Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen interessant. Volkswagen hält selbstständig fahrende Autos für private Kunden für weniger aussichtsreich. „Wirtschaftlich lässt sich das nicht darstellen“, sagte eine Führungskraft. Bei leichten Nutzfahrzeugen sei die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass profitable Geschäftsmodelle entwickelt werden können. Auf VW-Seite ist deshalb Nutzfahrzeugchef Thomas Sedran in die Gespräche mit Ford eingebunden. Der Automanager leitet die Transportersparte erst seit dem Sommer. Als Strategiechef des Konzerns hatte er die Kooperationsgespräche mit Ford begonnen.

    Argo ist derzeit in großem Stil auf der Suche nach Kapitalgebern. Dazu spreche das Unternehmen mit mehreren Autoherstellern, sagte Argo-Chef Bryan Salesky im November.

    „Die Diskussionen über die Gestaltung des Deals ziehen sich länger als geplant hin“, bestätigte eine Führungskraft. Für Diess sei dies ein erster Rückschlag und ziehe unmittelbare Konsequenzen nach sich. Der VW-Chef könne dem eigenen Aufsichtsrat nicht wie geplant am kommenden Donnerstag fertige Pläne zur Zustimmung vorlegen. Die Sitzung der Kontrolleure sei daher abgesagt worden, hieß es in Konzernkreisen in Wolfsburg. Eine Aufsichtsratssitzung könne jetzt allenfalls noch als Telefonkonferenz angesetzt werden. Beschlüsse des Kontrollgremiums sind nach aktuellem Stand nicht mehr zu erwarten.

    Ein Konzernsprecher in Wolfsburg lehnte eine offizielle Stellungnahme dazu ab. Insider bestätigten hingegen, dass die Gespräche zäher verlaufen als ursprünglich geplant. Die Kooperation werde dadurch allerdings nicht infrage gestellt, es gebe allenfalls zeitliche Verzögerungen.

    In Kreisen von VW hieß es zudem, dass die Gespräche über eine Kooperation fortgeführt würden. Ziel sei es, auf der Automesse in Detroit erste Projekte vorstellen zu können. Die US-Branchenschau findet Mitte Januar statt. Diess und Ford-Chef James Hackett werden sich also beeilen müssen, wenn sie die ursprüngliche Zeitplanung einhalten wollen.

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