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Die Autoindustrie von morgen
Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss

Debatte mit Wirtschaftsprofessor Ferdinand Dudenhöffer (l.) und Ralph Pfitzner (rechts neben ihr) und Handelsblatt Senior Editor Hans-Jürgen Jakobs.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Autogipfel Greenpeace-Chefin wirft der Autoindustrie vor, sich am Diesel berauscht zu haben

Retten kann die Autohersteller nur der Abschied vom Verbrenner, glaubt die Greenpeace-Chefin. Und die Branche räumt vor dem Handelsblatt-Autogipfel ein: So viel Gegenwind hatte sie noch nie.
7 Kommentare

Wolfsburg Beim Blick auf die Ikonen der Automobilgeschichte wird Ralf Brandstätter ganz nostalgisch. Exponate wie der Citroën DS im Fahrzeugmuseum ZeitHaus in Wolfsburg erinnern den Volkswagen-Manager an „eine weitgehend unbeschwerte Zeit des Automobilbaus“.

Heute ist die Lage eine andere. „Unsere Branche spürt derzeit so starken Gegenwind wie noch nie“, konstatiert der Chief Operating Officer der Marke VW beim Kamingespräch im Vorfeld des Handelsblatt-Autogipfels, bei dem sich am Dienstag und Mittwoch die führenden Köpfe der Branche austauschen.

„Mehr denn je müssen wir um Akzeptanz kämpfen für das, was wir tun“, erklärt Brandstätter. Gerade der Selbstzünder steht in der Kritik. Egal, ob in Berlin, Stuttgart oder Frankfurt am Main: In mehr als einem Dutzend deutschen Großstädten müssen sich Diesellenker ab 2019 mit Fahrverboten herumschlagen. „Wir reden uns derzeit die Köpfe heiß über den Diesel und die Luftqualität in unseren Innenstädten“, sagt Brandstätter.

Für den Manager, der Volkswagen-Chef Herbert Diess im Tagesgeschäft den Rücken freihält, sei das zwar ein wichtiges Thema, aber die die ganze Debatte greife zu kurz. „Wir müssen auch die Perspektive weiten“, fordert er. „Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob diese Industrie auch in zehn bis 20 Jahren noch eine führende Rolle in der Welt spielen kann.“

Für Sweelin Heuss ist klar: Die große Wachstumsparty von VW, Daimler und BMW in den vergangenen Jahren ist aus dem Ruder gelaufen. „Man hat sich sehr besoffen, wenn ich an Benzin und Diesel denke“, kritisiert die Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland.

Die heimische Autoindustrie habe ein kollektives „Komasaufen“ veranstaltet. „Jetzt ist man kurz davor, in die Entzugsklinik zu kommen“, warnt Heuss. Denn nach wie vor stoßen die heimischen Pkw zu viele klima- und gesundheitsschädliche Schadstoffe aus.

„Man hat sich sicherlich berauscht am Erfolg für einige Zeit“, räumt Ralf Pfitzner ein, der bei Volkswagen die Konzernabteilung Nachhaltigkeit leitet. Gleichzeitig hätten die Wolfsburger mittlerweile aus ihren Fehlern von einst gelernt. „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo die Getränke gewechselt werden“, so Pfitzner. Statt fossiler Brennstoffe komme bei VW verstärkt grüner Strom in den Tank.

Der Konzern investiert alleine in den kommenden fünf Jahren 44 Milliarden Euro in Elektroautos, autonomes Fahren und Digitalisierung. „Gerade bei der Elektromobilität sind maßgebliche Weichen gestellt, da bin ich ziemlich optimistisch“, sagt Pfitzner. Spätestens 2050 werde der Verkehrssektor ohnehin fast ausschließlich elektrifiziert sein.

Greenpeace-Chefin Heuss geht das nicht weit genug. Wollen die deutschen Autobauer überleben, müssten sie viel zügiger aus dem Verbrenner aussteigen. „Wir brauchen schon 2035 eine vollständige Dekarbonisierung“, fordert die Umweltaktivistin. „Das bedeutet, dass wir 2025 keine Autos mit Verbrenner mehr in Deutschland zulassen dürfen.“

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Politik in der Pflicht. Die Bundesregierung müsse ein Enddatum für den Verbrenner festschreiben. „Es braucht ein klares Ziel, aktuell wurschteln wir uns einfach in die Zukunft rein“, kritisiert der Leiter des Center of Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Der Diesel habe aus seiner Sicht so oder so keine Zukunft mehr. Und auch Mischantriebe sieht Dudenhöffer skeptisch.

Die Forderung von ZF-Chef Wolf-Henning Schneider nach einem „Volks-Hybrid“ könne nur eine Übergangslösung sein. „Kein Mensch läuft heute mit Hosenträger und Gürtel durch die Gegend. Man nimmt entweder das eine oder das andere“, sagt Dudenhöffer. Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge in denen zwei Antriebe verbaut sind, seien auf Dauer schlichtweg zu teuer.

Bei reinen Elektroantrieben sieht Dudenhöffer die heimischen Fahrzeughersteller und Zulieferer aber gut aufgestellt: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Deutschen gute Karten haben.“ VW-Manager Ralf Brandstätter ist daher sicher: „Wenn wir es richtig angehen, dann hat das Automobil seine besten Zeiten erst noch vor sich.“

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7 Kommentare zu "Autogipfel: Greenpeace-Chefin wirft der Autoindustrie vor, sich am Diesel berauscht zu haben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Maschinenstürmer der heutigen Zeit haben offensichtlich ein großes Ziel und das heißt wohl 'zurück in die Steinzeit' koste es was es wolle. Der Weg der Auto-Akkus wird bald in einer sehr teuren Sackgasse enden; es gibt einfach nicht genügend Rohstoffe, Millionen von Autos, Bussen ect. langfristig mit voluminösen Akkus auszurüsten. Gas-und Wasserstoff-Antriebe als vernünftige Alternative zu subventionieren ist ja schon lange kein Thema mehr. Akkus sind das angebliche Zauberwort. Dass deren Umwelt-Gesamtbilanz teilweise schlechter ausfällt als die der aktuellen Diesel/Benzinmotoren interessiert die Umweltstürmer überhaupt nicht.
    Die NOX- Belastung in den Arbeitsräumen kann fast beliebig hoch sein, Hauptsache im Straßenverkehr verringern wir die Belastung am besten gegen Null, denn dort verbringen wir ja auch jeden Tag mehr Stunden als am Arbeitsplatz. Es ist auch egal, welchen Unsinn die 'Saubermänner' in die Welt setzen; jede neue Horrormeldung wird begierig aufgenommen. 6000 Tote durch NOX-Belastung, toll, aber keine Nachfrage, kein Beweis, kein Patient mit dieser Krankheit wurde jemals obduziert. Je schlechter die Horrormeldung, je weniger Plausibiltätskontrollen finden statt. Deutschland schafft sich vielleicht nicht selbst ab aber viele bemühen sich die deutsche Industrie abzuschaffen. Und wir lassen die Maschinenstürmer weiterhin gewähren und einige nehmen ihre Falschmeldungen auch noch ernst. Der Diesel-Motor, eines der besten Antriebsaggregate überhaupt, er muss weg; der Benzin-Motor ungleich schlechter, er muss weg. Menschen und Tiere produzieren zuviel CO2, sie müssen auch weg und endlich kann sich der Planet wieder störungsfrei entwickeln. Träumt weiter ihr Pseudo-Naturschützer

  • @Herr Andre Peter
    können Sie die Studien bitte nenne, ich meine das positiv ich habe ähnliches gelesen aber die Studien finde ich leider nicht.
    Danke für den Beitrag

  • Die Autobauer waren zu lange Erfolgreich mit der Strategie die EU Vorgaben zu Schadstoffaustoß und Verbrauch wenn möglich aufzuweichen, zu umgehen und wenn nötig mit fortschrittlicher Technologie (Prüfstandserkennung) auszutricksen. Wie arrogant muss man sein, um zu glauben, dass dem niemand jemals auf die Schliche kommt. Umso tiefer ist jetzt der Fall und der dadurch angerichtete Schaden für die Autobauer, die Zulieferer und nicht zuletzt für die Kunden, deren Vertrauen nachhaltig beschädigt ist.
    Zumal die Technologie existiert, um einen sehr sauberen Diesel zu bauen (Beim Feinstaub und beim NOx).
    Das ganze herumgetrickse war so unnötig wie ein Kropf. Seis drum.
    Für die Zukunft muss die Autoindustrie möglichst saubere, bezahlbare Fahrzeuge entwickeln, die auch die Mobilitätsbedürfnisse der Kunden erfüllen. Die nötige Energie dazu sollte zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammen.
    Ob reine batteriebetriebene Autos das Ideal sind oder eine Kombination von (kleiner) Batterie mit einem Range-Extender (Verbrenner mit CNG, Diesel, Benzin, Wasserstoff-Brennstoffzelle) ist dabei offen. Es ist die Aufgabe der Autoindustrie hier das Optimum für den jeweiligen Anwendungsfall zu finden.
    In Japan wird Wasserstoff eine große Rolle spielen. In China wohl eher die BEV.
    Ich persönlich wünsche mir einen Plugin-Hybriden mit 100 km elektrischer Reichweite mit einem CNG Range-Extender mit dem man gelegentlich auch mal 600 km fahren kann.
    CNG kann synthetisch erzeugt und gespeichert werden und ist leichter handhabbar als H2.
    Ich bin gespannt welche Lösungen die Autobauer in den nächsten jahren finden werden.

  • @Herr Heinz Walde:
    Die 40 Mikrogramm NOx sind aus einer ALTEN WHO EMPFEHLUNG aus dem letzten Jahrtausend.
    In den USA wurde eine aufwendige Studie von der Umweltbehörde erstellt. Dort kam man zu dem Ergebnis 103 Mikrogramm NOx sind in Ordnung.

    Bei mir bleibt das Bild eines selbstzerstörerischen Deutschlands, das sehr gerne auf die fleissigen Leute der Automobilindustrie einschlägt. Sie haben in den letzten Jahren sehr, sehr viel geleistet, um die CO2 Belastung und die Schadstoffe zu reduzieren, Gedankt wird es nicht!

  • Die einzigen die sich am Diesel berauscht haben sind die G R Ü N E N und ihre
    unmündigen Nachläufer oder die sehr gut Verdienenden, die in Pantoffeln zum Arbeitsplatz laufen können.
    Der Rest ist Wählerpack.

  • Die Grüne-Linke Ideologie und die Rechtsradikale sind zwei Seiten der gleichen Medallie. Beide arbeiten mit pauschalen Feindbildern welche sie für das ganze Elend verantwortlich machen und bedienen sich der gleichen Hasssprache, aber auch mit dem Anspruch die absolute schizophrene "Wahrheit" zu besitzen.

    Schadstoffe wie NOX dürfen am Arbeitsplatz 950 mg, aber auf der Straße nur 40 mg betragen. Diese 40 mg wollen NGO's jetzt, da die Gefahr besteht, dass die schadstoffreduzierten Autos ihren Beitrag zur Einhaltung der 40 mg einhalten können, einfach halbieren. Dies zeigt, es geht nicht um die Gesunfheit der Bevölkerung, es geht um die Vernichtung der deutschen Automobilindustrie, da am Arbeitsplatz weiter 950 mg NOX gelten sollen, da dieser Wert scheinbar absolut nicht gesundheitsschädlich ist. Wobei keiner fragt, wenn 50% der NOX-Werte auf der Straße vom Auto kommen, wer erzeugt die anderen 50% ??? Was wird dagegen getant?? Nichts!
    Nach dem Diesel wird es den Benziner treffen da dieser über 18% mehr Co2 ausstößt. Wobei auch hier über 70% des CO2 von anderen Quellen stammen.
    Die Schadstoffe die Autos ausstoßen sind nur vorgeschoben, den Grünen, NGO's, es geht um die Grünen-Religion "Anti-Auto". Alle, die hier nicht Abbitte leisten, werden als Ketzer von der Grünen-Inquisition gebrandmarkt und psychisch vernichtet.

  • Das ist grün-ideologische Hetze pur:
    „Man hat sich sehr besoffen, wenn ich an Benzin und Diesel denke“,
    Die heimische Autoindustrie habe ein kollektives „Komasaufen“ veranstaltet. „Jetzt ist man kurz davor, in die Entzugsklinik zu kommen“,
    Dass der Diesel über die Jahre enorm viel CO2 sparte, wird ignoriert, auch die massive Entwicklungen in Richtung Schadstoffverminderung.
    Da kann die deutsche Automobilindustrie nur auswandern - Richtung Asien oder Amerika.
    Das Automobil - Bashing wird in Deutschland nie enden!
    Früher gab es die Inquisition - heute wird dies Gilde durch grüne Hassredner besetzt!
    Das Ende der Freiheit ist die deutsche Zukunft!

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