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Die Autoindustrie von morgen

Autokonzern VW erhöht das „Transformationstempo“ – und will Milliarden sparen

Die Kernmarke des Konzerns soll ihre Renditeziele schneller erreichen. Auf ein Ende des Verbrennungsmotors will sich das Management nicht festlegen.
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WolfsburgFür Ralf Brandstätter ist es der erste große Auftritt zu Hause in Wolfsburg. Seit August leitet der 50-Jährige als Chief Operating Officer (COO) die Pkw-Marke Volkswagen, den wichtigsten Teil des gleichnamigen Konzerns mit 80 Milliarden Euro Jahresumsatz und mit jährlich mehr als sechs Millionen produzierten Fahrzeugen.

In den ersten Monaten als Volkswagen-COO hat sich Brandstätter mit großen Ankündigungen in der Öffentlichkeit noch zurückgehalten. Doch an diesem Donnerstag tritt er mit einer Botschaft auf die Bühne des Wolfsburger Markenhochhauses, die es in sich hat: Die Pkw-Marke Volkswagen, einstmals der große Problemfall im gesamten Konzern, wird ihre Renditeziele um drei Jahre nach vorn ziehen.

Eine operative Marge von sechs Prozent soll nicht erst 2025, sondern bereits 2022 erreicht sein. Aktuell liegen die VW-Pkws noch etwas unterhalb von vier Prozent. Brandstätter bestätigte damit im Wesentlichen einen Vorabbericht des Handelsblatts vom Vortag. „Wir müssen unser Transformationstempo erhöhen“, sagte Brandstätter auf einer Pressekonferenz in Wolfsburg.

Begriffe wie Spar- und Effizienzpaket werden im Unternehmen ungern benutzt. Brandstätter sprach deshalb lieber von einem „Maßnahmenbündel für mehr Produktivität und Effizienz“, mit dem die Marke Volkswagen ihr Renditeziel vorzeitig erreichen soll. Das „Maßnahmenbündel“ hat ein Volumen von etwa sechs Milliarden Euro jährlich. Ungefähr die Hälfte davon soll über Kostensenkungen hereingeholt werden, die zweite Hälfte vor allem über mehr Erlöse im Fahrzeugverkauf.

Mit der Einführung der neuen batteriegetriebenen Pkw-Generation von Ende 2019 an wird auch der Vertrieb bei Volkswagen komplett digitalisiert. Damit entstehen neue Geschäftsmodelle wie etwa durch den Verkauf von Softwareupdates. VW-COO Brandstätter begründete die zusätzlichen Renditeanstrengungen vor allem mit dem hohen Investitionsbedarf durch Elektrifizierung und Digitalisierung: „Wir müssen unsere Performance weiter verbessern, um schneller und stärker investieren zu können.“

Das Margenziel soll bereits 2022 erreicht sein. Quelle: dpa
Autoturm in Wolfsburg

Das Margenziel soll bereits 2022 erreicht sein.

(Foto: dpa)

Ein anderer Ansatzpunkt ist die Modellvielfalt, bei der sich Volkswagen-Kunden auf Einschränkungen gefasst machen müssen. Modellvariationen, die die Marke nur schlecht verkauft, sollen gestrichen werden. „Wir werden nächstes Jahr 25 Prozent der Motor-Getriebe-Varianten in Europa aus dem Programm nehmen“, kündigte Brandstätter an. Es lohne sich beispielsweise nicht, bei kleineren Einstiegsmodellen auch einen Allradantrieb anzubieten.

Mit dem Renditeziel von sechs Prozent will sich Volkswagen auf längere Sicht nicht zufriedengeben. „Natürlich besteht unsere Ambition, dass es noch weitergeht“, ergänzte Finanzvorstand Arno Antlitz. In fernerer Zukunft könnte die Marke durchaus acht Prozent Rendite anstreben. Diese Rate ist bei der französischen Opel-Mutter PSA inzwischen Standard.

Handelsstreit belastet die Aktie

Zum Umfang des Stellenabbaus, der mit dem neuen Sparprogramm verbunden ist, wollte sich Antlitz nicht äußern. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat darüber hätten erst begonnen. Vor allem in der Verwaltung will Volkswagen sparen. Im Unternehmen wird spekuliert, dass dort einige Tausend Stellen gestrichen werden. Antlitz sicherte zu, dass dies sozialverträglich erfolge, beispielsweise über Programme zur Altersteilzeit.

An der Börse haben die Renditeanstrengungen der Marke Volkswagen nicht zu der erwarteten Reaktion geführt. Am Nachmittag lag die VW-Aktie fast drei Prozent im Minus. Das lag allerdings weniger an den Nachrichten aus Wolfsburg. Die Volkswagen-Papiere belasteten wie andere Autotitel neu entflammte Ängste um eine Verschärfung des US-Handelsstreits.

Unter Investoren stießen die Ankündigungen von Volkswagen gleichwohl auf Zuspruch. „Das, was heute in Wolfsburg präsentiert wurde, ist beeindruckend“, sagte Arndt Ellinghorst vom Investmenthaus Evercore ISI. Während andere Konzerne aus der Branche ihre Renditeziele nach unten setzten, gehe es bei Volkswagen weiter nach oben. Die Wolfsburger könnten allerdings noch energischer vorgehen: Aus Sicht von Ellinghorst wäre es möglich, das Renditeziel von sechs Prozent bereits 2020 zu erreichen.

Brandstätter hält es zudem noch nicht für ausgemacht, dass Volkswagen im Jahr 2026 das Ende des Verbrennungsmotors einleitet. „Heute kann niemand endgültig einen solchen Termin vorhersagen“, betonte der Marken-COO und widersprach damit seinem eigenen Markenstrategen Michael Jost, der am Dienstag entsprechende Äußerungen auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel gemacht hatte.

Brandstätter warnte vor möglichen Verzögerungen beim Aufbau einer ausreichenden Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Allein schon deshalb sollte sich heute niemand auf einen fixen Termin für das Ende der Verbrennertechnologie festlegen. Brandstätter: „Der Kunde entscheidet in dieser Frage schließlich auch noch mit.“

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