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Die Autoindustrie von morgen

Automesse Weniger Aussteller, Besucherschwund, Proteste – VDA wertet IAA dennoch als Erfolg

Die Autoschau in Frankfurt muss einen kräftigen Besucherschwund verkraften. VDA-Präsident Mattes spricht dennoch von einem erfolgreichen Konzept.
Update: 20.09.2019 - 14:08 Uhr Kommentieren
VDA wertet IAA in Frankfurt als Erfolg Quelle: dpa
Bernhard Mattes

Der VDA-Chef hat während der IAA seinen Abschied bekanntgegeben.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Düsseldorf Fast klingt es wie Trotz: „Nach der IAA ist vor der IAA“, sagt Bernhard Mattes. Wieder und wieder verteidigt der scheidende Präsident des Automobilverbandes VDA am Freitagmittag im Congress Center in Frankfurt die in die Krise gerutschte Automesse in Frankfurt. Die Transformation der gesamten Branche verändere auch die IAA, so Mattes. „Das Konzept ist aber absolut aufgegangen.“

Für Mattes ist es eine heikle Gratwanderung. Einerseits ist die Krise der IAA allgegenwärtig. Bis zum Sonntag, dem letzten Tag der Messe, rechnet der VDA-Präsident mit „mehr als einer halben Million Besucher“. Das sind deutlich weniger als die 810.000 Gäste vor zwei Jahren und die 930.000 vor vier Jahren.

Wichtige ausländische Vertreter wie Toyota und Fiat Chrysler haben sich ganz zurückgezogen. Die Zahl der Aussteller ist in diesem Jahr um 20 Prozent auf rund 800 gesunken. Die Ausstellungsfläche reduzierte sich um 16 Prozent auf 168.000 Quadratmeter. Und dann sind da die Klimaaktivisten, die die Autoindustrie unter Beschuss genommen haben.

Andererseits muss Mattes als oberster Vertreter des VDA eine Messe verteidigen, an der das Schicksal des Verbandes hängt. Der finanziert sich zum großen Teil aus den Messe-Einnahmen. Dennoch steht fest. Die Messe muss sich gravierend verändern. Wie genau, das ließ Mattes allerdings weitgehend offen. Über den Jahreswechsel werde man soweit sein, dass die Richtung feststehe.

„Das ist eines der Projekte, die ich selbst noch zu Ende führen will“, sagte Mattes, der während der IAA völlig überraschend seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt hatte. Dabei wird es wohl keine Denkverbote geben. „Heute beschränken wir uns ausschließlich auf das Messegelände, morgen wollen wir die neue Mobilität noch stärker zum Bürger tragen“, sagte er, ohne weitere Details zu nennen.

In den Reihen der großen deutschen Autohersteller war im Vorfeld der IAA zum Teil deutliche Kritik am Konzept der Messe lautgeworden. „Es gibt keine Bestandsgarantie“, hatte BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter dem Handelsblatt gesagt: „Die Bedeutung von Automessen hat sich verändert. In Zukunft muss weniger das Produkt, sondern die Technologie im Mittelpunkt stehen“ forderte er.

Berlin und Köln als mögliche Alternativ-Standorte

Viele in der Branche wünschen sich mehr Event als klassische Messe mit Markentempeln. Auch der Standort Frankfurt wackelt. Er könne keine Angaben zum Standort machen, erst müsse das Konzept stehen, sagte Mattes. Klar sei aber: „Wir sprechen auch mit Frankfurt.“ In der Autoindustrie werden unter anderem Berlin und Köln als mögliche Alternativen genannt.

Klar ist zudem: Die Zeiten, in denen es darum ging, möglichst viel Fläche zu füllen, sind endgültig vorbei. „Im digitalen Zeitalter geht es nicht mehr allein um vermietete Quadratmeter Fläche, sondern um Relevanz“, sagte Mattes.

Gleichzeitig betonte er, dass der VDA als Veranstalter der IAA bereits viel unternommen habe, um die Messe zu verändern. Die IAA mache „wie keine andere Show die Mobilität der Zukunft erlebbar“. Die Attacken gegen den SUV bezeichnete der VDA-Präsident als „Zeichen einer meiner Meinung nach überhitzten Diskussion“. Diejenigen, die die IAA vorab und zu Unrecht als ein Forum etikettiert hätten, das durch größere Autos, mehr PS, höheren Verbrauch gekennzeichnet sei, sollten sich selbst ein Bild von dieser Mobilitätsplattform machen, empfahl Mattes. „Mehr serienmäßige Elektromobilität gab es bislang noch auf keiner anderen IAA.“

Doch wer mit Besuchern spricht, merkt, dass viele bei allem Interesse am Auto von der Schau in diesem Jahr eher enttäuscht waren. Neue Autos werden mittlerweile jenseits der IAA zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert, nicht mehr auf der Messe. Viele Fahrzeuge sind also bekannt. Was noch nicht bekannt ist, ist häufig im Stadium eines Konzeptfahrzeugs, dessen Fertigung Jahre entfernt liegt. Nicht ohne Grund gaben viele Besucher bei einer Umfrage des VDA an, neben den Elektrofahrzeugen und den Sportwagen die Oldtimerausstellung noch am interessantesten gefunden zu haben.

Udo Traeger von Exhibition Doctors, ein renommierter Messe-Experte, empfiehlt deshalb, dem VDA die Verantwortung für die IAA zu entziehen: „Meine Idee wäre, die Messe nicht mehr vom Verband VDA veranstalten zu lassen, sondern die Messe auszuschreiben an alle deutschen Messeveranstalter. Denn was der IAA fehlt, ist ein Wettbewerb der Ideen“, so Traeger. Der Gewinner trage dann die wirtschaftliche Verantwortung, der VDA könne eine Lizenzvereinbarung für den Namen abschließen.

„Jeder weiß, dass das derzeitige Format Dinosaurier-Niveau hat.“ Der Besucher werde außen vor gelassen. „Alle Marketingabteilungen der großen Automobilhersteller jagen nach der ‚Customer Journey‘ der Autokäufer, nur die Messe nicht“, so Traeger.

Mehr: Der VDA muss sparen, wenn die IAA deutlich kleiner wird. Denn der größte deutsche Industrieverband finanziert sich zum großen Teil über das Messegeschäft. Schon einmal hat das Aus einer Messe einen Verband zum Sparen gezwungen.

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