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Die Autoindustrie von morgen

Automobilausstellung Der VDA muss sparen, wenn die IAA deutlich kleiner wird

Der größte deutsche Industrieverband finanziert sich zum großen Teil über das Messegeschäft. Schon einmal hat das Aus einer Messe einen Verband zum Sparen gezwungen.
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Die IAA ist nicht die erste Automesse mit Problemen. Quelle: dpa
i8 von BMW auf der IAA

Die IAA ist nicht die erste Automesse mit Problemen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Zum Ende einer jeden Messe gibt es eine gewohnte Übung: Am letzten Tag werden die Besucher mit dem Gruß verabschiedet, dass man sich doch bei der nächsten Veranstaltung in ein oder zwei Jahren wiedersehen möge.

Die Frankfurter Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) ist eine Messe, die jedes zweite Jahr vom Verband der Automobilindustrie (VDA) veranstaltet wird. Am kommenden Sonntag, dem letzten Messetag der diesjährigen IAA, müssten die Besucher also eigentlich mit dem gewohnten Wiedersehensgruß für 2021 verabschiedet werden.

Doch diese Verabschiedung wird in diesem Jahr ausbleiben. Der Vertrag zwischen dem VDA als Veranstalter und der Frankfurter Messegesellschaft läuft aus. Es gibt keine Gewissheit, ob die wichtigsten Automobilhersteller in zwei Jahren wieder nach Frankfurt zurückkehren werden. Auch Berlin und Köln sind als Veranstaltungsorte im Gespräch.

Zudem sind sich der VDA und seine Mitgliedsunternehmen derzeit noch nicht einig darüber, wie es künftig konzeptionell mit der IAA weitergehen soll. Die internen Querelen beim VDA erreichten in der vergangenen Woche mit dem Rücktritt von Verbandspräsident Bernhard Mattes ihren Höhepunkt.

Die IAA ist nicht die erste Automesse mit Problemen: Vor fünf Jahren verschwand die Auto Mobil International (AMI) in Leipzig aus dem Messekalender, immerhin für mehr als 20 Jahre die zweitgrößte deutsche Automesse nach der IAA in Frankfurt.

Veranstalter der Leipziger Ausstellung war der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), die Konkurrenzorganisation des VDA, in der sich die Importeure zusammengeschlossen haben. Der VDIK ist auf dem deutschen Automarkt eine Größe: Fast 40 Prozent aller in Deutschland verkauften Pkws werden von einem ausländischen Hersteller produziert.

VDIK als warnendes Beispiel

Der VDIK musste die Leipziger AMI wegen anhaltenden wirtschaftlichen Misserfolgs aufgeben. Die Ausstellung war ein Kind der Wendezeit nach der deutschen Wiedervereinigung. Nach den wirtschaftlich schwierigen Jahren in der DDR war das Interesse der Ostdeutschen am Auto extrem groß. Deshalb konnte die AMI über Jahre hinweg ohne größere Probleme neben der bedeutenderen IAA bestehen.

Doch mit der zunehmenden Angleichung der Lebensverhältnisse ging das Interesse an der Leipziger Veranstaltung mehr und mehr zurück. 2010 gab es den ersten Einschnitt: Die AMI wurde nicht mehr jährlich veranstaltet, die Messe wechselte auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus. 2014 wurde dann zum letzten Jahr, in dem es auf dem Leipziger Messegelände eine große Autoausstellung gab.

Das Ende der Leipziger AMI hatte einschneidende Konsequenzen für den veranstaltenden VDIK. Denn genauso, wie sich der VDA stark über die IAA finanziert, bildeten die Einnahmen aus der Leipziger Ausstellung das wirtschaftliche Rückgrat des Importeursverbands.

Der VDIK ist zwar deutlich kleiner als der wichtigste deutsche Industrieverband VDA. Doch auch die Importeure kamen bei ihrer eigenen Interessenvertretung um größere Veränderungen nicht herum, eben bedingt durch das Ende der Leipziger AMI.

Am stärksten gespart wurde danach beim Personal. Wie es dazu aus Verbandskreisen hieß, musste der VDIK etwa ein Drittel seiner Stellen streichen. Überall im Verband wurde zusätzlich nach weiteren Einsparmöglichkeiten gesucht, ob nun beim Büromaterial oder bei den Zeitschriftenabonnements.

Nach fünf Jahren ohne AMI hat sich der Importeursverband heute wieder wirtschaftlich erholt. Zu den wichtigsten Einnahmequellen gehören jetzt die Mitgliedsbeiträge, die nach der Zahl der jährlichen Neuzulassungen bemessen werden. Bei den größten Fahrzeugimporteuren auf dem deutschen Markt wie etwa Renault werden jährlich niedrige sechsstellige Beiträge fällig.

Messegeschäft spielt zentrale Rolle

Was die Einnahmeseite betrifft, gibt es zwischen dem deutschen Industrieverband und den Importeuren Parallelen. Auch der VDA finanziert sich überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und den Messeerlösen. Nach Angaben aus Industriekreisen spielt das Messegeschäft dabei jedoch eine ganz zentrale Rolle.

Noch vor sechs Jahren wurden etwa 80 Prozent des VDA-Jahresetats über die IAA finanziert. Inzwischen bewegt sich der IAA-Anteil auf die 50-Prozent-Marke zu. Auslöser ist die schrumpfende Automesse mit kleinerer Ausstellungsfläche und mit weniger Ausstellern.

Zu seinem Jahresetat schweigt der Verband und nennt keine Zahlen. Es gibt auch keinen veröffentlichten Jahresabschluss. Als eingetragener Verein unterliegt der VDA nicht denselben Publizitätspflichten wie ein Unternehmen. Bekannt ist die Zahl der Beschäftigten, die im Markgrafen-Palais, dem herrschaftlichen Sitz in der Berliner Innenstadt, für den Verband tätig sind: etwa 100.

Daraus lässt sich ein ungefährer Betrag für den Jahresetat ableiten. Nach Schätzungen aus Industriekreisen dürfte es ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag sein.

Völlig unberührt lassen den Verband die Veränderungen auf dem Frankfurter Messegelände mit reduzierter Ausstellungsfläche und weiter sinkenden Ausstellerzahlen nicht. „Auch der Verband weiß, dass er in 50 Jahren wahrscheinlich nicht mehr vom Messegeschäft leben kann“, heißt es aus dem Markgrafen-Palais. Die aktuelle Entwicklung komme für den Verband alles andere als überraschend. „Natürlich entwickeln wir die Messe weiter.“

Schon in zwei Jahren soll es ein neues Konzept für die Messe geben, auch der Traditionsstandort Frankfurt ist dabei nicht mehr gesetzt. Konkrete Entscheidungen sollen bis Januar getroffen werden. Künftig dürfte es weniger Autos zu sehen geben, und das Thema Mobilität wird stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Einnahmeausfälle auf der IAA will der VDA durch neue Geschäfte ausgleichen.

So verkauft der Verband etwa Qualitäts- und Normierungsstandards für die Autoproduktion. Im Qualitäts-Management Center (QMC) sind diese Dienste beim VDA zusammengefasst. „Dieses Geschäft wollen wir ausbauen“, heißt es beim Verband.

Um die finanzielle Zukunft des VDA müsse sich niemand Sorgen machen. Einen Stellenabbau wie beim viel kleineren VDIK müsse es nicht geben. Außerdem könne der Verband auf Rücklagen zurückgreifen, um schwierigere Jahre zu überstehen.

Offiziell sagt ein Sprecher dazu, dass der Verband eine wirtschaftliche Antwort darauf finden werde, sollte es zu rückläufigen Einnahmen aus dem Messegeschäft kommen. Nach den Worten des VDA-Sprechers würde der Interessenverband mit dem Aufbau neuer Geschäftsfelder reagieren. Genauso sei es denkbar, dass an der Kostenseite etwas passiere. „Oder beides“, betonte der Sprecher. Ein Verband wie der VDA sei zudem nicht gewinnorientiert ausgerichtet, ergänzte er.

Dass es schon recht bald zu größeren Veränderungen am Messekonzept der IAA kommen wird, gilt für die meisten Branchenvertreter als ausgemacht. Die Zahl der Aussteller, die große Hallen anmieten und neue Fahrzeuge dutzendweise präsentieren, ist schon in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Japanische Konzerne sind so gut wie gar nicht mehr in Frankfurt vertreten, auch die Hersteller aus Frankreich und Italien verzichten auf die Präsenz auf der IAA.

„Das ist alles nicht mehr zeitgemäß“, heißt es dazu aus Branchenkreisen. Klima- und Umweltschutz seien zu einem entscheidenden Thema für die gesamte Automobilindustrie geworden. Dazu passe es einfach nicht mehr, auf einer Messe wie der IAA nur auf Glitzer und Glamour zu setzen.

„Die IAA ist für uns schon lange keine reine PS-Show mehr, sondern der Ort, an dem wir unsere Lösungen für die Zukunft präsentieren und vor allem auch diskutieren wollen“, hatte VW-Konzernchef Herbert Diess vor wenigen Tagen auf der Business-Plattform LinkedIn geschrieben.

Mehr: Attac und „Sand im Getriebe“ schaffen es, für ihren „zivilen Ungehorsam“ überraschend viele Teilnehmer rekrutieren – sie können die Autoshow IAA aber nicht komplett blockieren.

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