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Die Autoindustrie von morgen

Automobilmesse Merkel will Ausbau der Elektromobilität fördern – aber keinen Porsche Taycan fahren

Fehlende Stromtankstellen behindern den Erfolg von Elektroautos. Kanzlerin Merkel will nun den politischen Rahmen für den Aufbau der Infrastruktur schaffen.
Update: 12.09.2019 - 19:34 Uhr Kommentieren
Das erste reine Elektroauto Taycan von Porsche schaute sich die Kanzlerin zwar an – selber einen haben wollte sie aber „eher nicht“. Quelle: Reuters
Angela Merkel neben Porsche-Chef Oliver Blume

Das erste reine Elektroauto Taycan von Porsche schaute sich die Kanzlerin zwar an – selber einen haben wollte sie aber „eher nicht“.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Letztlich musste Bundeskanzlerin Angela Merkel Porsche-Chef Oliver Blume einen Korb geben. Der hatte Merkel bei ihrem traditionellen Rundgang über die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) am Donnerstag gefragt, ob er denn eines der neuen Elektrofahrzeuge vom Typ Taycan für die CDU-Politikerin reservieren soll. Das Modell ist bei Kunden heiß begehrt, die Wartezeit kann schon einmal bei einem Jahr liegen. Nein, eher nicht, erwiderte die Kanzlerin amüsiert.

Der Stand des Sportwagenherstellers in Halle 3 war eine Station auf ihrer Tour über das Frankfurter Messegelände, die sie unter anderem zu Volkswagen, Continental, Daimler und BMW führte. Die Branche steckt in einem Umbruch hin zum Elektroantrieb, und daher begrüßten die Automanager den Besuch aus Berlin.

Ein Erfolg ist das Elektrogeschäft bislang nicht, der Anteil von E-Autos an den Gesamtverkäufen minimal. Was fehlt, ist eine funktionierende Ladeinfrastruktur. Bisher sind in Deutschland 20.000 E-Tankstellen errichtet worden. „Für mich ist das aber noch lange nicht ausreichend“, sagte Merkel auf der IAA-Eröffnungsveranstaltung. Für sie sei es „jetzt die wesentliche Aufgabe“, zusammen mit der Industrie auszuloten, wie schnell eine verlässliche Ladeinfrastruktur aufgebaut werden könnte.

Der Auftritt der Kanzlerin hat der Autoindustrie immerhin etwas Mut gemacht. Denn die Umstellung auf die neuen Elektroantriebe ist nur das eine, was den bislang erfolgsverwöhnten Konzernen größere Sorgen bereitet. Das andere wichtige Thema ist die Konjunktur. Nach zehn Jahren ununterbrochenen Wachstums fallen die Verkaufszahlen erstmals wieder. Die Zeichen mehren sich, dass sich die gesamte Branche auf eine längere Durststrecke einstellen muss. Auch von der IAA in Frankfurt werden in diesem Jahr keine entscheidenden Impulse des Wandels ausgehen.

Zugleich belasten interne Querelen den Verband der Automobilindustrie (VDA), der die Automesse veranstaltet. Am Donnerstagabend kündigte Verbandspräsident Bernhard Mattes überraschend seinen Rücktritt an. Zum Jahresende werde er sein Amt niederlegen, „um sich neuen Aufgaben zuzuwenden“, teilte der Verband am Abend mit. Der 63-Jährige war erst im Frühjahr 2018 an die Spitze des Interessenverbands der deutschen Automobilindustrie gerückt. Selten zuvor hat ein VDA-Präsident den Verband nach so kurzer Amtszeit wieder verlassen.

Zu den Gründen seines Rückzugs wollte sich der VDA-Präsident nicht äußern. Ein Sprecher des Verbands lehnt jeden weiteren Kommentar dazu ab. Der Rücktritt des eigenen Präsidenten hat die Autobranche selbst überrascht und kommt zu einem völlig unpassenden Moment. Die IAA in Frankfurt hat gerade begonnen, und zugleich wird innerhalb der Verbandsgremien zusammen mit den Mitgliedsunternehmen über die Zukunft der Automesse diskutiert.

Wie aus Industriekreisen verlautete, zieht Mattes mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus einer anhaltenden Diskussion um seine Person. Schon im Frühjahr musste sich der VDA-Präsident erstmals aus den Reihen der eigenen Mitgliedsunternehmen lautstarke Kritik an seiner Amtsführung anhören. Der VDA arbeite nicht effizient genug und setze sich nicht entscheidend genug für die wichtigsten Themen der Autobranche ein: Klimaschutz und im Zusammenhang damit die neuen Antriebe.

Ergänzend hieß es dazu, dass in den vergangenen Wochen intensiver nach einem Nachfolger für Mattes gesucht worden sei. Das habe für den VDA-Präsidenten das Fass zum Überlaufen gebracht und er habe seinen Rücktritt eingereicht. Außerdem hat er sich daran gestört, dass Autokonzerne wie BMW öffentlich am Verband vorbei über die Zukunft der IAA diskutieren. Die Nachfolge ist noch nicht geklärt, die Unternehmen wollen darüber in den kommenden Monaten entscheiden.

„Wir bedauern die Entscheidung von Bernhard Mattes sehr. Wir haben immer sehr gut mit ihm zusammengearbeitet“, sagte ein Daimler-Sprecher in einer ersten Reaktion. Mattes habe sich in der wichtigen Transformationsphase der Autoindustrie mit großem Engagement eingesetzt, betonte ein Volkswagen-Sprecher. Auf der IAA habe er den Dialog um die Zukunft der IAA vorangetrieben.

Mit der schwierigen aktuellen konjunkturellen Lage der Automobilindustrie wird sich also bald ein anderer VDA-Präsident auseinandersetzen müssen. Die weltweiten Verkaufszahlen für Pkws sprechen eine deutliche Sprache, fast überall auf dem Globus geht es abwärts. Nach einer Analyse des britischen Marktforschungsunternehmens LMC Automotive sind bis einschließlich August weltweit rund 59,4 Millionen Autos verkauft worden. Gegenüber der Vorjahresperiode entspricht das einem Rückgang von knapp sechs Prozent.

Die deutsche Automobilindustrie muss von Boom auf Krisenmodus umstellen, insbesondere die Zulieferer sind vom weltweiten Verkaufsrückgang stark getroffen worden. Die Zeit des Beschäftigungsaufbaus ist beendet, bei Unternehmen wie etwa Continental wird inzwischen über Werksschließungen spekuliert. Kaum jemand glaubt an eine schnelle Erholung. „In den nächsten zwölf Monaten erwarten wir keine entscheidende Verbesserung“, sagt der Vorstandschef eines großen Konzerns.

Der Autoindustrie hilft es nicht besonders, dass die Verkaufszahlen auf dem heimischen Markt recht gut ausfallen. Auf den bisherigen Jahresverlauf bezogen liegt der deutsche Markt noch mit einem Prozent im Plus. Doch aus Sicht der deutschen Hersteller haben die Verkaufszahlen in der Heimat eine immer geringere Bedeutung bekommen. Volkswagen, BMW und Daimler sind exportstarke Unternehmen. Für sie ist vor allem entscheidend, wie viele Fahrzeuge sie im Ausland verkaufen können.

Deshalb ist es keine besondere Überraschung, dass etwa VW-Konzernchef Herbert Diess auf der IAA davon spricht, „dass die Autokonjunktur wirklich eine Herausforderung ist“. Produktion und Export haben sich für die deutschen Hersteller in diesem Jahr extrem rückläufig entwickelt, die Auslastung der heimischen Pkw-Werke geht weiter zurück.

Das belegt auch die jüngste vom Verband der Automobilindustrie (VDA) veröffentlichte Monatsstatistik für August. Seit Januar sind in Deutschland knapp 3,2 Millionen Pkws in den Autowerken vom Band gelaufen, was einem Rückgang von elf Prozent entspricht. Schwächer entwickelte sich besonders der Export: Im August wurden 234.300 Fahrzeuge an Kunden in aller Welt ausgeliefert, ein Minus von sechs Prozent. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden aus Fabriken in Deutschland 2,4 Millionen Pkws exportiert, 14 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Mehr: Eine Million Ladesäulen bis 2030? Deutlich zu viel, meint die Energiebranche. Technische Weiterentwicklungen würden bei der Planung nicht berücksichtigt.

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