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Die Autoindustrie von morgen
Bosch-Entwurf für ein autonomes Shuttle

Der Zulieferer sieht großes Potenzial auf dem Markt.

(Foto: Bosch)

Bosch, ZF, Conti Die deutschen Autozulieferer wagen den Tabubruch

Bei der Mobilität der Zukunft sind Bosch, ZF und Conti auf dem Weg, zu Rivalen ihrer bisherigen Großkunden zu werden. Es geht um einen Milliardenmarkt.
11.12.2018 - 17:58 Uhr 5 Kommentare

Stuttgart Das piefige Ex-Gebäude des Energieversorgers EnBW in Ludwigsburg stammt noch aus einer anderen Zeit. Es schaut mit seinen postmodernen Chromverzierungen so gar nicht nach der künftigen Bleibe von über 600 hippen Boschlern der nächsten Generation aus.

Die Jungstars ziehen noch in diesem Monat ein und sollen es künftig mit Uber, Didi, Google und Co. aufnehmen. Platz ist in Stuttgart rar. Da muss selbst Bosch Abstriche bei der Location machen. „Uns kommt es auf Tempo an und darauf, möglichst schnell viele Mitarbeiter der Connected-Mobility-Solutions-Einheit an einem Ort zusammenzubringen“, sagt Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn.

Der 54-Jährige ist in der Konzernführung für eines der heißesten Zukunftsprojekte von Bosch zuständig. Es geht um den Verkehr der Zukunft und die enge Verzahnung smarter Technologien wie Mobilitätsdienste, Fernwartung oder autonome Fahrfunktionen.

Und am Ende wird es in dem Milliardengeschäft darum gehen, wer die Smartcitys wie Singapur, Dubai oder auch London mit fahrerlosen Mitfahrsystemen bestückt. Auf der einen Seite formieren sich die Internetkonzerne wie Uber, Didi, Google, die bereits riesige Mobilitätsplattformen aufbauen.

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    Auf der anderen Seite stehen die großen Autohersteller wie Daimler, BMW, VW. Und nun kommen die Zulieferkonzerne wie Bosch, Continental oder ZF ins Spiel. Die beherrschen vom Elektromotor über die Sensoren bis zum Datenmanagement alles, was man für das Geschäft braucht.

    Wie ernst es Bosch meint, wird sich auf der weltgrößten Elektronikmesse CES in Las Vegas Anfang Januar zeigen. Da präsentieren die Schwaben einen kompletten eigenen Shut‧tle, der nicht nur demonstriert, wie eines Tages mal ein führerloses Taxi aussehen wird, sondern auch, was Bosch jetzt schon kann.

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    „Wir wollen der Welt zeigen, dass wir vom Sensor, den Komponenten und Systemen bis zur Software und den ‧Serviceplattformen ein wirkliches Systemverständnis haben und auch alles anbieten können“, sagt Heyn. Bosch sieht sich als Garant dafür, dass die Systeme halten, was sie versprechen.

    Übersetzt heißt das: Die Schwaben arbeiten in diesem Feld am Tabubruch, ihren Kunden Konkurrenz zu machen. „Das ist ganz klar ein Angriff auf die Autobauer“, bestätigt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Car Management in Bergisch Gladbach.

    Der Vorteil der Zulieferer: Bei den Transportsystemen der Zukunft kommt es nicht mehr auf Pferdestärken und Design an, sondern ausschließlich auf verlässliche und bequeme Systeme. „Ob da ein Daimler-Stern oder ein BMW-Propeller draufsteht, wird nicht mehr so wichtig sein“, sagt Bratzel.

    „Bei diesen neuen Anbietern sind die Anteile der Zulieferer noch mal deutlich höher“, sagte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider kürzlich im Handelsblatt-Interview. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der Lieferanteil bei manchem Auftrag in Zukunft bei 100 Prozent liegen wird. Bosch jedenfalls traut sich zu, auch den kompletten Betrieb von Mitfahrdiensten zu übernehmen. Den Elektroroller-Sharingdienst „Coup“ in Berlin betreibt Bosch bereits in voller Eigenregie.

    Der Markt wächst mit einem deutlich zweistelligen Prozentsatz. Quelle: Robert Bosch GmbH
    Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn

    Der Markt wächst mit einem deutlich zweistelligen Prozentsatz.

    (Foto: Robert Bosch GmbH)

    Offiziell übt man sich in Vorsicht. „Wir wollen kein Autobauer werden“, beteuert Heyn noch in der üblichen Zurückhaltung. Doch die Grenzen werden in Zukunft fließend sein. Ordert künftig eine Megacity ein Mitfahrsystem, dann kann der Zulieferer federführend sein.

    Einen Partner zu finden, der Blech, Kunststoff und Fahrwerk liefert, wird schon bald einfacher sein. Die aufkommende Elektromobilität senkt die Eintrittshürden im Autogeschäft, da ein Stromauto wesentlich weniger Teile hat als heutige Fahrzeuge.

    Das hat nicht nur Bosch erkannt. Auch Continental arbeitet an fahrerlosen Shuttles. Die deutsche Nummer drei der Zulieferer, ZF in Friedrichshafen, hat ähnliche Ambitionen. ZF baut zusammen mit dem Aachener Start-up e.Go Mobile ein in der Endstufe fahrerloses Transportsystem. „Der e.Go Mover ist das erste serienreife Fahrzeug mit ZF-Systemen, um ein automatisch fahrendes Mobilitätskonzept für Städte zu ermöglichen“, sagt ZF-Chef Scheider.

    London gibt Bosch alle Verkehrsdaten

    Der „People und Cargo Mover“ soll den städtischen Mobilitätsbedarf der Zukunft decken. Zum Start ist eine Jahresproduktion in fünfstelliger Größenordnung vorgesehen. ZF liefert das elektrische Antriebssystem, die Lenkung und Bremsen ebenso wie die automatisierten Fahrfunktionen – und mit dem Zentralrechner auch das Gehirn des Robotertaxis.

    Und ZF nutzt einen Heimvorteil: Friedrichshafen als Eigentümer des Unternehmens hat eine Teststrecke mitten durch die Stadt genehmigt. Die Praxistests im Verkehr beginnen nächstes Jahr.

    Aber vor allem Bosch scheint den Ton großer öffentlicher Auftraggeber gut zu treffen. London Transport zählt zu den Auftraggebern. „Ich möchte, dass London die smarteste City der Welt wird, und die Kooperation mit Bosch ist ein weiterer Schritt, diesen Anspruch auch umzusetzen“, würdigte Londons Bürgermeister Sadiq Khan Mitte November die Dienste der Schwaben.

    Der Clou an der Sache: Bosch bekommt die kompletten Verkehrsdaten zur Verfügung gestellt, unter anderem von 700 Apps, die bereits von 42 Prozent der Londoner genutzt werden. Denn ebenso wichtig wie die Hardware sind die Daten der Verkehrsströme, um für die jeweilige Großstadt maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Bosch hat dafür ein eigenes Lab mit Beteiligung von Start-ups gegründet.

    „Bei solchen Projekten wie in London gewinnen wir viel Erfahrung im Umgang mit großen Mengen echter Verkehrsdaten. Diese Erfahrung können wir auch in anderen Projekten einsetzen“, sagt Heyn. Und das könnte schon schnell der Fall sein. „Es gibt einige aktuelle Ausschreibungen, bei denen wir gute Aussichten auf den Zuschlag haben. Es könnte bald in Asien eine weitere Metropole hinzukommen“, verrät Heyn.

    Es sind nicht nur Städte, die solche Fahrzeuge für Personentransport nachfragen, auch Post-, Paket- und Lieferdienste kommen als Auftraggeber in Betracht. „Neue Kunden wie die Post werden überall auf der Welt folgen“, sagt Autoexperte Bratzel. Die Transportanbieter bekommen von den Zulieferern Systeme „made in Germany“ – ohne den üblichen Aufpreis, den die Autohersteller für ihre Marke verlangen.

    Da Geschwindigkeit eine große Rolle spielt, hat Bosch für die Mitarbeiter der neuen Einheit in Ludwigsburg sogar einen eigenen Tarifvertrag mit der IG Metall geschlossen, der auf den schönen Namen „Innovations-Tarifvertrag“ lautet. Beide Seiten sind dabei über ihren Schatten gesprungen.

    Nachfrage dürfte rasant steigen

    Bosch verzichtet auf eine Ausgliederung in ein außertarifliches Unternehmen – eine vielfach von Großunternehmen angewandte Praxis, wenn es um Digitalprojekte geht. Dafür bekommt Bosch ein System mit sehr flexiblem Arbeitszeitmodell.

    Aber auch für die Gewerkschaft ist das nicht ohne Risiko. Wenn das Beispiel Schule macht, fürchten so manche Gewerkschafter die schleichende Aushöhlung von Tarifverträgen. Boschs neuer Teilbereich „Connected Mobility Solutions“ ist ein Beispiel dafür, wie Unternehmen in Deutschland neue Wege gehen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

    Und es geht um viel: So gehen die Experten von Roland Berger davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach Spezialfahrzeugen für Mobilitätsdienstleister bis 2020 auf rund eine Million Stück steigen wird. Bis zum Jahr 2025 dürfte sie sogar bei 2,5 Millionen Neuwagen liegen.

    „Treiber ist hier vor allem China mit mindestens 60 Prozent Marktanteil, aber auch in Europa und den USA wird der Markt für solche Fahrmodelle weiter zunehmen“, prognostiziert Jan-Philipp Hasenberg, Partner von Roland Berger. „Das ist ein wichtiger Wachstumsmarkt, den kein Hersteller ignorieren kann.“ Und darf.

    Die Berater von Boston Consulting rechnen mit gewaltigen Investitionen in der Branche von 1,8 Billionen Dollar, die erforderlich sind, um die für das Jahr 2035 erwartete Flotte von 72 Millionen selbstfahrenden Taxis zu finanzieren. Das Rennen um die Fleischtöpfe beginnt jetzt.

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    5 Kommentare zu "Bosch, ZF, Conti: Die deutschen Autozulieferer wagen den Tabubruch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ist mal eine gute Nachricht ,denn die E-Mobilität ist nicht mehr aufzuhalten weil sie das autonome fahren ermöglichen wird .Das Aachener Srart-up e-go Mobile geht mit dem kleinen City Car im März 2019 in den Verkauf und der E-Moover ein Kleinbus für die Stadt ist serienreif . Alle E-mobile sind beim Ausbau der Endstufe autonom zu benutzen . Es wird also die zeit kommen und die ist nicht mehr fern wo sie per Handy ihr Fahrzeug ohne Fahrer vor der Tür stehen haben und nur noch Ihr Ziel eingeben.
      wünsche Bosch ,ZF , Continental und den Entwicklern bei der RWTH Aachen gutes Gelingen

    • Als Teslafahrer seit 4 Jahren habe ich meinem früheren Phaetonverkäufer bei VW gesagt, der Inhaber des Autohauses möge sich Gedanken machen,, was er in 10 Jahren mit seinem Betriebsgelände anstellt.
      Damals erntete ich noch Gelächter....es sind noch 6 Jahre..Die Konzeption von Bosch und der anderen Ist schlüssig, zukunftsorientiert und eine Sicherung des Arbeitsplatzstandortes Deutschland; weiter so, schneller so.

    • Ohne den legendaeren, groessten noch lebenden "Chairman Emeritus" einer der groessten europaeischen Auto-Konzerne bemuehen zu wollen: "Die Automobil-Zulieferer machen heute 80% der relevanten Kompetenzen in einem modernen Autombil aus: vom Antrieb / Powertrain, Bremsen, Batterien bis zum Reifen."

      Welche Rolle spielen die grossen Konzern noch? System-Integratoren, Marketing.... Und sie stellen sich in der Abteilung "Oeffentlichkeitsarbeit" (Thema: DIESEL-Skandal) ein gnadenlos schlechtes Zeugnis aus!

      Was muss die Schlussfolgerung eines deutschen Automobil-Zulieferers sein (ie. Bosch, ZF, Schaeffler / Continental, ...) Will man sich tatsaechlich als Top-Unternehmen von den Problemen der Ingegratoren herunterbringen lassen? Oder muss man sein Glueck nicht vielmehr in die eigene Hand nehmen?

      Ich persoenlich meine: letzteres! Viel Erfolg in Las Vegas!!! Toi toi toi...

    • Sehr guter Ansatz...sich fahren lassen anstatt selber zu fahren...und das ökologisch optimiert...wozu noch ein eigenes Auto...zumindest, wenn man in der Stadt wohnt.

    • Ich wollte schon immer mal einen "Bosch" fahren???? NEEE eigentlich nicht!

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