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Die Autoindustrie von morgen

Dieter Zetsche „Wir müssen Autos entwickeln, die scharf sind“

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auf dem Auto-Gipfel 2017 mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart über den Umbruch zur E-Mobilität in einer Zeit politischer Unsicherheit gesprochen.
25.10.2017 - 18:15 Uhr 1 Kommentar

Das komplette Interview mit Daimler-Chef Zetsche

Für Dieter Zetsche ist der Handelsblatt Auto-Gipfel ein Heimspiel, denn das Treffen findet in diesem Jahr bei Daimler statt. Im Kundencenter in Sindelfingen, in dem die Käufer normalerweise ihre Neuwagen abholen, spricht der Daimler-Chef vor dem Who’s who der Autobranche über die Zukunft des Autos – und über die Probleme der jüngeren Vergangenheit.

Herr Zetsche, lassen Sie uns mit dem großen Bild beginnen. Der protektionistische Kurs der USA, die Konflikte in Nordkorea und im Südchinesisches Meer sind nur einige der aktuellen geopolitischen Spannungen. Ist die Zukunft für einen Konzern wie Daimler noch planbar?
Wir hatten gerade unseren Chefökonomen in der Vorstandssitzung. Alle seine Indikatoren zeigten in einer ganz seltenen Homogenität in eine Richtung. In der Weltkonjunktur sieht er wirtschaftlich fast keine Wolken. Aber politisch können wir fast nicht mehr durch die Wolken blicken. Da scheinen sich zwei Dinge tendenziell entkoppelt zu haben.

Aber doch nicht auf Dauer, oder?
Es ist ganz klar, dass die Politik einen massiven Einfluss auf die Wirtschaft haben könnte. Deshalb gilt mehr denn je, dass wir uns flexibel aufstellen müssen, um extrem schnell agieren zu können. Wir müssen schnell eigene Antworten finden, wenn schon nichts mehr planbar ist.

Wie machen Sie das konkret? Arbeiten Sie für bestimmte Szenarien mit einem Plan B, beispielsweise wenn die USA Einfuhrzölle auf deutsche Autos erheben würden?
Natürlich arbeiten wir mit Szenarien, wir haben da mehr als einen Plan B. Natürlich testen wir beispielsweise, was bei einem Konjunktureinbruch passiert. Aber ob und wann er kommt, wissen wir nicht.

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    In der Nacht vor dem letztjährigen Auto-Gipfel wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Sie waren damals wie andere beklommen, aber optimistisch. Die Hoffnung war, dass das Amt den Präsidenten mehr formt als der Präsident das Amt. Wie ist Ihr Gefühl heute?
    Die Beklommenheit ist nicht gewichen. Da gibt es ein großes Maß an Unsicherheit. Wir müssen weiter versuchen, positiven Einfluss zu nehmen. Da wir aber nicht auf alles Einfluss nehmen können, müssen wir unter den bestehenden Randbedingungen bestmöglich agieren. Bisher spüren wir zwar keine negativen Auswirkungen auf unser Geschäft. Aber obwohl ich grundsätzlich ein unverbesserlicher Optimist bin, bleibt ein Risiko.

    In Berlin verhandeln Union, FDP und Grüne über eine Koalition. Was haben Sie für Erwartungen an solch ein Jamaika-Bündnis? Oder hegen Sie eher Befürchtungen?
    Die Befürchtung wäre, dass sich da drei oder vier Spieler auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Das könnte zu wenig Bewegung führen. In dieser sich schnell verändernden Zeit braucht unser Unternehmen Veränderungen und Entwicklung – Stillstand ist Rückschritt. Das gilt auch für das gesamte Land. Zukunftsthemen wie Infrastruktur und Digitalisierung müssen Eingang in diese Verhandlungen finden ...

    Visionen für die Zukunft
    Handelsblatt Auto-Gipfel 2017
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    Der Handelsblatt Auto-Gipfel ist in diesem Jahr zu Gast bei Mercedes. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart kündigte einen intensiven Austausch über entscheidende Zukunftsthemen wie Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Konzernstrukturen an. Daimler-Chef Dieter Zetsche begrüßte die 650 Gäste des Auto-Gipfels am Mittwoch nur kurz. Er hatte bereits am Vorabend seinen großen Auftritt beim Kaminabend im Mercedes-Museum in Stuttgart.

    Gipfel im Kundencenter
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    Der Autogipfel ist in diesem Jahr im Mercedes Kundencenter in Sindelfingen zu Gast, in dem Kunden normalerweise ihre Neuwagen in Empfang nehmen. Auch hier wird Fortschritt groß geschrieben. „Unsere Autos fahren bald autonom vom Band“, verriet Zetsche. Einen detailliertere Einblick lieferte Markus Schäfer. „Sindelfingen ist unsere Traumfabrik für Traumautos“, sagte der Mercedes-Benz Produktionschef. Schäfers Rede war untermalt mit Hollywood-Bildern, schließlich sind die neuesten Modelle derzeit und in naher Zukunft gleich in mehreren Spielfilmen zu sehen. Aber: „Unsere Mitarbeiter machen auch ohne Superkräfte einen heldenhaften Job.“

    VW zu Gast bei Mercedes
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    VW-Chef Matthias Müller freue sich, auch mal „Mercedes-Luft zu schnuppern“, die rieche ziemlich sauber – seine Art, Dankeschön für die Einladung zu sagen.

    VW-Chef Matthias Müller
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    Der Volkswagen-Chef gab sich zu Beginn seiner Rede demütig: „Bei Volkswagen wurden schwere Fehler gemacht. Dafür tragen wir die Konsequenzen und räumen das jetzt aus.“ Doch Müller blickt auch nach vorne: „Gleichzeitig – und auch das gehört zur Wahrheit – war die Krise der Startpunkt für eine grundlegende Neuausrichtung unseres Unternehmens.“

    Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart (r.) und Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) im Gespräch mit VW-Chef Matthias Müller
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    Es ärgere ihn, wenn der Eindruck erweckt werde, es fehle der Branche an Weitblick und Pragmatismus. „Und noch mehr ärgert es mich, wenn wir selbst dazu beigetragen haben“, so Müller. Auch eine Spitze gegen Tesla konnte Müller sich nicht verkneifen. „Der Durchbruch neuer Technologien kommt nicht von den Ankündigungsweltmeistern“, sagte er. „Ich mag Wettbewerb, aber teile romantische Verklärung von Tesla nicht.“

    Logo des Auto-Gipfels
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    Über den Umbau der urbanen Mobilität sprach am Mittwoch Steven Armstrong, Europa-Präsident von Ford. Und er zeichnete ein spannendes, mitunter aber auch verstörendes Bild. Highlight seines Vortrags war eine Demonstration mit VR-Brillen, die den Gästen des Auto-Gipfels einen Eindruck davon lieferte, wie wir in einigen Jahren wohl leben werden. Die Pizza wird dann autonom geliefert.

    Mercedes-Benz Automuseum
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    Der Handelsblatt Auto-Gipfel im Herbst gehört zu den Highlights der Branche. In diesem Jahr ist der Gipfel zu Gast bei Mercedes-Benz in Stuttgart.

    (Foto: Marc-Steffen Unger)

    ... also ausgerechnet diejenigen Themen, die im Wahlkampf keine Rolle gespielt haben. Glauben Sie, dass sich jetzt eine Koalition findet, die tatsächlich Zukunftsfragen nicht nur benennen, sondern lösen will?
    Bislang hat die Politik schon vieles richtig gemacht. Wir würden sonst nicht so gut dastehen, selbst wenn manche Dinge sich auf der Stelle drehen. Ich hoffe, dass wir eine Regierung bekommen, die in die Zukunft gerichtet ist und nicht in die Vergangenheit. Wir müssen die Chancen nutzen, die wir mit den gut ausgebildeten Menschen in diesem Land haben.

    Was für die Politik die Flüchtlingsfrage ist, ist für die Autoindustrie die Dieselfrage. Wie sehr hat sie der Autoindustrie geschadet?
    Es steht außer Zweifel, dass die vergangenen beiden Jahre der Autoindustrie geschadet haben. Natürlich haben wir als Industrie die Verantwortung für die Dinge, die nicht gut gelaufen sind. Wir haben auch schon einige Dinge getan, und es werden auch alle Dinge lückenlos aufgeklärt. Wir können uns aber nicht nur mit der Vergangenheit beschäftigen. Wir müssen an der Zukunft arbeiten. Sie hat ausreichend viele Herausforderungen, aber auch Chancen. Konkret: Es gibt den sauberen Diesel und die Zukunft des Diesels. Die könnten Sie heute schon in unserem Showroom kaufen – und auch bei anderen.

    Haben Sie bei der Aufklärung neue Dinge auch über interne Abläufe in Ihrer Firma gelernt?
    Wenn Sie sich eineinhalb Jahre intensiv mit so einem Thema beschäftigen, dann lernen Sie natürlich Neues. Wir haben daher vieles verändert. Das Thema technische Compliance ist bei Daimler noch viel stärker verankert, als das allemal schon der Fall war. In allen Verästelungen des Konzerns können wir daher mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass die Dinge im Interesse des Unternehmens gemacht werden.

    Losgelöst vom Dieselthema gibt es eine Untersuchung der Brüsseler Wettbewerbshüter. Ist die Kooperation unter den deutschen Autobauern tatsächlich sehr viel enger, also kartellähnlicher als früher? Oder hat sich lediglich die öffentliche Beleuchtung dieses Themas verändert?
    Wir sollten öffentliche Meinung von veröffentlichter Meinung unterscheiden. Auch wenn eine Publikation den größten Skandal seit dem Zweiten Weltkrieg ausgerufen hat, hat es noch keine Meinungsbildung gegeben, ob es sich lohnt, ein Verfahren zu diesem Thema zu eröffnen. Es ist also eine gewisse Diskrepanz vorhanden. Unabhängig davon ist klar, dass sich die Betrachtungsweisen ändern: Heute sind ganz namhafte Kartellspezialisten der Auffassung, dass in diesem Feld ein Kartell überhaupt nicht infrage kommt.

    „Wir müssen von Google und Apple lernen“
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    1 Kommentar zu "Dieter Zetsche: „Wir müssen Autos entwickeln, die scharf sind“"

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    • Von Google & Apple lernen?

      Geht es auch konkreter?

      Man holt sich die Leute vom MIT, Harvard & Co. Die weltweit die Besten anzieht und damit ein riesiges Potenzial für diese Firmen hat.

      Und was hat Europa oder Deutschland da gegenzusteuern, wenn die besten Exzellentunis auf den Plätzen sind.

      Im Sport wüsste man, wo man ansetzen könnte. Trainerwechsel!

      Laut den OECD-STUDIEN von McKinsey ist die Lehrerbildung mit -6 der schwächste Punkt in allen Bereichen dieser Studien.

      Und geht man in die Städte und in die Schulen wo weit über die Hälfte der Schüler von Migranten ist und deren Eltern weder die deutsche Sprache richtig verstehen oder sprechen können, braucht sich die Wirtschaft und auch die Politik in den nächsten Jahrzehnten nicht zu wundern, wenn der Anschluss in der Weltspitze verloren geht.

      Aber wird sind ja stolz auf unseren Sozialstaat. Nur der wird sich so in einen Sozialfall entwickeln, weil nicht gut qualifizierte 8 Millionen Nettosteuerzahler 82 Millionen ernähren können und auch wollen.




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