Die Autoindustrie von morgen

Elektroautos Die schwierige Jagd nach Kobalt

Kobalt ist eines der wichtigsten Elemente für Batterien von Elektroautos. Autobauer wie Volkswagen und BMW wollen langfristig die Versorgung mit dem Rohstoff sichern. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet.
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Auf den afrikanischen Staat entfallen etwa zwei Drittel der weltweiten Kobalt-Produktion. Quelle: Getty Images; Foto: Per-Anders Pettersson
Mutanda-Mine im Kongo

Auf den afrikanischen Staat entfallen etwa zwei Drittel der weltweiten Kobalt-Produktion.

(Foto: Getty Images; Foto: Per-Anders Pettersson)

London/FrankfurtVolkswagen verstärkt offenbar seine Anstrengungen, sich eine langfristige Versorgung mit Batterie-Metallen zu sichern. Die Rohstoffe sind ein wichtiges Element für die Elektroauto-Offensive des deutschen Konzerns.

Der Autohersteller lud in dieser Woche Produzenten und Händler von Kobalt – einem der Metalle mit der besten Wertentwicklung in diesem Jahr – zu Gesprächen an seinen Hauptsitz in Wolfsburg ein, wie Bloomberg aus unterrichteten Kreisen erfuhr. Doch einen Belieferungsvertrag für das unverzichtbare Batterieelement abzuschließen, könnte schwieriger sein als ursprünglich gedacht. Nach einer Kobalt-Ausschreibung im September habe der Konzern seine Anforderungen für Angebote zu einem vergünstigten Festpreis gelockert, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen.

Volkswagen führe „intensive Gespräche“ mit Produzenten von Rohstoffen für Elektrofahrzeuge, teilte das Unternehmen in einer E-Mail mit. Dabei gehe es auch um die Themen Transparenz, Compliance und Nachhaltigkeit in der Lieferkette.

Auch BMW erklärte, man spreche mit Lieferanten von Kobalt und anderen Materialien. Die Beschaffung sei die „wichtigste Frage“, um die der Autobauer sich kümmern müsse, bevor man eine Entscheidung über die eigene Produktion von Batterien fälle, sagte Vorstandsmitglied Oliver Zipse am Freitag. BMW will in seinem neuen Entwicklungszentrum für Batteriezellen Prototypen für einen leistungsstärkeren Elektroautoantrieb bauen.

Kobalt wurde traditionell zum Härten von Stahl verwendet, doch seine elektrische Leitfähigkeit hat das Metall zu einem wesentlichen Bestandteil von wiederaufladbaren Batterien gemacht. Das führt nun zu einem Wettlauf um die Vorräte, die zumeist in der Demokratischen Republik Kongo liegen.

So weit kommen Elektroautos mit einer Akkuladung
Elektroautos
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In Deutschland gibt es immer mehr Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. In knapp 1000 Städten und Gemeinden finden sich mittlerweile öffentlich zugängliche Ladepunkte. Es sollen noch mehr werden. Bei den Reichweiten, die die aktuellen Modelle mit einer Akkuladung packen, ist das auch notwendig. Mit welchen Elektroautos Sie am weitesten kommen.

Anmerkung: Damit die Werte vergleichbar sind, werden hier die Reichweiten mit Normverbrauch angegeben. Die reale Reichweite liegt in der Regel darunter.

Platz 10: Nissan Leaf (2016)
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Kam die erste Version des Nissan Leaf im Jahr 2010 gerade einmal 160 Kilometer weit, sind es bei einem Leaf des Jahrgangs 2016 immerhin 250 Kilometer. Bis zum Ende seiner Bauzeit hat Nissan das Akkupaket immer wieder an die neuen Entwicklungen angepasst. Zuletzt lag die Kapazität bei 30 Kilowattstunden (kWh). Der Nachfolger, der Anfang 2018 auf den Markt kommt, reiht sich deutlich weiter vorne ein.

Platz 9: Hyundai Ioniq Electric
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Mit dem Ioniq setzt Hyundai auf das Konzept eines leichten Elektroautos mit kleiner Batterie: Das Akkupaket ist mit 28 kWh das kleinste in den Top Ten. Das reicht bei 120 PS für eine Normreichweite von 280 Kilometern. Die Konkurrenz auf Platz 8 bietet kaum mehr Reichweite, braucht aber dazu einen größeren Akku.

Platz 8: VW e-Golf
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Mit seinem neuen Akku (35,8 kWh) schafft es auch die aktuellste Ausgabe des e-Golf auf 300 Kilometer nach NEFZ. Der Elektro-Golf ist damit im alltagstauglichen Bereich angekommen – und die Wahl für jene Autofahrer, die auf gewohnten Komfort und Ausstattung eines Golf nicht verzichten oder die futuristischen Karosserien eines BMW i3 nicht haben wollen.

Platz 7: BMW i3
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Als der i3 auf den Markt kam, bot er eine Reichweite von 190 Kilometern. Eine Modellpflege und neue Akku-Generation später ist die Kapazität des Stromspeichers auf 33,2 kWh gestiegen – und die Reichweite auf 300 Kilometer. Inzwischen gibt es auch einen sportlicheren i3s. Der bietet aber bei derselben Akku-Größe etwas mehr Leistung – und damit weniger Reichweite.

Platz 6: Tesla Model 3
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Die ersten Fahrzeuge sind ausgeliefert, doch es hakt bei der Produktion des Model 3. Aber darauf kommt es in diesem Ranking nicht an, hier zählt nur die Reichweite. Bei der Standardvariante sind es 220 Meilen, also rund 345 Kilometer. Interessant: Während beim Model S und Model X sich die Modellbezeichnungen auf die Größe des Akkus beziehen (Model S 70 hat 70 kWh), wird diese Benennung beim Model 3 abgeschafft und durch eine „verständlichere“ Unterscheidung ersetzen. Sprich: Neben dem Model 3 mit ungefähr 50 kWh wird es noch ein Model 3 „Long Range“ geben, dessen 75-kWh-Akku für 500 Kilometer reichen soll.

Platz 5: Nissan Leaf (2018)
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Während die meisten Autobauer noch an ihren Elektro-Offensiven basteln, bringt Nissan bereits die zweite Generation des Leaf auf den Markt. In Europa startet der Wagen Anfang 2018. In seine Entwicklung sind die Erfahrungen aus sieben Jahren Bauzeit und mehreren Millionen elektrisch gefahrenen Kilometern eingeflossen. Ein Feedback der Kunden: Wir wollen nicht unendlich viel Reichweite, sondern lieber ein günstigeres Auto. Deshalb hat Nissan den Akku nur moderat von 30 auf 40 Kilowattstunden vergrößert. Das ermöglicht dem auf 150 PS erstarkten Leaf eine theoretische Reichweite von 378 Kilometern. Später kommt noch der Leaf E-Plus mit größerer Batterie und 220 PS – und vor allem 500 Kilometern Reichweite. Dann lockt sogar Platz 4.

Die langfristige Sicherung der Versorgung ist für Volkswagen entscheidend, weil die Wolfsburger in den nächsten fünf Jahren mehr als 34 Milliarden Euro in einen breiteren Vorstoß für batteriebetriebene Fahrzeuge und autonomes Fahren investieren wollen.

Der Elektroauto-Boom könnte dazu führen, dass die Kobalt-Nachfrage bis 2030 um das bis zu 47-fache ansteigt, schätzt Bloomberg New Energy Finance. Das Metall hat sich in diesem Jahr an der London Metal Exchange um 86 Prozent auf 61.000 Dollar je Tonne verteuert.

Tech-Firmen wollen Autohersteller ins Boot holen
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1 Kommentar zu "Elektroautos: Die schwierige Jagd nach Kobalt"

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  • Als Aktionär von Glencore, dem grössten Kobalt Förderer freut man sich grundsätzlich wenn dem Metall Kobalt ein Boom vorher gesagt wird.

    Aktuell wird Kobalt in der Regel als Beiprodukt bei einigen Minen bei der Kupfer- und Nickelförderung gewonnen. Daneben gibt es auch ein erhebliches Recycling (Umicore). Das Angebot ist demzufolge nicht sehr elastisch. Wenn die Kobaltpreise längere Zeit in der gegenwärtigen Höhe bleiben wird man bei weiteren Minen das mitgeförderte Kobalt abtrennen.

    Das Risiko für die Minengesellschaften liegt darin, dass diese langfristige Investitionen tätigen müssen, andererseits Elektromobile aktuell nicht wettbewerbsfähig sind, sondern auf einem ökoreligiösem Hype und entsprechenden staatlichen Subventionen beruhen. Dieser Hype kann auch verschwinden.

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