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Die Autoindustrie von morgen

Elektromobilität Japans Elektromotorenriese Nidec greift nach deutschen Mittelständlern

„Statt nur zu lernen, kaufen wir deutsche Firmen“: Nidec will mit dem Zukauf deutscher Unternehmen zum größten Motorenhersteller für E-Autos werden. Die Pläne der Japaner gehen aber noch weiter.
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Nicht nur für Autos, auch für Roboter will Nidec langfristig Motoren bauen. Quelle: Reuters
Nidec-CEO Shigenobu Nagamori

Nicht nur für Autos, auch für Roboter will Nidec langfristig Motoren bauen.

(Foto: Reuters)

Tokio Mitten in der schicken Lobby steht eine Baracke: ein rostender Stahlrahmen und Wände aus einfachen Platten. Was heute als Museumstück dient, war vor 45 Jahren der Ort, an dem Shigenobu Nagamori seine ersten elektrisch gesteuerten Motoren gebaut hat. Aus der „Garagenfirma“ ist Nidec geworden, der weltgrößte Präzisionsmotorenhersteller, der seit Jahrzehnten den Festplattenmarkt beherrscht. Nun sitzt er in der Top-Etage seines Hochhauses und denkt darüber nach, wie bedeutend Deutschland für seinen rasanten Aufstieg war.

Er habe „tiefen Respekt für Deutschland“, sagt Nagamori. Sein erster Arbeitgeber entsandte ihn Ende der 60er-Jahre für einige Zeit zu einem deutschen Unternehmen, da Deutschland damals führend bei Elektromotoren gewesen sei. Dort habe er viel gelernt, erinnert sich der 74-Jährige.

Aber seit er 1973 sein Unternehmen gründete, haben sich die Zeiten gewaltig geändert. Der Lehrling ist nun Meister. „Nun ist Nidec weit voraus“, meint Nagamori. „Statt nur zu lernen, kaufen wir nun deutsche Firmen.“

Tatsächlich plant Nagamori eine regelrechte Deutschlandoffensive. Ende März 2019 läuft das japanische Bilanzjahr aus und bis dahin will er 500 bis 600 Millionen Euro für insgesamt fünf mittelständische Unternehmen ausgeben. Eines davon hat sich bereits im September geoutet, der Getriebehersteller MS-Graessner GmbH & Co. KG in Baden-Württemberg.

„Aber danach wollen wir andere Segmente in der Automobilindustrie angehen, auch größere Unternehmen“, sagt Nagamori. Die ersten Verhandlungen würden schon laufen. Zusätzlich plant Nidec, eine deutsche Holdinggesellschaft für sein wachsendes Firmengeflecht zu gründen.

Die Deutschland-Offensive ist Teil von Nidecs ambitionierter Wachstumsstrategie. „Wir wollen in der Automobil- und Roboterindustrie wachsen“, erklärt Nagamori. Verglichen mit dem Rekordjahr 2017 will er den Umsatz bis 2020 um 40 Prozent auf umgerechnet 15,6 Milliarden Euro und die operative Gewinnmarge von 12 auf 15 Prozent erhöhen.

Sein Ziel für Elektromotoren für Autos und Roboter ist dabei noch höhergesteckt: „Wir werden die Nummer Eins in der Welt sein“, ist der Firmengründer überzeugt. Und die deutschen Unternehmen sollen ihm dabei helfen. Zuerst habe er sich bei seinen Firmenkäufen auf die USA konzentriert, dann auf andere Länder Europas. Nun ist für ihn Deutschland an der Reihe.

Die USA seien zwar in der IT führend, erklärt Nagamori. „Aber in der Mechanik und automobilen Technik ist Deutschland das stärkste Land“, so Nagamori. „Die Kombination deutscher und japanischer Technik kann einen echten Sprung nach vorn bedeuten.“

Am Markt kommen seine Ambitionen an, da er Vision mit Gewinnen paart. So lag Nidecs Marktwert Ende 2017 auf dem 14. Rang aller börsennotierten Firmen, noch vor weit größeren Konzernen wie dem Autobauer Nissan oder den Elektronikhersteller Panasonic. Dabei rangierte Nidec in der japanischen Verkaufsstatistik im Geschäftsjahr 2017 mit 11,6 Milliarden Euro nur auf dem 99. Platz.

Ein wichtiger Faktor für Nidecs guten Ruf bei den Anlegern ist Nagamori selbst. „Nagamori ist eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit in Japan“, erläutert Martin Schulz, Volkswirt am Fujitsu Research Institute in Tokio. „Besonders in seiner Investitionsstrategie unterscheidet er sich von der Masse.“

Nagamori setzt auf Firmenkäufe, um seinen Konzern zu stärken. Bereits 60 Unternehmen hat er gekauft, darunter Sanierungsfälle. „Und keines macht Verluste“, sagt der Gründer stolz. Und er fordert das Schicksal weiter heraus. „Wir kaufen jedes Jahr drei bis fünf Firmen und das Tempo könnte wachsen“, sagt der Konzernchef.

Aber im Gegensatz zu anderen japanischen Firmen übernimmt Nagamori nicht Unternehmen, die ihnen sofort Marktanteile oder Einnahmen bringen, erklärt Experte Schulz. „Nagamori kauft strategisch ein, um Innovationen in seinem Konzern voranzutreiben.“

So konzentriert Nagamori sich auf Firmen, deren Technik zu Nidecs Kernkompetenz passt und den Konzern vom reinen Motorenhersteller zum vollwertigen Systemlieferanten macht. Denn Nagamori will auf Augenhöhe mit Bosch oder Continental sein. Wegen seines guten Gespürs holte Masayoshi Son, der Gründer des weltgrößten Technikinvestors Softbank, den Senior sogar für mehrere Jahre in Softbanks Verwaltungsrat.

Nagamoris Pläne von einer Weltherrschaft bei Elektromotoren erscheinen vielleicht verwegen. Aber er schöpft seine Überzeugung aus seinen bisherigen Erfolgen: mit dem bürstenlosen Gleichstrommotor ist sein Unternehmen konstant und profitabel gewachsen.

Bei diesem Motortyp werden mechanische Kontakte durch eine elektronische Steuerung bei der Umpolung der Elektromagneten ersetzt. Das ermöglicht mehr Leistung bei gleichem Gewicht, schnelleren Umdrehungen, einer hochpräzisen Steuerung und geringeren Stromverbrauch. Und damit war die Technik ideal für ein neues Produkt, das sich anschickte, die Welt zu revolutionieren: Festplatten für Computer, deren Motoren laut Nagamori zu fast 90 Prozent von Nidec stammen.

Je kleiner Nidec die Motoren schrumpfte, desto größer wurde das Geschäft. Und Nagamori nutzte die hohe Gewinnmarge von etwa 40 Prozent im Festplattengeschäft, um in andere Bereiche zu expandieren. Inzwischen reicht das Portfolio von kleinen Motoren für Herzschrittmacher bis hin zu Stromgeneratoren in Windkraftanlagen. Außerdem stieg Nagamori 1995 mit Motoren für Servolenkung in die Automobilindustrie ein, um seine Firma für den Elektroautoboom zu positionieren.

Das Elektroauto ließ sich zwar mehr Zeit als Nagamori ursprünglich annahm. Aber mit der Dieselaffäre in Europa beschleunigt sich die Umstellung. Nagamori glaubt nicht wie Toyota und andere japanische Hersteller daran, dass Benziner und Hybride noch Jahrzehnte den Ton angeben werden. Stattdessen sagt er voraus, dass rein batterieelektrische Autos bereits 2030 einen Marktanteil von mehr als einem Drittel und 2040 von mehr als zwei Dritteln haben werden. „Hybride und Diesel werden verschwunden sein.“

Mit der Revolution der Antriebstechnik sieht er Nidec vor dem nächsten Sprung zum Systemlieferanten und größten umfassenden Motorenhersteller der Welt. Denn während viele Experten Akkus als Kerntechnologie und Motoren als Massenware ansehen, sieht er im Antrieb eine Schlüsseltechnologie.

Viele Autobauer würden mit dem Fokus auf Akkus den falschen Ansatz wählen, meint Nagamori. Denn wenn man den Stromkonsum des Motors halbiere, könne man die Reichweite von Elektroautos verdoppeln oder die Größe der Batterien halbieren.

Der Fokus auf Motoren hat für Nagamori noch einen weiteren Vorteil: Die Entwicklungszyklen sind weit kürzer als die von Batterien, Fortschritte daher schneller. Bei Festplatten wurden die Motoren alle drei Monate dünner. „Und wer wird das gleiche in der Automobilindustrie tun?” fragt der Patriarch rhetorisch, „Nidec. Daher wachsen wir.“

Für die Autohersteller bahnt sich damit allerdings eine Revolution an, warnt der Experte aus Japan. Die eigene Herstellung von Elektromotoren sei eine Sackgasse. Denn die Autohersteller sind weder so schnell in der Entwicklung wie spezialisierte Motorenhersteller, noch verfügen sie über die Skaleneffekte vom reinen Motorproduzenten, unkt Nagamori. „Wenn die Autohersteller zu sehr auf eine eigene Produktion von Motoren setzen, werden sie Wettbewerbsfähigkeit verlieren.“

Ein Unternehmen hat er schon von seiner Theorie überzeugt. In diesem Jahr gründeten Nidec und der französische Hersteller PSA bereits Gemeinschaftsunternehmen für Elektromotoren. „Aber der Deal ist nicht exklusiv, er wird einer von vielen sein“, prophezeit der Firmengründer. Bei den Details der Deals ist er flexibel. Die Firmen könnten Motoren oder ganze Antriebsstränge kaufen oder eigene Designs produzieren lassen, je nach Wunsch.

Doch es gibt ein Produktsegment, das den Nidec-Chef langfristig noch optimistischer stimmt: Roboter. „2050 wird es 30 Milliarden Roboter in der Welt geben, und jeder wird 500 bis 600 Motoren benötigen“, rechnet er vor. Nidecs Zukunft sieht Nagamori daher optimistisch. Und damit sein Unternehmen dieses Potenzial auch nachhaltig nutzen kann, hat er auch seine Nachfolge geregelt.

Von Nissan hat er vor Jahren den heute 51-jährigen Hiroyuki Yoshimoto geholt und dieses Jahr zu Nidecs Präsidenten ernannt. Doch ein Ziel hat er noch. „Jetzt will ich eine Weltklassefirma hinterlassen, die 100 Milliarden Dollar Umsatz macht“, stellt Nagamori fest. „Das ist die Größe, die Unternehmen in der heutigen Welt zum Überleben brauchen.“

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1 Kommentar zu "Elektromobilität: Japans Elektromotorenriese Nidec greift nach deutschen Mittelständlern"

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  • "So konzentriert Nagamori sich auf Firmen, deren Technik zu Nidecs Kernkompetenz passt und den Konzern vom reinen Motorenhersteller zum vollwertigen Systemlieferanten macht." Klar Kopieren ist einfacher als selbst Erfinden und Entwickeln, insofern wollen die Japaner Deutsche Ingenieurwissenschaft Aufkaufen.
    Allerdings bietet eine der revolutionärsten Entdeckungen für die Menschheit des 21.Jahrhunderts das grösste Potential an Emissionsfreier Energie. Neutrino-Energy wäre die Lösung die Energieversorgung für die mobile, dezentrale Haushaltsenergie und für die Elektromobilität. Dazu liegen spannende internationale Forschungsergebnisse und Patente der Berliner Neutrino Energy Group bereit. Beispielsweise saubere Elektromobilität mit einem ersten Kleinfahrzeug PI, das mit unendlicher Reichweite fahren kann, quasi aus der Luft Tanken würde, angetrieben von Tag und Nacht milliardenfach strömenden Neutrinos, welche emissionsfreie Energie abgeben, kann ein Meilenstein gesetzt werden. http://motorzeitung.de/news.php?newsid=455551 Diese Ingenieurswissenschaftlichen und mit dem Physik Nobelpreis 2015 gekrönte Beweis Führung der Energienutzungen von Neutrinos sollten auch Japanische und Deutsche Investoren überzeugen.