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Die Autoindustrie von morgen

Gastkommentar Deutsche Autobauer leisten viel, um die Luft in Städten zu verbessern

Die Autohersteller werden für schlechte Luft und Fahrverbote verantwortlich gemacht. Doch damit verkennt man ihre Bemühungen für nachhaltige Mobilität.
  • Bernhard Mattes
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Bernhard Mattes ist Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Quelle: picture alliance / Harry Schnitg
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Bernhard Mattes ist Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

(Foto: picture alliance / Harry Schnitg)

Das „Drehbuch“ liest sich spannend: Hier der „bad guy“, der für alles verantwortlich ist, für schlechte Luft und Fahrverbote. Dort, hilflos ausgeliefert, Politik, Gemeinden, Autofahrer. Nach Ansicht des Düsseldorfer Oberbürgermeisters hat uns die deutsche Automobilindustrie „die ganze Misere eingebrockt“.

Sein Patentrezept: Hardwarenachrüstung auf Kosten der Autoindustrie. Die Bundesregierung müsse nur noch die „gesetzlichen Voraussetzungen“ schaffen, damit Städte und Bürger wieder aufatmen könnten. Ist die Sache wirklich so einfach? Zweifel sind angebracht.

Weder ist die deutsche Automobilindustrie allein verantwortlich für die Überschreitung der Stickstoffdioxid(NO2)-Jahresgrenzwerte, noch wurden von allen deutschen Herstellern Fahrzeuge mit illegal hohen Abgaswerten auf die Straße gebracht. Fakt ist: Das Gros der Diesel-Pkws wurde ordnungsgemäß entwickelt und zugelassen.

Damals sah der Gesetzgeber für Euro-4- und Euro-5-Fahrzeuge Emissionsmessungen auf dem Rollenprüfstand vor. Auch die EU-Zulassungsbehörden gaben grünes Licht. Richtig ist auch: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat einige Fahrzeugmodelle wegen unzulässiger Softwarefunktionen zurückgerufen.

Diese Pkws werden beziehungsweise wurden nach KBA-Vorgaben nachgebessert und entsprechen den gesetzlichen Vorgaben. Seit Mitte der 1990er-Jahre galt EU-weit das Prüfverfahren NEFZ, bei dem Emissions- und Verbrauchsangaben nur im Labor ermittelt wurden, nicht auf der Straße.

Unterschiede zwischen Messwerten auf der Rolle und der Straße sind kein Beleg für Manipulation. Ein Grund dafür war eine unrealistische, überholte Labormessung. Das Umweltbundesamt veröffentlicht seit 20 Jahren Realemissionswerte (Real Drive Emissions, RDE).

Um verlässlichere Werte zu erhalten, wurde die Emissionsgesetzgebung ab 2012 weiterentwickelt, mit einem realitätsnäheren Rollenprüfstand und der EU-weiten Einführung von Straßenmessungen. Die deutsche Automobilindustrie hat all dies befürwortet und konstruktiv begleitet.

Der neue Prüfzyklus WLTP gilt seit September 2018 für alle Pkw-Neuzulassungen, die Verbrauchs- und Kohlendioxid(CO2)-Werte sind damit realitätsnäher. Die neue EU-Abgasnorm, die RDE umfasst, stellt sicher, dass Schadstoffemissionen auch auf der Straße sehr niedrig sind.

Die EU hat vor Jahren eine Luftqualitätsrichtlinie verabschiedet und den Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Außenluft festgelegt. Dieser wird noch in einigen Städten überschritten. Ob diese 40 Mikrogramm klinisch oder epidemiologisch basiert und in dieser Konzentration gesundheitsschädlich sind, darüber streiten heute noch Wissenschaftler.

Fakt ist: Ältere Diesel-Pkws – übrigens auch von Importmarken – sind eine Quelle für Stickoxidemissionen. Aber es gibt auch andere: alte Stadt- und Touristenbusse, Müllfahrzeuge, Schiffsverkehr, Industrie, Hausbrand. Laut Umweltbundesamt sind die NO2-Emissionen des Straßenverkehrs zwischen 1990 und 2015 um 70 Prozent gesunken, obwohl im gleichen Zeitraum der Verkehr um 50 Prozent zugenommen hat.

Was tun, um die Stickoxidemissionen rasch weiter zu senken? Kann Hardwarenachrüstung „die“ Lösung sein? Eher nicht. Sie dauert bis zur Serienreife etwa zwei Jahre und führt zu mehr CO2. Trotz dieser Vorbehalte: Einige deutsche Hersteller haben eine finanzielle Unterstützung bei Hardwarenachrüstung zugesagt.

Wirkungsvoller ist das Paket, das Automobilhersteller mit der Politik geschnürt haben: Flottenerneuerung ist der stärkste Hebel, er wirkt schnell. Ein neuer Diesel ist fast zehnmal sauberer als ein alter.

Deshalb setzen wir auf zielgerichtete Bestandserneuerung in besonders belasteten Städten. Dazu haben die Unternehmen Angebote mit Neuwagen und Gebrauchtwagen erarbeitet. Deutsche Hersteller bieten über 700 Modelle mit modernstem Abgasstandard Euro 6d-Temp an, der erst ab September 2019 obligatorisch wird.

Ergänzt wird dies um freiwillige Softwareupdates von Euro-5-Diesel-Pkws. Das senkt die NO2-Emissionen im Schnitt um 25 bis 30 Prozent. Diese Fahrzeuge sollten von einem Fahrverbot ausgenommen werden, sonst fragt sich der Kunde, warum er für ein Update in die Werkstatt sollte.

Die deutschen Hersteller beteiligen sich mit 250 Millionen Euro am Fonds der Bundesregierung für „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“. Das Maßnahmenpaket zeigt: Die deutschen Hersteller leisten einen erheblichen Beitrag, um die Luft in Städten rasch zu verbessern. Also doch eher „good guy“? Auf jeden Fall sollte das Drehbuch für die nächste Folge noch einmal gründlich überarbeitet werden.

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