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Die Autoindustrie von morgen

Greenpeace Studie macht Autobranche für neun Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich

Laut einer Greenpeace-Studie emittiert allein VW so viel CO2 wie ganz Australien. Ob es stimmt oder nicht – es befeuert Aktivisten, die am Sonntag die IAA lahmlegen wollen.
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Die zwölf größten Autokonzerne produzierten laut einer neuen Studie durch ihre Fertigung und mit den Emissionen ihrer Autos mehr CO2 als die gesamte Europäische Union. Quelle: dpa
Verkehr auf der Autobahn

Die zwölf größten Autokonzerne produzierten laut einer neuen Studie durch ihre Fertigung und mit den Emissionen ihrer Autos mehr CO2 als die gesamte Europäische Union.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es sind Zahlen, die es in sich haben. Und die wohl ganz bewusst von Greenpeace vor Beginn der Autoschau IAA in Frankfurt vorgestellt werden. Nach Berechnungen der Organisation stammten 2018 neun Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Autoindustrie. Der größte Emittent: Volkswagen – mit einem „CO2-Fußabdruck“ von 582 Millionen Tonnen. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von ganz Australien.

Mit den Daten, die Greenpeace am Dienstagmorgen vorstellen wird, soll vor allem eines belegt werden. Trotz entsprechender Bekenntnisse habe die Autoindustrie in den zurückliegenden Jahren nichts in Sachen Klimaschutz unternommen, so Greenpeace. „In der Werbung betonen sie, wie sehr sie sich um unser Wohlbefinden und unsere Sicherheit sorgen, speziell um das unserer Kinder. Ihre Geschäftsentscheidungen indessen erzählen eine komplett andere Geschichte“, heißt es in der Studie „Crashing the climate“. Die zwölf größten Autokonzerne produzierten durch ihre Fertigung und mit den Emissionen ihrer Autos mehr CO2 als die gesamte Europäische Union.

Die Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Klimaaktivisten. Das Bündnis „Aussteigen“ – zu dem auch Greenpeace gehört – und die beiden Partner Attac und „Sand im Getriebe“ wollen die Leistungsschau IAA am kommenden Wochenende mit zahlreichen Aktionen behindern.

Vor allem am Sonntag dürfte es zu schweren Störungen kommen. „Wir werden mit unseren Körpern die Zugänge blockieren“, kündigte Tina Velo, die Sprecherin von „Sand im Getriebe“, am Vormittag in Frankfurt an. Sie erwarte mehrere Hundert Teilnehmer, genug um die Zugänge dicht zu machen: „Besucher, die den großen Wunsch haben, sich die Autos anzuschauen, sollten vielleicht einen anderen Tag auswählen.“

Es ist das erste Mal, dass Klimaschützer eine Autoshow derart massiv angreifen. Und es ist deshalb für den IAA-Veranstalter – den Automobilverband VDA – und die Autobranche eine ganz neue Situation. Dort wächst die Sorge, dass getrieben durch die Aktivisten und die aktuelle Klimadebatte, der Individualverkehr insgesamt infrage gestellt wird. Tatsächlich reichen die Forderungen der Klimaschützer von der autofreien Stadt bis hin zur Teilentmachtung der Autoindustrie.

Dass die beiden Gruppierungen am Montag getrennt über ihre Pläne informierten, hat einen Grund. „Aussteigen“ steht für eher moderatere Proteste, „Sand im Getriebe“ und Attac setzen bewusst auf zivilen Ungehorsam. „Wir wollen eine radikale Verkehrswende von unten, mit deutlich weniger Autos. Dazu sind wir auch bereit, die Grenze des legalen Protests zu übertreten“, machte Velo deutlich, deren Name ein Pseudonym ist – zum Schutz vor tätlichen Angriffen, wie sie erklärt. Klar sei aber: Es werde keine Gewalt gegen Menschen und Gegenstände geben, auch nicht gegen Autos. „Das ist nicht unsere Aktionsform“, so Velo.

Regelkonformer, aber deshalb nicht weniger wirksam dürfte am Samstag die geplante Fahrrad-Sternfahrt sein. „Angemeldet haben sich 10.000 Teilnehmer. Wie viele kommen werden, hängt aber auch vom Wetter ab“, sagt Uwe Hiksch von der Organisation Naturfreunde. Die Wege nach Frankfurt führen auch über Bundesstraßen und die beiden Autobahnen A661 und A648.

Wut und Vertrauensverlust

Alle Gruppierungen vereinen zwei Dinge: den Frust und die Wut über die Autoindustrie und der Vertrauensverlust in die Politik. „Wir haben eine hochgradig kriminelle Autoindustrie und völlig unfähige Verkehrsminister, ein mafiös gestricktes Konglomerat“, wettert Velo. Dass diese Beteiligten freiwillig etwas ändern werden, daran glaubt keiner. „Die Autoindustrie versteht nichts von Verkehr und Mobilität“, sagt Ludger Koopmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC.

Weil sie die Autoindustrie nicht als Teil der notwendigen Verkehrswende sieht, weigerte sich Velo lange Zeit, überhaupt mit Vertretern der Branche zu sprechen. Am Montagabend tat sie es doch und diskutierte mit VW-Chef Herbert Diess. VW werbe mit einer E-Offensive, habe aber noch vor drei Jahren alle belogen und betrogen.

Auch wenn solche heftigen verbalen Attacken nicht bei jedem verfangen, rollt auf die Autoindustrie eine ernste Gefahr zu. Denn die Aktivisten sind alles andere als unstrukturierte „Chaoten“. Alles ist minutiös und professionell geplant. Etwa bei der Sternfahrt. Mithilfe von Informationstechnik habe man exakt ausgerechnet, wann die Fahrradgruppen welchen Ort erreichen, um neue Teilnehmer aufzunehmen, berichtet Werner Buthe vom ADFC und Koordinator der Sternfahrt am Rande der Pressekonferenz. Intensiv habe man die Fahrraddemonstration gemeinsam und in enger Abstimmung mit der Polizei geplant. Man ziehe da mit den Behörden an einem Strang. Das Ziel sei auch nicht, die Autofahrer zu behindern. „Wir wollen zeigen: Auch uns gibt es als Verkehrsteilnehmer beim Hochamt der Autoindustrie.“

Den Verbraucher nehmen die Aktivisten dagegen erstaunlich wenig in die Pflicht. Natürlich müsse es auch eine Verhaltensänderung der Konsumenten geben“, sagt Marion Tiemann, Sprecherin von Greenpeace, nicht zuletzt mit Blick auf die Sucht der Kunden nach schweren SUVs. Aber auf dem Land gebe es Menschen, die seien auf das Auto angewiesen. „Ich bin die Letzte, die denen sagst: Du darfst nicht mehr Auto fahren. Was wir wollen, ist Wahlfreiheit für diese Verbraucher beim Thema Mobilität.“ Dazu müssten öffentliche Verkehrsmittel ausgebaut werden. Und die Leitplanken dafür würden nun mal die Industrie und die Politik setzen, nicht die Konsumenten.

Mehr: Es drohte ungemütlich zu werden für den Autoboss. Und tatsächlich ging die Klima-Kämpferin Velo den VW-Chef hart an. Doch der zeigte sich abgebrüht und kritikerprobt.

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