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Die Autoindustrie von morgen

IAA Autohersteller kritisieren IAA – und stellen Konzept und Standort in Frage

Viele Konzerne haben ihr Engagement bei Deutschlands wichtigster Automesse bereits reduziert. Nun steht die IAA wohl vor radikaleren Umbrüchen.
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Der Münchener Autokonzern hat sein Engagement bereits drastisch reduziert und Fläche und Budget um fast zwei Drittel gekürzt. Quelle: Reuters
BMW-Konzeptauto auf der IAA

Der Münchener Autokonzern hat sein Engagement bereits drastisch reduziert und Fläche und Budget um fast zwei Drittel gekürzt.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die Leitmesse der Automobilindustrie, die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt, steht vor einem massiven Umbruch. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es eine wachsende Kritik der Hersteller sowohl am Konzept als auch am Veranstaltungsort der Autoshow. Nicht mehr zeitgemäß, zu teuer, nicht flexibel genug, so lautet der Vorwurf der Autohersteller.

Offensichtlich wurden bereits alternative Standorte angefragt. Noch Ende dieser Woche wollen Vertreter der Hersteller und des Automobilverbands VDA auf einer gemeinsamen Sitzung über die Zukunft des Branchentreffs beraten.

Der VDA ist Veranstalter der IAA, die alle zwei Jahre stattfindet. Seit 1951 ist Frankfurt Gastgeber der wichtigsten Automesse Europas, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag offiziell eröffnet wird. Doch schon vor dem Start der Publikumstage melden sich die Kritiker zu Wort.

„Es gibt keine Bestandsgarantie“, sagt BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter in Frankfurt. „Die Bedeutung von Automessen hat sich verändert. In Zukunft muss weniger das Produkt, sondern die Technologie im Mittelpunkt stehen“, fordert Peter. Und: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen.“

Der Münchener Autokonzern hat sein Engagement auf der IAA 2019 bereits drastisch reduziert und Fläche und Budget um fast zwei Drittel gekürzt. Ein Teil der Mittel steckte BMW in seine Hausmesse NextGen, die der Konzern im Juli zum ersten Mal in München ausrichtete.

So wie BMW geht es vielen Ausstellern. Alle großen Autokonzerne haben ihre Budgets für die diesjährige IAA zusammengestrichen. Daimler etwa hat seine Flächen um 30 Prozent eingedampft.

Zur Präsentation ihrer Neuheiten schaffen die Marken eigene Events. Porsche zum Beispiel führte seinen E-Supersportwagen Taycan wenige Tage vor der IAA im Osten der Republik auf einem ehemaligen russischen Militärflughafen vor. Nur Volkswagen nutzte die IAA zur Enthüllung des neuen Elektroautos ID.3.

Wichtige ausländische Vertreter wie Toyota und Fiat Chrysler haben sich ganz zurückgezogen. Wer durch die Messehallen wandert, merkt schnell: Die IAA schrumpft. Die Zahl der Aussteller ist in diesem Jahr um 20 Prozent auf rund 800 gesunken. Die Ausstellungsfläche reduzierte sich um 16 Prozent auf 168.000 Quadratmeter.

Der Brancheverband VDA versucht als Veranstalter bisher, mit moderaten Anpassungen gegenzusteuern. Die Messe soll sich von der reinen Produktshow zum Kongress, zu einer Plattform für den Austausch wandeln.

So gibt es für Fachbesucher eine Branchenkonferenz mit rund 200 Rednern. Oldtimer können besichtigt werden, auch werden Testfahrten mit allerlei Gerät angeboten – vom Geländefahrzeug über Elektroautos bis hin zu Elektrorollern. Alles das soll für Eventstimmung sorgen.

Olympia als Vorbild

Doch das reicht der Industrie nicht. Die Digitalisierung und der Wechsel zu Elektroantrieben verlangt aus Sicht der Hersteller neue Veranstaltungsformen, mehr Debatte und Dialog. Eine klassische Veranstaltung mit Messeständen empfinden die Automanager als nicht mehr zeitgemäß.

Im Kreis der Autohersteller wird bereits ein neues Konzept diskutiert: Wie bei den Olympischen Spielen oder der Bundesgartenschau könnten sich Städte oder Regionen künftig um die Austragung der neuen IAA bewerben. Sie stellen sich eine Art „Mobilitätsevent“, ein „Mobilitätshappening“ vor. Im Gegenzug würde dann gemeinsam in dieser Region investiert.

Nach Abschluss der Messe hätten die Städte etwas „Bleibendes“, etwa eine neue Mobilitätsinfrastruktur. Damit – so das Kalkül der Branche, könnte man das eigene gesellschaftliche Engagement besser betonen. Das könnte auch als Reaktion auf die massive Kritik, die der Branche derzeit entgegenschlägt, verstanden werden.

Für das kommende Wochenende hat ein breites Bündnis von Umweltschutzgruppen zu einer Großdemonstration vor der IAA aufgerufen. Sie fordern eine Verkehrswende und stoßen sich auch am wachsenden Anteil großer Geländewagen im Portfolio der Hersteller.

Das sind die zehn wichtigsten Neuheiten der IAA
VW
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Eines der wichtigsten Autos der Messe steht auf dem VW-Stand: der lang erwartete ID.3. Er nutzt als erstes Modell den neuen Elektro-Baukasten (MEB), auf dem zukünftig zahlreiche Konzernstromer aufbauen sollen. Die reine E-Architektur erlaubt einen schlanken Vorderwagen und damit jede Menge Platz im Innenraum; dabei ist der ID.3 mit 4,26 Metern nicht größer als ein Golf. Volkswagen bietet drei Akkugrößen an, mit 45-kWh-Batterie soll der ID.3 unter 30.000 Euro kosten. Die Reichweite liegt dann bei 330 Kilometern. Neben dem E-Antrieb glänzt der ID.3 durch seine umfangreiche Vernetzung und seine digitalen Features.

(Foto: vw)
BMW
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BMW zeigt in Frankfurt erstmals den neuen 1er einem breiten Publikum. Zwar bleibt der Münchener Kompakte den konventionellen Antrieben treu, doch haben die Ingenieure jetzt die schon lange angekündigte – und von eingefleischten Fans befürchtete – Umstellung von Heck- auf Frontantrieb vorgenommen. Dem dynamischen Fahrverhalten des mindestens 28.000 Euro teuren Einsers tut das aber keinen Abbruch, wie erste Tests bereits bewiesen haben.

(Foto: )
Opel
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Der Opel Corsa-e setzt wie sein Schwestermodell Peugeot 208-e auf einen Akku mit 50 Kilowattstunden Kapazität und kommt damit 330 Kilometer weit. Den Antrieb des Stromers übernimmt ein 100 kW/136 PS starker E-Motor. Optisch unterscheidet sich das E-Modell kaum von der ebenfalls neu aufgelegten Verbrenner-Generation und bleibt dem Opel-Design treu. Während der Benziner allerdings schon ab 14.000 Euro zu haben ist, muss man für den Corsa-e mehr als das Doppelte auf den Tisch legen.

(Foto: )
Honda
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Ebenfalls mit einem kleinen, aber nicht ganz billigen Stromer zur IAA gekommen ist Honda. Der Hersteller startet mit dem Honda e ins Elektrozeitalter. Gegenüber der Studie hat sich optisch nicht mehr viel verändert, der Kleinwagen behält die knuffige Retro-Optik mit Kulleraugen. Preislich gibt er sich mit rund 34.000 Euro allerdings recht selbstbewusst, vor allem, wenn man bedenkt, dass die 36-kWh-Batterie nur Strom für rund 200 Kilometer Reichweite bereitstellt.

(Foto: dpa)
Audi
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Auch Audi will in der Klasse der kleinsten SUVs mitspielen und legt den A1 Citycarver auf. Wie bei den Allroad-Modellen von A4 und A6 sorgen Plasteplanken für den robusten Look, auf Allradantrieb verzichten die Ingolstädter bei ihrem Kleinsten aber weiterhin. Die Motoren für den ab Herbst erhältlichen Softroader stammen aus dem A1, preislich dürfte der Offroad-Aufschlag bei rund 1500 Euro liegen.

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Ford
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Ebenfalls eine kleine Wiedergeburt feiert auch Ford: Der Name Puma tauchte vor Jahren schon einmal in Form eines kompakten Coupés auf, jetzt benennt der Hersteller sein neues, stylishes SUV nach der Raubkatze. Wie der optisch deutlich schlichtere Ford Ecosport baut auch der coupéhafte Puma auf dem Fiesta auf und spielt in der Klein-SUV-Liga mit, allerdings ist er mit mindestens 23.150 Euro deutlich teurer; günstigere Versionen sind nicht geplant – um den Abstand zum EcoSport, der weiterhin im Programm bleibt, zu wahren.

(Foto: )
Land Rover
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Neu interpretiert hat auch Land Rover seinen Klassiker, den Defender. Ab 2020 ist die Ikone wieder zu haben, allerdings hat sie optisch mit dem Original nicht mehr viel zu tun – sie erinnert eher an den Discovery. Außerdem ist der Neue deutlich geräumiger als sein Vorgänger: Der neue, über zwei Meter breite Defender kann auf Wunsch sogar mit einem dritten Platz in Reihe eins bestellt werden. Die Lang-Version kann es insgesamt mit sieben Personen aufnehmen. Motorenseitig setzt Land Rover auf Benziner und Diesel, zum Teil mit Elektrounterstützung oder auch als Plug-in-Hybrid; die Preise starten bei rund 50.000 Euro.

(Foto: Reuters)

Doch die Autohersteller sind nicht auf einer Linie mit dem Verband. So setzt der VDA nach Berichten von Insidern darauf, das bisherige Konzept weiterzuentwickeln. „Wir haben die IAA neu positioniert, entwickeln sie kontinuierlich weiter. Daran arbeiten wir gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen“, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes dem Handelsblatt. Der Verband ist wirtschaftlich auf die IAA angewiesen. Die Einnahmen aus den Standmieten füllen zum Teil die Kassen des VDA.

Auch die Messe Frankfurt, die das Gelände zur Verfügung stellt, hält von radikal neuen Formaten wenig. „Wir sehen eher eine evolutionäre Weiterentwicklung der IAA in Richtung Mobilitätsmesse als sinnvoll an. Und hier ist die IAA auf dem richtigen Weg“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Die Messe Frankfurt werde die IAA und die Branche mit allen Kräften dabei unterstützen, sich weiterzuentwickeln.

„Wir sind die führende Messegesellschaft in Deutschland mit über 100 Veranstaltungen“, warb der Sprecher für den Standort Frankfurt. Zudem habe man etwa mit der Automechanika und der Hypermotion große Kompetenz beim Thema Auto und Mobilität.

Auch die gute Verkehrsanbindung des Frankfurter Messegeländes wirft die Gesellschaft in die Waagschale. „Wir sehen einen Standortwechsel nicht als die richtige Antwort auf inhaltliche Veränderungswünsche.“

Digitalisierung verändert das Messegeschäft
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