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Die Autoindustrie von morgen

Klaus Rosenfeld Schaeffler-Chef: Zuliefererbranche kann sich „keine Fettpolster mehr leisten“

Der Autozulieferer musste gerade erst Kurzarbeit einführen. Klaus Rosenfeld sieht Schaeffler für die sich anbahnende Branchenkrise aber gerüstet.
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„Unsere Kernkompetenz ist Präzisionsmechanik.“ Quelle: Bloomberg
Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld

„Unsere Kernkompetenz ist Präzisionsmechanik.“

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Die Autoindustrie sieht schwere Probleme auf sich zukommen. Klaus Rosenfeld weigert sich jedoch, den Kopf in den Sand zu stecken. „Ich und auch unsere Gesellschafter sehen diese Veränderung und Transformation in der Automobilindustrie eher als eine Chance als ein Risiko“, sagte der Chef des Familienunternehmens Schaeffler am Dienstagabend vor dem Internationalen Club der Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Wie andere Autozulieferer spürt Schaeffler die Krise der Branche. Rosenfeld hätte Kurzarbeit gerne vermieden, musste sie aber kürzlich dann doch für den Bereich Sondermaschinenbau am Standort Frauenaurach einführen. Seit September wird dort weniger gearbeitet, vorerst bis auf weiteres.

Für Rosenfeld keine große Sache, die nicht überinterpretiert werden sollte. „Kurzarbeit ist ein völlig probates Mittel, um Unterauslastung auszugleichen. Es geht darum, den Cashflow zu sichern. Wenn ich die Möglichkeiten der Kurzarbeit nicht nutze, wäre das dumm“, sagte der Schaeffler-Chef

Der Konzern ist ein Feinmechanik-Spezialist und noch zu mehr als der Hälfte vom Verbrennungsmotor abhängig. Doch gerade in der Ausrichtung sieht Rosenfeld die große Chance für die Zukunft. „Unsere Kernkompetenz ist Präzisionsmechanik. Das ist eine Kompetenz, die wird nicht durch Waymo ersetzt“, ist sich der Schaeffler-Chef sicher. Auch die Chinesen könnten das nicht. Waymo ist die auf autonomes Fahren spezialisierte Schwester des Internetkonzerns Google.

Außerdem sei Schaeffler in allen Antriebsbereichen tätig: beim Verbrenner, bei reinen Elektroauto und auch in der Hybridtechnologie. „Wir besinnen uns heute darauf, dass es unsere Aufgabe ist, Teile und Komponenten zuzuliefern“, machte Rosenfeld klar.

Rosenfeld betonte, dass Schaeffler nicht nur ein Autozulieferer sei. „Uns ist das nie so richtig gelungen, darzustellen. Aber Schaeffler ist ein Automobilzulieferer und ein Industriezulieferer.“ Tatsächlich steuert das Industriegeschäft – lange Zeit ein Sorgenkind, von Rosenfeld aber erfolgreich auf Kurs gebracht - mittlerweile Margen von fast zwölf Prozent bei und ist für den Konzern eine wichtige Säule.

Stärkeres Portfoliomanagement

Richtig ist allerdings auch, dass eine operative Umsatzrendite von sieben bis acht Prozent, wie sie nun für das laufende Jahr angestrebt wird, weder Rosenfeld noch die Eigentümerfamilie auf Dauer zufrieden stellen dürfte. In früherer Zeit schaffte der Herzogenauracher Konzern auch schon konstant zweistellige Margen.

Für Rosenfeld hat auch deshalb das Thema Prognosesicherheit eine hohe Priorität. Nach mehreren Gewinnwarnungen spiegelt sich am Kapitalmarkt beziehungsweise im Aktienkurs ein signifikanter Vertrauensverlust wider. Prognosefähigkeit sei auch eine Kulturfrage, erklärte der Vorstandschef. „Wenn man über zehn bis 15 Jahre nur wächst, dann müssen auch die Kosten mitwachsen. Das Wachstum ändert sich schnell, die Kosten hat man länger an die Backe.“

Es habe in der Vergangenheit zu optimistische Einschätzungen in einigen Fachbereichen gegeben, räumte Rosenfeld ein. Auch die Vergütung spiele eine Rolle, wenn Fachbereiche ihre Erwartungen formulierten. „Und vielleicht war ich auch zu fordernd.“ Aber man werde besser werden.

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Eine Botschaft, die nicht zuletzt an den Kapitalmarkttag von Schaeffler an diesem Mittwoch gerichtet ist, an dem es laut Rosenfeld keine neue Prognose geben wird. Eine weitere Botschaft an die Anleger lautet: Schaeffler wird künftig ein stärkeres Portfoliomanagement betreiben als bisher.

Bisher habe man vor allem zugekauft, künftig werde man auch schauen, wo man vielleicht nicht mehr der Richtige für einen bestimmten Bereich sei, kündigte Rosenfeld an.

Finanziell sieht Rosenfeld Schaeffler auf der sicheren Seite. „Unsere Verschuldungsquoten sind heute akzeptabel.“ Dass sich eine Ratingagentur die Situation anschaue und für die Zukunft gewarnt habe, nehme er als Ex-Kreditmann sportlich. Auch gebe es keine Pläne, die Kapitalstruktur zu ändern. Er fühle sich mit der Familie Schaeffler als stabilen Familienaktionär sehr wohl. Auch ein Delisting von der Börse sei kein Thema.

„Sie können sich keine Fettpolster mehr leisten“

Gleichzeitig bestätigte Rosenfeld, dass Schaeffler vor großen Herausforderungen stehe. Um den Umbruch zu bewältigen, sind seiner Meinung nach zwei Dinge entscheidend: Innovationen und Effizienz. „Sie können sich in der Situation keine Fettpolster mehr leisten“, sagte er.

Die größte Herausforderung sei dabei: Diejenigen, die man für die Innovationen brauche, seien häufig die Falschen für die Effizienz. Auch gehe es um die Firmenkultur. „Wenn man in der Situation nicht bereit ist, Fehler zu machen, scheitert man am Ende an Selbstgefälligkeit.“

Nicht äußern wollte sich Rosenfeld dagegen zu der Entwicklung bei Continental, wo er Mitglied des Aufsichtsrates ist. Am Hannoveraner Zulieferer ist die Schaeffler-Holding der Familie mit 46 Prozent beteiligt, Conti ist also ein Schwesterunternehmen von Schaeffler.

Der zweitgrößte Automobilzulieferer hinter Bosch, hatte kürzlich angekündigt, neben einem Teilbörsengang seiner Antriebssparte Powertrain auch deren komplette Abspaltung und einen möglichen Börsengang in Erwägung zu ziehen. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die unsichere Autokonjunktur. Gleichzeitig wird weiterhin ein Teilbörsengang der in „Vitesco Technologies“ umbenannten Sparte geprüft.

Die erneute Planänderung hatte für Irritationen gesorgt. Denn anders als etwa beim ursprünglich geplanten Teilbörsengang bekommt Continental bei einer Abspaltung nichts von dem Emissionserlös. Bei dieser Konstruktion würde jeder Continental-Aktionär eine Vitesco-Aktie erhalten und kann dann selbst entscheiden, ob er sie behält oder veräußert.

Weil die Schaeffler-Familie aber 46 Prozent der Aktien besitzt, würde der Großaktionär auch ein großer Anteilseigner von Vitesco werden. Das hatte Spekulationen angeheizt, dass hinter der Idee einer Komplettabspaltung letztlich die Familie Schaeffer steckt.

Mehr: Die schwache Konjunktur und hohe Investitionen belasten die Autozulieferer stark. Daher sollten Steuern und Abgaben sinken, schlägt Continental-Chef Degenhart vor.

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