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Die Autoindustrie von morgen

Kommentar Wir müssen verhindern, dass das Auto zum Luxusgut wird

Die Rechnung für die Verkehrswende kommt. Aber noch ist unklar, wer die Kosten für saubere Mobilität bezahlt. China sollte uns eine Warnung sein.
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Die Autohersteller investieren fleißig in die neue Technik, ohne zu wissen, wie stark die Nachfrage sein wird. Quelle: dpa
Elektroautos

Die Autohersteller investieren fleißig in die neue Technik, ohne zu wissen, wie stark die Nachfrage sein wird.

(Foto: dpa)

In Frankreich brennen die Barrikaden. Seit Jahren schwelt in unserem Nachbarland der Frust über stagnierende Einkommen und hohe Abgaben. Mit dem Plan, die Preise für Benzin und Diesel anzuheben, um das Weltklima zu retten, hat die Regierung einen Aufstand entzündet. Nun werden die aus dem Kofferraum gezogenen gelben Warnwesten zum Symbol einer Protestbewegung, die für mehr Gerechtigkeit kämpft. Das Recht, günstig Auto fahren zu dürfen, steht für die Franzosen ganz oben.

In Deutschland sind wir weit von solchen Aufständen entfernt. Bei uns legen nicht wütende Bürger, sondern Verwaltungsrichter den Verkehr lahm, weil unsere Autos in den Städten mehr Stickoxide ausstoßen, als sie dürfen. Hierzulande diskutiert man leidenschaftlich über die Nachrüstung von Dieselmotoren und ein wenig über die Förderung von Elektroautos. Gern wird die Vision einer „Smart City“ bemüht, in der die Menschen mit Flugtaxen klimaneutral in ihre Büros schweben.

Schließlich will auch Deutschland die Pariser Klimaziele erreichen, die eine radikale Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen vorsehen. Hehre Ziele und große Visionen – doch eine Dimension fehlt: die gewaltigen Kosten, die auf die Mobilität der Menschen zukommen. Kann und wird Autofahren für weite Teile der Bevölkerung erschwinglich bleiben?

Bislang sind die finanziellen Belastungen der Verkehrswende ein Tabuthema in der deutschen Öffentlichkeit. Politik und Industrie gehen vor dem Zorn der Dieselbesitzer in Deckung; auf die Idee, neue Energiesteuern einzuführen, kommt niemand.

Dabei ist Deutschland dem Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens der Vereinten Nationen ebenso verpflichtet wie die Autoindustrie den Klimavorgaben der Europäischen Union. Mögen die UN-Klimaziele noch weit entfernt sein, die EU-Klimavorgaben für die Autoindustrie sind es nicht.

Die Hersteller stehen wegen der Ökowende vor milliardenschweren Investitionen und haben keine Ahnung, wie sich diese rentieren sollen. Es war der damalige VW-Chef Matthias Müller, der vor exakt einem Jahr das heiße Thema auf die Agenda setzte.

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Der Staat solle doch bitte die Dieselpreise erhöhen und mit den eingenommenen Milliarden die Elektromobilität fördern. So konsequent der Vorschlag auch war, so schnell war er wieder vom Tisch. Sowohl Müllers Kollegen als auch die Regierung Merkel kassierten die Idee postwendend.

Das Problem aber bleibt, und nun steht Müllers Nachfolger Herbert Diess unter Zugzwang. Volkswagen muss die EU-Vorgaben erfüllen, die ab 2021 einen Durchschnittsverbrauch von vier Litern vorsehen. Für das Jahr 2030 sollen es noch einmal 35 Prozent weniger sein.

Klimaschutz macht sich im Preis bemerkbar

Verbrennungsmotoren schaffen das nur noch mit angeschlossener Hybridtechnik und aufwendigen Filtern, um auch Stickoxide und Feinstäube zu eliminieren. Der neue VW-Passat, der Anfang des kommenden Jahrzehnts auf den Markt kommt, soll deshalb für den Kunden um 3.000 bis 5.000 Euro teurer werden, heißt es in Wolfsburg.

Langfristig helfen VW nur noch reine Elektroantriebe. Die erste Investitionsstufe sieht vor, in den kommenden fünf Jahren 44 Milliarden Euro in diese Technik zu stecken. Auch Daimler und BMW investieren jeweils zweistelligen Milliardenbeträge. Gleichzeitig bleiben die Renditeziele der Unternehmen anspruchsvoll. Ob die Kunden die Stromer wollen, weiß niemand. Sicher ist nur: Die Elektroautos müssen teurer werden als die heutigen Benzin- und Dieselmodelle.

Die soziale Selektion wirkt nicht nur über den Kaufpreis. Um den wachsenden Autoverkehr zurückzudrängen, verhängen weltweit immer mehr Städte Fahrbeschränkungen. Exemplarisch gilt das für China, den größten Automarkt der Welt.

Dort werden in den Metropolen die Nummernschilder für Autos verlost oder meistbietend versteigert. Eine Zulassung können sich nur die wenigsten leisten. In China sinken deshalb die Verkäufe preiswerter Autos, die Premiumhersteller hingegen legen weiter zu. Der private Autobesitz wird zum Luxus.

So weit sind wir in Deutschland noch nicht. Doch auch hierzulande werden die Städte schon bald entscheiden müssen, wer mit welchem Antrieb noch fahren darf. Wessen Diesel nicht fabrikneu ist, der könnte bald ausgesperrt werden.

Wer sich aber einen neuen, teuren Hybrid kauft, der könnte frei fahren. Schon bieten die Autohersteller Systeme an, die per GPS den Verbrennungsmotor abschalten, sobald das Auto in eine Umweltzone einfährt. Glücklich, wer sich dieses Privileg dann leisten kann.

Der Umbau des Verkehrssystems ist mit Blick auf den Klimawandel Pflicht. In Deutschland gibt es dafür kein Konzept, denn noch vernebelt uns die kleinteilige Dieseldiskussion die Sicht.

Doch dahinter nimmt ein gewaltiges Projekt Gestalt an, das uns das nächste Jahrzehnt beschäftigen wird. Es gilt, den Autoverkehr klimaneutral zu machen, ohne die Industrie zu ruinieren oder das Autofahren für weite Teile der Bevölkerung unerschwinglich zu machen.

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