Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Die Autoindustrie von morgen

Neue Studie von Continental Alle bauen Elektroautos – doch die Kunden bleiben skeptisch

Die Autobranche setzt ihre Hoffnungen in den Wechsel auf Elektroautos. Doch der Kunde zieht noch nicht mit, warnt eine Conti-Studie.
3 Kommentare
Ein E-Auto lädt an einer Ladesäule in einer Straßenlaterne: Autofahrer sind beim neuen Antrieb immer noch skeptisch. Quelle: dpa
Elektromobilität – Durchbruch noch nicht in Sicht

Ein E-Auto lädt an einer Ladesäule in einer Straßenlaterne: Autofahrer sind beim neuen Antrieb immer noch skeptisch.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Elektromobilität wird noch etwas länger brauchen, um sich bei den Autofahrern wirklich durchzusetzen. Denn sie halten lieber an Altbewährtem fest – und das sind im Moment noch die Verbrennungsmotoren, allen voran die Benziner.

Das ergibt sich aus einer neuen Mobilitätsstudie, die der hannoversche Automobilzulieferer Continental in Auftrag gegeben hat. Conti hatte dabei Autofahrer in Deutschland, den USA, in China und in Japan befragen lassen.

Eine überwältigende Mehrheit von mehr als 80 Prozent der Befragten in Deutschland und China, in den USA sogar von mehr als 90 Prozent, würde sich beim Kauf eines Neuwagens wieder für denselben Motorentyp entscheiden, der er im aktuell gefahrenen Wagen eingebaut ist. Eine etwas größere Wechselbereitschaft gibt es in Japan, wo sich zumindest knapp ein Viertel der von Continental Befragten vorstellen kann, einen anderen Motorentyp beim Neuwagenkauf zu bestellen.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Autofahrer in Sachen Wahl des Antriebs heute noch eher konservativ sind und auf Bewährtes setzen“, kommentierte Andreas Wolf, Präsident der Continental Division Powertrain (Antriebstechnik), die Umfrageergebnisse.

Wolf muss auf solche Umfragen sehr genau achten: Er soll die Powertrain-Sparte im kommenden Jahr als eigenständiges Unternehmen an die Börse führen. Die neue Gesellschaft, die sich ausschließlich auf Antriebstechnik konzentriert, darf nicht an den Kunden vorbeiproduzieren und zu früh auf einen Wechsel auf das Elektroauto setzen.

Continental ist mit seinen Prognosen zur Elektromobilität skeptischer als viele Konkurrenten. Noch vor einem Jahr sagte das Unternehmen voraus, dass Elektroautos selbst im Jahr 2025 nur einen Marktanteil von rund zehn Prozent haben werden.

Das verwundert nicht: ein großer Teil des Umsatzes von Zulieferers wird mit klassischer Verbrennertechnologie erwirtschaftet. Allein in der Antriebssparte sind 40.500 Mitarbeiter beschäftigt.

Conti-Manager Wolf macht für die Zurückhaltung in Sachen neuer Antriebe vor allem Reichweiten-Ängste verantwortlich. Aus Sicht von Continental dreht sich das Stimmungsbild allerdings langsam. „Wir sehen heute eine deutlich höhere Akzeptanz für alternative Antriebskonzepte für die kommenden Jahre“, betont der Chef der Conti-Powertrain-Sparte.

Voraussetzung für einen endgültigen Durchbruch sei jedoch, dass sich das Fahrzeugangebot verbreitere und dass die Rahmenbedingungen für Elektroautos attraktiver würden. Positiv würden sich beispielsweise die in Deutschland beschlossenen Steuervergünstigungen für E-Dienstfahrzeuge auswirken, betonte er.

Rund 30 Prozent der in Deutschland befragten Autofahrer sind mit einem Diesel unterwegs. Wiederum ein Drittel dieser Dieselfahrer kann sich den Wechsel zu einem anderen Motorentyp vorstellen, 17 Prozent haben das fest vor – wahrscheinlich auch ausgelöst durch die anhaltende Dieseldiskussion und wegen der Furcht vor neuen Fahrverboten, die von den Gerichten verordnet werden.

Im Rahmen der Continental-Studie ist in Deutschland noch intensiver nach der Dieselkrise gefragt worden. Dabei kam eine gemischte Sichtweise unter den Befragten heraus, wer letztlich die Verantwortung für die Dieselprobleme trägt: 50 Prozent sehen die Schuld ausschließlich bei der Automobilindustrie, 26 Prozent der Befragten schreiben der Politik die größten Fehler zu, elf Prozent sehen einen Mix aus verschiedenen Verursachern und sechs Prozent machen Umweltverbände verantwortlich. Die Jüngeren unter den Befragten (31 bis 45 Jahre) geben sogar zu 40 Prozent der Politik die Hauptverantwortung.

Autohersteller und Zulieferer müssen die Konsequenzen der Dieselzurückhaltung tragen: Von einstmals knapp 50 Prozent ist der Anteil des Diesels bei den Pkw-Neuzulassungen in Deutschland auf zuletzt gut 30 Prozent abgerutscht, wie aus der aktuellen Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) hervorgeht.

Vor allem Privatkunden haben vom Diesel Abschied genommen, nur in den großen Dienstwagen-Flotten der Unternehmen ist der Dieselanteil noch hoch. Die gesamte Autoindustrie musste sich auf diese Trendumkehr einstellen: In Deutschland werden heute deutlich mehr Benziner verkauft, vor allem eben bei Privatkunden.

„Es ist schade, dass die Dieseltechnologie so negativ gesehen wird, trotz ihrer vielen Vorteile“, sagte Conti-Präsident Wolf. Die neueste Dieselgeneration nach Euro-6d-Norm sei nicht nur unverändert sparsam und klimaschonend, sondern auch sauber. „Das sollte man in der hitzigen Dieseldebatte nicht vergessen“, ergänzte er.

In der Bundesrepublik gibt es im Unterschied zu anderen Ländern zudem eine gewisse Zurückhaltung bei anderen wesentlichen Veränderungen, die in den kommenden Jahren auf die Automobilbranche zukommen werden. Wie die Conti-Studie ergeben hat, stehen in Deutschland etwa 52 Prozent der Befragten der Einführung des Autonomen Fahrens positiv gegenüber – weil damit beispielsweise ein Rückgang der Unfallzahlen zu erwarten ist.

In China hingegen lag die Zustimmung mit 89 Prozent deutlich höher. „In der Volksrepublik dürfte sich das Autonome Fahren also früher als in Europa durchsetzen“, folgerte Rosa Meckseper, bei Continental verantwortlich für Innovation und Strategie.

Trotz langer Staus und häufig fehlender Parkplätze habe der Großteil der Autofahrer immer noch Spaß mit ihrem Wagen, heißt es ergänzend bei Continental. Allerdings: Bei jüngeren Menschen unter 30 lasse die Autonutzung zu einem gewissen Grad nach.

Gerade bei den Jüngeren sei mit einer langfristigen Änderung des Nutzerverhaltens zu rechnen: Es müsse nicht immer nur das eigene Auto sein. Künftige Generationen könnten sich auch mit Robotaxis und Ride-Sharing statt des eigenen Wagens zufriedengeben.

Für die Mobilitätsstudie von Continental hatte das Markt- und Sozialforschungsinstitut Infas im Auftrag des Automobilzulieferers Autofahrer repräsentativ in Deutschland, USA, Japan und China befragt. Darüber hinaus wurden Experten aus Wissenschaft und Automobilindustrie interviewt.

Startseite

Mehr zu: Neue Studie von Continental - Alle bauen Elektroautos – doch die Kunden bleiben skeptisch

3 Kommentare zu "Neue Studie von Continental: Alle bauen Elektroautos – doch die Kunden bleiben skeptisch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum soll ich als Privatmann der Feld-Tester sein? Dafür gibt es keinen Grund. Es gibt zwar schon vielversprechende Angebote, aber faktisch sind es doch wenige, die unter 40kEUR liegen.

  • Zum Totlachen. Wenns nicht so traurig wäre. Halten an Altbewährtem fest=Benziner

    Sie würden auch Diesel kaufen, aber wenn man nicht weiss, ob man ihn morgen noch fahren darf, investiert wohl kein Mensch und auch kein Unternehmen in solch ein Investitionsgut.
    Anbei vermisse ich Klagen gegen den Staat wegen der Enteignung von Millionen von Dieselbesitzern. Da müsste doch eigl mal ein Autokonzern eine Musterklage finanzieren

  • Ich bin nicht überzeugt davon, dass die Kunden zu "konservativ" sind um sich für ein Fahrzeug mit "modernem" Elektro-Antrieb zu entscheiden. Viel mehr glaibe ich, dass der Kunde intelligent genug ist zu entscheiden, dass ein Elektrofahrzeug in deiner Ökobilanz eher schlecht abschneidet, nicht die nötige Reichweite mitbringt und einen viel zu langen Aufladezyklus benötigt.
    Hätte man sich für einen Brennstoffzellen Antrieb entschieden wie in Japan wäre auch hier deutlich bessere Argumente, aber da steht ja die deutsche Energie.- bzw Autolobby vor.

Serviceangebote