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Die Autoindustrie von morgen

Premiere des ID.3 Volkswagen startet holprig in das Elektro-Zeitalter

Für VW bricht ein neues Zeitalter an – ohne Ferdinand Piëch, dafür mit Elektroautos. Der Auftakt überzeugte nicht ganz. Und an Tesla gibt es eine Absage.
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VW ID.3: Volkswagen startet holprig in das Elektro-Zeitalter Quelle: Reuters
VW-Chef Herbert Diess bei der Präsentation des ID.3

Mit dem Elektroauto will der Weltmarktführer den Umstieg vom Verbrenner auf Elektromobilität einleiten.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Irgendwann wurde es nicht nur Hans Michel Piëch zu lang. Inmitten der Vorstellung des VW-Elektroautos ID.3 am Montagabend zog sich der VW-Großaktionär und Aufsichtsrat aus der Menge zurück, sein Familientross folgte ihm. Im Saal wurde es spürbar leerer.

Auf der Bühne verkünstelte sich derweil Klaus Bischoff, oberster Designchef von Volkswagen. Anhand der Linien auf der Karosserie wollte er zeigen, was für ein freundlicher Wagen der ID.3 ist. Bald eine Stunde dauerte die Vorstellung, die von krachender Musik begleitet wurde.

Das Fahrzeug ist das wichtigste Modell für die Wolfsburger, mit ihm will der Weltmarktführer den Umstieg vom Verbrenner auf Elektromobilität einleiten. Entsprechend bedeutend war die Vorstellung am Montagabend auf dem Messestand der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt.

„Für die Marke Volkswagen ist der ID 3 der Auftakt einer großen Elektro-Offensive“, sagte VW-Chef Herbert Diess. Diese ziehe sich durch den gesamten Konzern. Die Tochterfirmen Porsche und Audi haben bereits ihre ersten E-Modelle vorgestellt. Das Fahrzeug der Kernmarke aber soll die Massen überzeugen, eben ein echter Volkswagen wie der Käfer und der Golf werden.

Volkswagen steht vor dem Umbruch. Oder wie es Großaktionär und Aufsichtsrat Wolfgang Porsche ausdrückt. „VW ist ein Koloss, der sich zu drehen beginnt“. In Deutschland und später in anderen Weltregionen werden die Fabriken auf die Fertigung von strombetriebenen Autos umgestellt. Es ist die größte Revolution seit Jahrzehnten.

Mit diesem Auto startet Volkswagen in die Elektro-Welt
Weltpremiere auf der IAA
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Der neue Elektro-Mittelklassewagen ID.3 soll die E-Mobilität im Kerngeschäft von Volkswagen verankern und Kunden im Massenpublikum erschließen. Vor dem Start der Automesse IAA stellte der Konzern die Neuentwicklung am Montagabend vor.

(Foto: Bloomberg)
VW-Chef spricht vom „entscheidenden Moment“
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„Der ID.3 ist mehr als ein neues Modell. Das ist das Auto, das von uns jetzt erwartet wird“, sagte VW-Vorstandschef Herbert Diess in Frankfurt. Er sprach von einem „entscheidenden Moment“ für das Unternehmen.

(Foto: AP)
Erste Auslieferungen im Frühjahr
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Die Serienfertigung des ID.3 soll im November im Werk Zwickau anlaufen, für das Frühjahr 2020 sind die ersten Auslieferungen geplant.

(Foto: dpa)
Basisversion für unter 30.000 Euro
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Zwar hat die VW-Gruppe bereits einige Elektroautos im Programm – etwa den Audi e-tron oder den E-Sportwagen Porsche Taycan, dessen Produktionsstart am Montag war. Eine rein elektrische Großserie zu einem geringeren Einstiegspreis fehlte bisher aber noch. Laut VW soll die Basisversion des ID.3 weniger als 30.000 Euro kosten.

(Foto: AFP)
Riskante Investitionen
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Die nötigen Investitionen sind jedoch auch mit erheblichen Risiken verbunden. Der Aufbau neuer E-Fahrzeuglinien kostet VW Milliarden, während der Konzern finanzielle Lasten aus dem Dieselskandal verdauen muss. Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren viele Jobs vom Verbrennungsmotor zu weniger arbeitsintensiven E-Antrieben verlagert.

(Foto: Volkswagen)
Auftakt der Elektro-Offensive
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Das neue Auto basiert auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB). Diese Technologie, die durch Nutzung vieler gleicher Teile auch Kosten spart, soll in den nächsten drei Jahren bei insgesamt 33 Modellanläufen verwendet werden. „Für die Marke Volkswagen ist der ID.3 der Auftakt einer großen Elektro-Offensive“, versprach Diess.

(Foto: Volkswagen)
Werk Zwickau wird komplett umgebaut
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VW baut sein Zwickauer Werk komplett für die Elektromobilität um. Ab 2021 sollen dort sechs verschiedene E-Modelle für drei Konzernmarken gefertigt werden, jährlich sind bis zu 330.000 Fahrzeuge geplant.

(Foto: Volkswagen)

In früheren Jahren hätte Ferdinand Piëch den Umbau orchestriert. Der Enkel des legendären Entwicklers Ferdinand Porsche hatte die Firma zunächst als Vorstand dann als Vorsitzender des Aufsichtsrates geprägt.

Über den vor drei Wochen verstorbenen Piëch wollten seine Verwandten an dem Abend nicht reden. Wolfgang Porsche bittet freundlich um Diskretion. Es sei etwas, was intern in der Familie behandelt werde.

Überhaupt sind die anwesenden Mitglieder der Familien Porsche und Piëch zurückhaltend. Hatte Wolfgang Porsche im Frühjahr noch auf einen flotteren Umbau des Konzerns mit seinen 660.000 Mitarbeitern gedrängt und dabei den Betriebsrat um dessen Chef Bernd Osterloh attackiert, so sparte er dieses Thema am Montag aus.

Lieber redete er über die neuen E-Modelle – „der Porsche Taycan ist ein tolles Auto“ – und noch lieber über die Porsche-Fahrzeuge mit Verbrenner in seinem privaten Fuhrpark. Noch bevor der Winter einbricht, will er mit einem flotten Sportwagen durch das Salzburger Land fahren, wo er und einige andere Mitglieder des Clans wohnen.

Auch wenn Hans Michel Piëch die Show bei der Vorstellung des ID.3 offensichtlich wenig überzeugt, so begeisterte er sich für das neue automobile Zeitalter. Den Elektronachfolger von Käfer und Golf sieht er als gelungen an. „Ein schönes, ausgereiftes Auto.“

Angesprochen auf den neuen Elektro-Porsche gerät der eher zurückhaltende Mann ins Schwärmen: „Der Taycan ist ein echter Porsche“. Die Motorengeräusche vermisse er nicht, sagte er mit einem Schulterzucken. Antriebsstark müsse ein Porsche sein und das sei der Taycan ohne Frage. Das E-Fahrzeug beschleunigt mit seinen über 700 Pferdestärken in weniger als drei Sekunden auf 100 Stundenkilometer.

Der Taycan gilt als die Antwort auf die Erfolgsmodelle des Konkurrenten Tesla und ist damit ein wichtiges Aushängeschild für den Hersteller. Ob Volkswagen aber im neuen Zeitalter bestehen kann, wird sich am ID.3 bemessen. Das Fahrzeug muss das Volumen bringen, um in dem neuen Geschäft wettbewerbsfähig zu werden.

Absage zur Beteiligung an Tesla

Hilfe von außen braucht der Konzern dabei nicht. Vorstandschef Diess hatte in kleinen Runden schon mal gesagt, wie gerne er mit Tesla kooperieren wolle, wie Insider berichten. Der vom US-Unternehmer Elon Musk geleitete Elektropionier gilt als führend in der Batterietechnologie und auch bei den Absatzzahlen.

Diess hatte intern daher auch den Wunsch nach einer Beteiligung an der Firma geäußert. Der Konzern hatte einen entsprechenden Bericht des „Manager Magazins“ zwar dementiert, wohl auch, weil es eher eine Hoffnung von Diess war.

Solchen Überlegungen erteilten die Familienoberhäupter eine Absage. Derartige Pläne gebe es nicht, sagte Wolfgang Porsche. Und sein Cousin Hans Michel Piëch schob nach. „Wir sind sehr gut aufgestellt. Wir brauchen uns nicht an Tesla zu beteiligen.“

Die Einführung des ID.3 und anderer Elektrofahrzeuge ist für den VW-Konzern mit seinen Marken Audi, Porsche, Seat, Skoda, VW ein Kraftakt, vor allem finanzieller Natur. Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen entschieden, dass bis 2023 mehr als 40 Milliarden Euro für Elektromobilität und Digitalisierung ausgegeben werden sollen.

Diese Zahlen dürften in der nun angelaufenen Planungsrunde nach oben korrigiert werden. Jedes Jahr im November legen Vorstand und Aufsichtsrat die Investitionen fest und entscheiden dabei auch, welche Modelle an welchem Standort gebaut werden.

Um die nun von der EU-Kommission verschärften Emissionsgrenzen für Kohlendioxid für das Jahr 2030 einhalten zu können, muss VW wie die anderen Hersteller mehr E-Fahrzeuge produzieren als anfänglich geplant. Gelingt das nicht, dann müsste der Konzern Bußgelder in Milliardenhöhe nach Brüssel überweisen.

Für den Vorstand um VW-Chef Diess wie auch für die Großaktionäre ist das keine Option. Auch wenn die Präsentation des ID.3 nicht glückte, so bemüht Volkswagen doch, ein freundliches Unternehmen zu werden.

Mehr: Der VW-Konzern präsentiert auf der IAA seinen neuen ID.3. Viele weitere Elektroautos werden noch folgen, die die düsteren Zeiten des Dieselskandals in Wolfsburg bald vergessen lassen sollen.

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