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Die Autoindustrie von morgen

Volkswagen und die EU-Klimabeschlüsse VW-Betriebsratschef Osterloh droht Politikern mit einer Quittung an der Wahlurne

Volkswagen ist ganz und gar nicht mit den jüngsten EU-Beschlüssen zur Kohlendioxid-Minderung einverstanden. Betriebsratschef Bernd Osterloh warnt vor „unkontrollierbaren Arbeitsplatzverlusten“.
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Der VW- Betriebsratsvorsitzende warnt die Politik vor zu scharfen Vorgaben für die Autoindustrie. Quelle: dpa
Bernd Osterloh

Der VW- Betriebsratsvorsitzende warnt die Politik vor zu scharfen Vorgaben für die Autoindustrie.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh erneuert seine Kritik an den jüngsten Entscheidungen der EU, die Klimavorgaben für die Automobilindustrie ein weiteres Mal zu verschärfen. „Ich frage mich, ob die Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin sich darüber im Klaren sind, was sie damit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der Autoindustrie antun“, schreibt Osterloh in einem Weihnachtsbrief an die 120.000 VW-Beschäftigten in Deutschland, der dem Handelsblatt vorliegt.

Zu Wochenbeginn hatte die EU in Brüssel neue Vorgaben zur Kohlendioxid-Reduzierung vorlegt: Bis 2030 müssen die Autohersteller die Emissionen noch einmal um 37,5 Prozent mindern.

Osterloh reagiert mit harten Attacken auf die Brüsseler Entscheidung. „Die handelnden Politiker setzen uns Beschäftige einem hohen Risiko aus, tun aber umgekehrt wenig, um den Übergang zur E-Mobilität zu gestalten und die dringend nötigen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen“, beklagt der VW-Betriebsratsvorsitzende. Die IG Metall und die Betriebsräte hätten immer vor der hastigen Einführung solcher Maximalziele gewarnt. Auf die Branche kämen damit „unkontrollierbare Arbeitsplatzverluste“ zu.

Der VW-Betriebsratschef droht in seinem Weihnachtsbrief damit, dass die politischen Entscheidungsträger in Berlin und Brüssel für ihre Entscheidungen eine Quittung an der Wahlurne bekommen würden. „Ich gehe darum davon aus, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Autoindustrie sich bei den anstehenden Wahlen genau ansehen werden, welche demokratische Partei ihre Interessen vertritt. Oder wer die soziale Nachhaltigkeit tausender Arbeitsplätze vergisst und sich in den schicken Vierteln der Großstädte lieber für überscharfe Grenzwerte feiern lässt“, warnt Osterloh.

Zugleich fordert der Betriebsratsvorsitzende das eigene Management dazu auf, sich den neuen von der EU vorgelegten Grenzwerten zu stellen. „Falls die E-Mobilität tatsächlich schneller als erwartet die Arbeit in unseren Werken reduziert, erwarten wir vom Vorstand intelligente Antworten.

Bei Volkswagen haben Betriebsräte und Vorstand noch immer Wege aus der Krise gefunden, ohne dass die Kolleginnen und Kollegen die Rechnung bezahlt haben. Das wird auch so bleiben“, betont Osterloh. Betriebsbedingte Kündigungen seien mit den Arbeitnehmervertretern nicht zu machen, auch nicht in schwierigen politischen Zeiten.

In der Kritik an den Brüsseler EU-Beschlüssen ist sich Osterloh im Wesentlichen mit dem VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess einig. Der Konzernchef hatte an den vergangenen Tagen in verschiedenen Interviews vor den Folgen der neuen EU-Emissionsgrenzen gewarnt.

Diess betonte, dass es viele Fragezeichen gebe. „Ist sich die Politik wirklich über die Auswirkungen ihrer Entscheidungen im Klaren? Hat man dieses Vorgehen genügend überlegt und abgewogen?“, sagte er in der „Bild“-Zeitung.

Volkswagen werde bis 2030 in Europa einen Absatzanteil von 40 Prozent E-Autos erreichen müssen. Diess kritisierte, wegen der teuren Batterien und der CO2-Strafzahlungen für konventionelle Autos werde Einstiegsmobilität sehr viel teurer - für viele Kunden unerschwinglich. „Und es würde Arbeitsplätze kosten, in einer Größenordnung, die wir in diesem Zeitraum nicht mehr über Vorruhestandsregelungen abbauen könnten.“

Ähnlich äußerte sich der VW-Chef in der „Braunschweiger Zeitung“: „Weil der Wandel nun noch einmal verschärft wird, reicht das vermutlich nicht aus, und wir müssen noch mehr Arbeitsplätze abbauen. Dafür wird die Altersteilzeit nicht mehr ausreichen.“

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4 Kommentare zu "Volkswagen und die EU-Klimabeschlüsse: VW-Betriebsratschef Osterloh droht Politikern mit einer Quittung an der Wahlurne"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Deutschland ist klimapolitisch ein „Zwerg“. Unser Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen beträgt lediglich 2 %. Demgegenüber lauten die Werte für die USA 16 % und für China sogar 28 %.

    Auf diese CO2-„Großmächte“ kommt es an! Tatsächlich aber scheint es den „big players“ um anderes mehr zu gehen als um das Weltklima: den USA um Gegenwartskonsum und China um das Ziel, zur stärksten Wirtschafts- und Militärmacht der Welt aufzusteigen.

    Aber worum geht es uns? Wollen wir unsere Industrie aufs Spiel setzen?

  • Ich sehe das anderes.... Es ist klar das die Mobilität WENIGER Primärenergie verbrauchen darf.....
    Die Gesellschaft hat beschlossen das wir CO² frei werden wollen... Dann geht es nur mit Veränderungen!

    Er sollte sich lieber Gedanken machen wie er "sein" Unternehmen anpasst! Denn eins ist klar! Alle Geschäftsmodelle die nicht nachhaltig sind, werden irgentwann obsolet.....

    Besser sich anpassen, als angepasst werden!

    Denn Veränderungen haben auch Vorteile! Wenn andere sich nicht genügend anpassen und aus dem Markt auscheiden... so entstehen auch neue Chancen ....




  • @Hr Tron: Sie verwechseln das etwas. Die Mitarbeiter/innen von VW haben nicht die VW Kunden betrogen.
    Ich meine Hr Osterloh hat Recht: Die deutsche Politik ist ihrer Verantwortung für deutsche Arbeitsplätze nicht gerecht geworden. Da muß in Brüssel viel härter verhandelt werden und zwar zu Gunsten unserer Arbeitsplätze.
    Schon bei der sinnfreien Festlegung der NOx Grenzwerte hat die deutsche Politik geschlafen. Es kann ja nicht sein, daß im Verkehr 40µg und am Arbeitsplatz 950µg als unbedenklich angesehen werden, zumal die Studien zu NOx sehr widersprüchlich sind.
    Wir brauchen endlich eine Wirtschaftspolitik für uns!

  • "„Ich frage mich, ob die Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin sich darüber im Klaren sind, was sie damit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der Autoindustrie antun“, schreibt Osterloh in einem Weihnachtsbrief"

    VW-Manager haben ihre Kunden betrogen und damit erst Schwung in die Debatte gebracht, jetzt zu versuchen die Verantwortung auf die Politik zu schieben ist ja wohl mehr als peinlich!


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