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Die Autoindustrie von morgen

Volkswagen und E-Autos Nach Käfer und Golf soll nun der ID.3 bei VW eine Ära prägen

Der VW-Konzern präsentiert auf der IAA seinen neuen ID.3. Viele weitere Elektroautos werden noch folgen, die die düsteren Zeiten des Dieselskandals in Wolfsburg bald vergessen lassen sollen.
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VW: Volkswagen präsentiert auf der IAA seinen neuen ID.3 Quelle: dpa
IAA 2019

Das ID.3 wird auf der Volkswagen Group Night präsentiert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Zum Start in das Elektrozeitalter hat der Volkswagen-Konzern wirklich fast an alles gedacht. Überzeugend soll die Präsentation des neuen Elektroautos ID.3 auf der Frankfurter IAA sein. So überzeugend, dass es das Publikum auf der ganzen Welt dem dieselgeschädigten Autohersteller abnimmt, jetzt wirklich etwas völlig Neues zu beginnen.

Ein echter Start in eine neue Welt der Mobilität. Keine leeren Versprechungen, die schon in wenigen Monaten wieder vergessen sind. Volkswagen will zeigen, dass der Konzern den Umweltschutz vier Jahre nach der Dieselaffäre jetzt wirklich ernst nimmt – mit dem Bekenntnis zu einem umfassenden Einstieg in die Elektromobilität.

Was wirkt überzeugender als Kinder, wenn sich ein Unternehmen als glaubwürdig präsentieren will? Kinder stehen für die Zukunft. Für eine Zukunft, in der nur noch saubere Autos verkauft werden, die die Umwelt gar nicht mehr oder nur in begrenztem Umfang belasten. Autos, die auch den Kindern eine sichere Zukunft bescheren können.

Also schickt Volkswagen zur Präsentation des ID.3, seines ersten echten Elektroautos, auch Kinder auf die Bühne von Halle 3 auf dem Frankfurter Messegelände. Silke Bagschik, die für Vertrieb und Marketing der neuen Elektrobaureihe verantwortlich ist, darf am Montagabend ihren Sohn nach vorne holen. Henri kommt mit auf die Bilder, wenn es zum Abschluss der ID-Präsentation die Familienfotos mit dem Vorstandsvorsitzenden und anderen Volkswagen-Managern gibt.

Chef-Designer Klaus Bischoff lässt sich auf der Bühne von Ina sagen, wie denn ihr Auto der Zukunft aussehen sollte. „Die E-Autos sollen sympathisch sein und die Luft nicht verschmutzen“, wünscht sich das junge Mädchen. Als Klaus Bischoff eine Designskizze anfertigt, kommt dabei – wenig überraschend – der ID heraus.

VW stellt auch neues Konzernlogo vor

Und um den Einstieg in die neue Welt der Elektromobilität auch mit einem starken Symbol zu verbinden, präsentiert Volkswagen zusammen mit dem Auto gleich noch ein neues Konzernlogo. Schlanker, moderner soll das Markenabbild sein, um auch damit den Aufbruch in eine neue Zeit zu symbolisieren.

Mit dem ID.3 will Volkswagen das dritte prägende Modell in seiner 80-jährigen Konzerngeschichte auf den Weg bringen. Käfer und Golf haben den Wolfsburger Autohersteller groß und zu einem Weltkonzern gemacht. Diese beiden Autos sollen die entscheidenden Vorbilder für das neue Elektromodell werden. An Käfer und Golf will Volkswagen Erfolg oder Misserfolg der neuen Elektro-Baureihen messen lassen.

Für Konzernchef Herbert Diess gibt es keine großen Zweifel daran, dass sich der ID.3 behaupten wird. „Das ist das Auto, das jetzt von uns erwartet wird“, sagt er auf der Bühne von Halle 3 in der Frankfurter Messe. Volkswagen müsse dafür Sorge tragen, dass sich die Elektromobilität durchsetzen könne – und der Konzern sei bereit dazu. Der gesamten Branche stehe jetzt ein „Systemwechsel“ bevor.

Umweltschutz und die Sorge um die Zukunft sollen zentrale Leitbilder des Volkswagen-Konzerns werden. Deshalb gibt sich Herbert Diess überzeugt, „dass das Auto eine große Zukunft vor sich hat.“ Negative Eigenschaften wie die Belastung der Umwelt und eine viel zu große Zahl von Verkehrsunfällen werde es künftig nicht mehr geben.

Diess sieht darin den Weg in eine nachhaltige individuelle Mobilität. Niemand müsse auf sein eigenes Auto verzichten. Der Elektroantrieb schaffe die Voraussetzungen dafür, dass viele Millionen Autos auch künftig in der Welt unterwegs sein könnten, ohne die Umwelt wie bislang zu belasten. Volkswagen wolle beweisen, dass ein solcher Systemwandel in der Autobranche auch wirtschaftlich tragfähig und realisierbar sei.

Experten sehen gute Chancen für Erfolg

Branchenexperten sehen gute Chancen, dass Volkswagen mit seinem Weg erfolgreich sein kann, auch wenn sich die Wolfsburger weit vorwagen. „Es ist eine risikoreiche Wette“, sagt Stefan Bratzel, Professor des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach.

Volkswagen setzt vor allem auf Autos mit reinem Elektroantrieb. Die beiden süddeutschen Hersteller Daimler und BMW wollen sich stärker auf Plug-in-Hybride verlassen, also Autos mit Verbrennungs- und Elektromotor.

Für Bratzel geht Volkswagen mit reinen E-Autos den konsequenteren Weg. Hybride könnten häufig nur auf dem Papier wirklich sauber sein, weil sie im Alltag und in der Realität viel zu oft nur mit Verbrennungsmotor und nicht elektrisch gefahren werden. Die Niederlande hätten deshalb beispielsweise die staatliche Förderung für Hybride ausgesetzt.

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Die Präsentation des Elektro-Erstlings ID.3 in Frankfurt ist nur der Anfang eines viel größeren Plans, mit dem der Volkswagen-Konzern einen umfassenden Einstieg in die Elektromobilität beginnen will. Es geht nicht darum, nur einige wenige Zehntausende Exemplare pro Jahr mehr aus Alibigründen zu verkaufen, wie das bei Volkswagen im Moment noch mit dem E-Golf und dem E-Up passiert. Dem VW-Konzern geht es um den Einstieg in das Massengeschäft.

Auch wenn es im Moment noch reichlich utopisch klingen mag: In 15 Jahren soll die Mehrheit der vom VW-Konzern verkauften Fahrzeuge elektrisch angetrieben sein. Und das dann nicht nur bei der Kernmarke Volkswagen, sondern auch bei Audi, Porsche und Skoda.

VW-Vorstandschef Herbert Diess sieht darin den wesentlichen Beitrag des Volkswagen-Konzerns zum Pariser Klimaabkommen, mit dem die Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzt werden soll. Im Jahr 2050 würde es dann überhaupt keine Autos mehr mit Verbrennungsmotor auf den Straßen geben.

Mit diesem Auto startet Volkswagen in die Elektro-Welt
Weltpremiere auf der IAA
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Der neue Elektro-Mittelklassewagen ID.3 soll die E-Mobilität im Kerngeschäft von Volkswagen verankern und Kunden im Massenpublikum erschließen. Vor dem Start der Automesse IAA stellte der Konzern die Neuentwicklung am Montagabend vor.

(Foto: Bloomberg)
VW-Chef spricht vom „entscheidenden Moment“
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„Der ID.3 ist mehr als ein neues Modell. Das ist das Auto, das von uns jetzt erwartet wird“, sagte VW-Vorstandschef Herbert Diess in Frankfurt. Er sprach von einem „entscheidenden Moment“ für das Unternehmen.

(Foto: AP)
Erste Auslieferungen im Frühjahr
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Die Serienfertigung des ID.3 soll im November im Werk Zwickau anlaufen, für das Frühjahr 2020 sind die ersten Auslieferungen geplant.

(Foto: dpa)
Basisversion für unter 30.000 Euro
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Zwar hat die VW-Gruppe bereits einige Elektroautos im Programm – etwa den Audi e-tron oder den E-Sportwagen Porsche Taycan, dessen Produktionsstart am Montag war. Eine rein elektrische Großserie zu einem geringeren Einstiegspreis fehlte bisher aber noch. Laut VW soll die Basisversion des ID.3 weniger als 30.000 Euro kosten.

(Foto: AFP)
Riskante Investitionen
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Die nötigen Investitionen sind jedoch auch mit erheblichen Risiken verbunden. Der Aufbau neuer E-Fahrzeuglinien kostet VW Milliarden, während der Konzern finanzielle Lasten aus dem Dieselskandal verdauen muss. Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren viele Jobs vom Verbrennungsmotor zu weniger arbeitsintensiven E-Antrieben verlagert.

(Foto: Volkswagen)
Auftakt der Elektro-Offensive
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Das neue Auto basiert auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB). Diese Technologie, die durch Nutzung vieler gleicher Teile auch Kosten spart, soll in den nächsten drei Jahren bei insgesamt 33 Modellanläufen verwendet werden. „Für die Marke Volkswagen ist der ID.3 der Auftakt einer großen Elektro-Offensive“, versprach Diess.

(Foto: Volkswagen)
Werk Zwickau wird komplett umgebaut
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VW baut sein Zwickauer Werk komplett für die Elektromobilität um. Ab 2021 sollen dort sechs verschiedene E-Modelle für drei Konzernmarken gefertigt werden, jährlich sind bis zu 330.000 Fahrzeuge geplant.

(Foto: Volkswagen)

Damit es 2050 tatsächlich dazu kommen kann, muss der VW-Konzern in den nächsten Jahren Dutzende von Einzelschritten realisieren. „Bis 2025 wollen wir Weltmarktführer in der E-Mobilität werden“, verkündet etwa Ralf Brandstätter, der Chief Operating Officer (COO) der Marke Volkswagen. In der Praxis bedeutet das, dass Volkswagen schon in gut fünf Jahren jährlich eine Million Elektroautos verkaufen will. „Das ist der Fixstern in unserer Strategie“, fasst der Marken-COO die Pläne zusammen.

Nicht nur in Europa will Volkswagen künftig seine neuen Elektroautos verkaufen. Eine ganz zentrale Rolle nimmt dabei auch China ein. Die Volksrepublik ist mit einem Anteil von 40 Prozent aller verkauften Autos schon jetzt der wichtigste Absatzmarkt für den VW-Konzern. Außerdem verfolgt die Regierung in Peking die Einführung von Elektroautos viel konsequenter, als das beispielsweise in Europa getan wird. Auslöser sind die Umweltprobleme in den großen Ballungsräumen entlang der chinesischen Ostküste.

Eine Schlüsselrolle zum Start der Elektromobilität spielt bei Volkswagen die eigens entwickelte MEB-Plattform („Modularer Elektrifizierungs-Baukasten“). Der VW-Konzern hat sich dazu entscheiden, diese komplett eigene Elektroplattform zu entwickeln. In den vergangenen drei Jahren haben die Wolfsburger dafür rund 6,5 Milliarden Euro ausgegeben.

Durch die Plattform ist der Unterbau mit Motor und Antrieb samt Batterie bei allen Fahrzeugen der neuen E-Generation von Volkswagen gleich. Unterschiedliche Modelle entstehen durch die Variation der Größe und durch die verschiedenen Karosserieformen, die dann im zweiten Schritt auf die MEB-Plattform gesetzt werden.

Andere Autohersteller wie Daimler und BMW haben sich anfangs für gemischte Plattformen entschieden, in die sowohl Verbrenner als auch Elektromotoren eingebaut werden können. Bei Volkswagen lohnt sich die Entwicklung einer eigenen E-Plattform, weil die Wolfsburger die dafür aufgebrachten Kosten auf eine riesige Zahl von Autos verteilen können.

Auf dem MEB-Baukasten von Volkswagen soll es alle bislang gewohnten Karosserieformen geben – von der klassischen Limousine mit Stufenheck, dem SUV bis hin zum Bulli (Kleinbus). „Aktuell haben wir mehr als 15 Millionen Fahrzeuge über Laufzeit geplant“, verspricht VW-COO Brandstätter, also ungefähr für die nächsten zehn Jahre. Bei der Marke VW hat der Konzern für das kommende Jahrzehnt die Pläne für mehr als 20 verschiedene MEB-Modelle in der Schublade. Zusammen mit den anderen Konzernmarken sind es sogar rund 70 Modelle.

Volkswagen ist sich der Risiken bewusst, die der Konzern mit dieser sehr ausgeprägten Elektrostrategie eingeht. Trotzdem glauben die Verantwortlichen in Wolfsburg, dass sie damit auch Erfolg haben werden. Zumal die verschärften Emissionsgrenzen in Europa und in China den Autoherstellern kaum eine andere Wahl lassen, als die Zahl der verkauften Elektroautos in den kommenden Jahren deutlich zu steigern.

Eigene Fabriken in Europa, China und den USA

Die VW-Manager wollen die großen Stückzahlen zu ihrem eigenen Vorteil machen. „Unser Ziel ist die Kostenführerschaft bei rein elektrischen Fahrzeugen. Wir rüsten den MEB weltweit ein“, betont Ralf Brandstätter. Eigene Fabriken für die neuen Elektroautos werde es in Europa, China und in den USA geben.

In Zwickau in Sachsen steht das erste Werk von Volkswagen, in der mit der Fertigung der neuen Generation von Elektroautos begonnen wird. Produktionsstart für die Serienfahrzeuge wird dort Anfang November sein. „Mit dem Produktionsstart des ID.3 bricht für Volkswagen eine neue Ära an“, unterstreicht Thomas Ulbrich, im Markenvorstand von Volkswagen verantwortlich für die Fertigung der neuen Elektroautos. 400 Vorserienautos seien bereits produziert worden. Diese Fahrzeuge würden jetzt auf Teststrecken in Europa getestet.

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Volkswagen stellt in Zwickau erstmals schrittweise eine komplette Autofabrik vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb um. Der Umbau hatte bereits Anfang 2018 begonnen und soll bis Ende 2020 vollständig abgeschlossen sein. Der Karosseriebau und die Lackiererei sind bereits weitgehend auf die Produktion der neuen Autos umgerüstet. Auch die erste von zwei Endmontage-Linien wurde bereits vollständig aufgebaut. Dort wird der ID.3 erstmals im November in der Serie von den Bändern laufen.

Die zweite Montagelinie in Zwickau wird im Sommer nächsten Jahres auf E-Autos umgestellt – und noch im selben Jahr in Betrieb genommen. In der finalen Ausbaustufe werden in Zwickau von 2021 an sechs Modelle auf MEB-Basis für drei Konzernmarken gefertigt. Dazu sollen auch erste SUV-Modelle auf Basis der neuen Elektroplattform gehören. Die Produktionskapazität wird von 300.000 auf 330.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen.

Zwickau wird dadurch zum größten E-Auto-Werk in Europa. Insgesamt investiert Volkswagen dort etwa 1,2 Milliarden Euro in die Transformation des Standorts. Rund 800 Millionen Euro wurden davon bereits ausgegeben. Vor dem Umbau war die sächsische Fabrik Produktionsstandort für Passat und Golf mit klassischem Verbrennungsmotor.

Die Produktion der Serienautos beginnt also recht bald schon in Zwickau. Kunden werden sich allerdings gedulden müssen. Volkswagen lässt sich Zeit damit, bis die Autos wirklich bei den Händlern stehen. Erst im Frühjahr nächsten Jahres sollen die ersten echten Kundenautos ausgeliefert werden. Das ist auch für die Automobilbranche eine ausgesprochen lange Zeit zwischen erster Vorstellung eines neuen Fahrzeugs wie jetzt auf der IAA und der tatsächlichen Auslieferung.

Beim ersten Elektroauto haben die Planer aus Wolfsburg auf jeden Fall mehr Reservezeit eingebaut, falls es mit dem völlig neuen Produkt doch noch größere Schwierigkeiten geben sollte. Und in den zurückliegenden Monaten gab es in der Tat immer wieder Gerüchte aus Wolfsburg, dass die hauseigenen Ingenieure durchaus das eine oder andere Problem mit dem geplanten Produktionsstart haben. Vor allem die hohe Digitalisierung des neuen Autos stellt die Techniker vor große Herausforderungen.

Zum Auslieferungsstart im nächsten Frühjahr muss auf jeden Fall alles sitzen. Denn wenn es sehr früh größere Zweifel an der Zuverlässigkeit des neuen Autos geben sollte, dann hätte Volkswagen einen ordentlichen Fehlstart in das neue Elektrozeitalter hingelegt.

Mehr: Die Internationale Automobilausstellung lockt Autofans weltweit nach Frankfurt. Lesen Sie in unserem Blog über die wichtigsten Neuigkeiten.

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