Auto-Zulieferer Gute Zeiten, schlechte Zeiten  

Für die deutschen Autozulieferer läuft es rund. Allein Schaeffler machte im ersten Halbjahr 6,7 Milliarden Euro Umsatz. Doch die Unsicherheit in der Branche wächst. Ein wichtiger Markt könnte zum Hemmschuh werden.
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Für den Autozulieferer Schaeffler laufen die Geschäfte im ersten Halbjahr 2015 gut. Quelle: dpa
Gute Aussichten

Für den Autozulieferer Schaeffler laufen die Geschäfte im ersten Halbjahr 2015 gut.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/MünchenDie Existenzangst ist weg. Dabei haben Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg sieben turbulente Jahre hinter sich. An der Übernahme des dreimal so großen Konkurrenten Continental hatte sich der fränkische Wälzlagerspezialist fast verhoben. Mit Glück und Geschick überstanden die Schaefflers das existenzbedrohende Tief und machten sich in kleinen Schritten an den Schuldenabbau.  

Schließlich taumelte der Zulieferer auch noch in eine Führungskrise: Der langjährige Boss Jürgen Geißinger musste gehen, sein designierter Nachfolger Klaus Deller trat den neuen Job gar nicht erst an.

Doch unter der Führung von Klaus Rosenfeld sind die Krisen jetzt abgehakt. Mit dem Strategieprogramm „Mobilität für morgen“ will er das Unternehmen auf Wachstumskurs halten. Aktuell zumindest läuft es weiter ordentlich bei dem Autozulieferer. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz – auch dank günstiger Währungseffekte – um 12,4 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Wegen des schwächelnden Industriegeschäfts schrumpfte die Rendite jedoch. Die Ebit-Marge sank auf 12,2 Prozent. Um wieder profitabler zu werden, kündigte das Management die Neuausrichtung der Industriesparte an, bei der in Europa und Deutschland in den kommenden zwei Jahren bis zu 500 Stellen in Vertrieb und Verwaltung wegfallen sollen.

Treiber des Wachstums war erneut die größere Automobilsparte, die ihren Umsatz dank guter Geschäfte in China und den USA um 14 Prozent auf gut fünf Milliarden Euro steigerte. Die Industriesparte wuchs im gleichen Zeitraum um 7,5 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro, währungsbereinigt sanken die Erlöse jedoch um 0,8 Prozent. Der Umbau der Sparte soll diesen Trend stoppen.

Neben dem Stellenabbau soll das Geschäft dabei stärker auf die einzelnen Regionen ausgerichtet werden. Zudem will Schaeffler die Produktion von Standard-Wälzlagern ausbauen, die wegen des großen Volumens eine bessere Auslastung der Anlagen verspricht. Die Marge des Bereiches soll dadurch bis 2018 um drei Prozentpunkte auf 13 Prozent steigen.

Der Aufwind scheint die Branche erfasst zu haben: Bei den Autozulieferern läuft es derzeit rund – die Krisenjahre scheinen auf einmal weit weg. So vermeldeten zum Beispiel Leoni und Stabilus für das Quartal zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz. Mehrere Autozulieferer haben ihre Prognosen für das Gesamtjahr angehoben. „Mit den immer neuen Rekordmarken der Hersteller haben sich auch die Renditen der Zulieferer positiv entwickelt“, konstatiert Autoprofessor Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management. Besonders die großen Zulieferer profitieren von der Internationalisierung und den hohen Investitionen in neue Technologien. „Die Wertschöpfung verschiebt sich immer weiter in Richtung Zulieferer“, sagt Bratzel.

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
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14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
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Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
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Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
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Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
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Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
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Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Auch bei Schaefflers wichtigster Beteiligung, dem einstigen Übernahmeziel Continental, läuft es trotz starken Gegenwinds immer noch gut. Organisch und um Währungseffekte bereinigt wuchs Conti im zweiten Quartal noch einmal um 4,4 Prozent, in Asien legten die Erlöse dabei prozentual zweistellig zu. Im ersten Halbjahr kam Continental – auch dank günstiger Währungseffekte – mit 19,6 Milliarden Euro auf ein Umsatzplus von knapp 16 Prozent. „In einem anspruchsvollen Umfeld haben wir Stärke bewiesen“, sagte Conti-Chef Elmar Degenhart.

Auch mit der Gewinnentwicklung bei Conti konnte der Großaktionär Schaeffler zufrieden sein. Das bereinigte operative Konzernergebnis – wichtigste Ertragskennziffer bei der Steuerung von Conti -  verbesserte sich im ersten Halbjahr um knapp 18 Prozent 2,3 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern legte auf dieser Basis von 11,6 auf 12,2 Prozent zu. Im Gesamtjahr rechnet Degenhart hier nun mit rund elf Prozent und ist damit nun etwas optimistischer als bislang.

Die Risiken bleiben groß
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