Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autoabsatz in Deutschland Was hinter dem deutschen Diesel-Wunder steckt

In ganz Europa verkauft sich der Diesel immer schlechter. Nur in Deutschland ist der Marktanteil leicht gestiegen. Doch die Hersteller dürften sich nicht lange darüber freuen.
Kommentieren
Den steigenden Verkaufszahlen von Dieselfahrzeugen in Deutschland stehen rasant sinkende Absatzzahlen in vielen europäischen Ländern gegenüber. Quelle: AP
Auspuffrohre

Den steigenden Verkaufszahlen von Dieselfahrzeugen in Deutschland stehen rasant sinkende Absatzzahlen in vielen europäischen Ländern gegenüber.

(Foto: AP)

DüsseldorfGlaubt man den jüngsten Äußerungen der deutschen Politik und Autoindustrie, dann hat der Diesel den großen Betrugsskandal längst hinter sich gelassen. „Der Diesel hat Zukunft“, verkündete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Anfang Februar. Und als hätte man es geahnt, veröffentlichte Deutschlands größter Autokonzern Volkswagen gleich „Sieben Gründe, warum der Diesel eine Zukunft hat“.

Da kamen die jüngsten Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes wie gerufen. Die Verkäufe des Diesels waren im Januar erstmals seit Ausbruch der Dieselkrise wieder leicht gestiegen, genauer: um zwei Prozent. Der Diesel hat zu Jahresstart damit wieder Marktanteile in Deutschland gewonnen. Medien bejubelten die „unglaubliche Auferstehung“ des Selbstzünders.

Ein Blick auf die europäischen Zulassungszahlen zeigt jedoch sehr deutlich: Das vermeintliche Diesel-Wunder ist keines. In allen anderen europäischen Märkten geht die Absatzkrise des Diesels auch im neuen Jahr weiter. In den fünf größten Märkten sanken die Neuzulassungen im Schnitt um 19 Prozent, zeigen Berechnungen der Unternehmensberatung EY. Schon im Vorjahr waren sie um 19 Prozent geschrumpft.

„In Deutschland sehen wir seit einigen Monaten eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, während der Abwärtstrend für den Diesel in anderen Ländern ungebremst anhält“, sagt EY-Partner Peter Fuß. In Spanien fiel das Minus besonders stark aus. Dort fiel der Absatz im Januar sogar um 36 Prozent. Der Diesel hat in Spanien nur noch einen Marktanteil von 29 Prozent – im Vorjahr waren es noch 42 Prozent.

Sind die Deutschen dem Diesel also treuer als der Rest Europas? Eher nicht. Für die gestiegenen Marktanteile des Diesels hierzulande gibt es drei Gründe:

1. Flottenmanager haben Nachholbedarf

Ein Teil der Trendwende dürfte mit dem Nachholbedarf auf dem deutschen Automarkt zusammenhängen. Die Umstellung auf den neuen Abgas-Standard hat bei großen Dienstwagenherstellern wie Audi zu massiven Lieferschwierigkeiten geführt. Der Nachholbedarf der Flottenmanager lässt die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen überproportional steigen. Und bei den deutsche Premiumriesen ist der Dieselanteil nach wie vor hoch.

2. Der Dieselkauf ist nicht mehr so riskant

Der zweite Grund sind die technologischen Fortschritte, die der Diesel in den vergangenen Jahren gemacht hat. Moderne Diesel mit der Abgasnorm Euro 6-d-temp, das zeigen Messungen unter anderem des ADAC, halten die gesetzlichen Grenzwerte ein und dürften darum auch von Fahrverboten ausgenommen werden. 2018 war das Angebot modernster Diesel noch überschaubar. Doch mittlerweile rollen immer mehr neue Diesel in die Autohäuser.

Darüber hinaus garantieren viele Autohersteller ihren Kunden, ein Diesel-Fahrzeug im Falle eines Fahrverbots wieder anzukaufen. Damit werden Zweifel beseitigt. Allerdings: die Restwerte von Dieselautos sind nach wie vor unter Druck – besonders, wenn tatsächlich Fahrverbote durchgesetzt werden.

3. Umtauschprämien machen den Diesel billiger

Die Umtauschprämien, die viele Autobauer auf Druck der Politik ausgerufen haben, sind der dritte Grund. Wer alte Diesel in Zahlung gibt, erhält Prämien von is zu 10.000 Euro beim Kauf eines Neuwagens. Der Haken: Zuschüsse gibt es unter anderem beim Marktführer VW außerhalb der Schwerpunktgebiete nur beim Kauf eines Euro-6-Diesels. Damit sind die Selbstzünder günstiger als Benziner, obwohl sie eigentlich teurer sein müssten als vergleichbare Benziner.

Eine „große Zukunft“ wie sie Verkehrsminister Scheuer und VW vorhersagen, dürfte der Diesel trotzdem nicht haben. Das lässt sich schon an den Investitionen der Hersteller ablesen, die einen Großteil ihrer Entwicklungsetats vom Diesel zu den Elektroautos umgeschichtet haben. Die sauberste Dieselgeneration könnte auch die letzte sein. Das ist die böse Ironie der Geschichte.

„Der Marktanteil des Diesels in Deutschland dürfte schon in den kommenden fünf bis sechs Jahren auf unter 20 Prozent fallen“, sagt Autoprofessor Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) der FHDW Bergisch-Gladbach voraus.

Durch die teure Abgasreinigung sei der Diesel praktisch nur noch in der Nische – bei besonders großen Fahrzeugen – konkurrenzfähig. Dass der Diesel nun wieder zu alter Stärke finden könnte, sei ohnehin unwahrscheinlich, meint Bratzel.

„Die sehr ambitionierten Vorgaben der EU werden – wenn überhaupt – nur noch über einen erheblichen Anstieg der Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen zu erreichen sein“, sagt EY-Autoexperte Fuß. In den Top-5-Märkten stieg ihr Absatz im Januar um 29 Prozent.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Autoabsatz in Deutschland - Was hinter dem deutschen Diesel-Wunder steckt

0 Kommentare zu "Autoabsatz in Deutschland: Was hinter dem deutschen Diesel-Wunder steckt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.