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Autobauer Aston Martin plant den Börsengang – trotz Brexit und skeptischer Analysten

Der britische Autohersteller hat eine bemerkenswerte Wende geschafft und geht nun an die Börse. Doch Analysten halten die angestrebte Bewertung für zu hoch.
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Der Börsengang ist eine Überraschung für viele Investoren: In seiner 105-jährigen Geschichte war Aston Martin berüchtigt für schlampiges Management und hohe Verluste. Quelle: AFP/Getty Images
Aston Martin wagt sich an die Börse

Der Börsengang ist eine Überraschung für viele Investoren: In seiner 105-jährigen Geschichte war Aston Martin berüchtigt für schlampiges Management und hohe Verluste.

(Foto: AFP/Getty Images)

London Aston Martin macht Ernst. Bis Ende des Jahres will der britische Sportwagenbauer an die Londoner Börse. Ein Viertel der Unternehmensanteile soll an institutionelle Investoren verkauft werden, Experten rechnen mit einer Bewertung von bis zu fünf Milliarden Pfund.

Der Börsenprospekt soll um den 20. September veröffentlicht werden, teilte die Firma am Mittwoch mit. Dann soll auch die endgültige Entscheidung fallen. Erstmals seit Jahrzehnten gäbe es damit wieder einen börsennotierten britischen Autobauer.

Andere Luxushersteller wurden alle schon vor Jahren von ausländischen Konzernen aufgekauft: Bentley gehört zu VW, Rolls Royce zu BMW, Jaguar Land Rover zum indischen Tata-Konzern. „Dies ist ein großer Moment für Aston Martin und die britische Autoindustrie“, sagte Finanzvorstand Mark Wilson dem Handelsblatt.

Tatsächlich ist der Börsengang eine kleine Sensation. Denn in seiner 105-jährigen Geschichte war Aston Martin berüchtigt für schlampiges Management und hohe Verluste. Sieben Mal musste die Firma in die Insolvenz. Seit einiger Zeit jedoch herrscht in der Firmenzentrale im englischen Gaydon Aufbruchstimmung.

Die Absatzzahlen wachsen, die Gewinne auch – inzwischen seit sieben Quartalen in Folge. Da kann man schon mal von Größerem träumen. Das große Vorbild ist Ferrari: Der Sportwagenhersteller aus Modena ging 2015 in New York an die Börse.

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Der Börsenwert des Unternehmens ist seither von zehn auf 24 Milliarden Dollar gestiegen. Davon träumt Wilson auch. Er weist darauf hin, dass Aston Martin in China bereits mehr Autos verkaufe als der größere Rivale Ferrari.

Den Turnaround geschafft hat ein leidenschaftlicher Automanager: Andrew Palmer kam 2014 vom japanischen Konzern Nissan und krempelte den Nischenhersteller erst einmal nach neuesten betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen um.

Der 55-Jährige strich Jobs, investierte in neue Modelle und bereitete den Einstieg in neue Märkte vor: Im kommenden Jahr will der Sportwagenbauer sein erstes SUV auf den Markt bringen.

Unter der britischen Edelmarke Lagonda sollen künftig auch Luxus-Elektroautos entstehen, die dem US-Pionier Tesla Konkurrenz machen. Die Zahlen fürs erste Halbjahr 2018 klingen vielversprechend. Die Erträge stiegen um acht Prozent auf 445 Millionen Pfund.

Der bereinigte Vorsteuergewinn wuchs um 14 Prozent auf 106 Millionen Pfund. Analysten raten jedoch, genau hinzuschauen. Das Ergebnis sei vor allem durch „buchhalterische Gestaltung“ zustande gekommen, sagt Arndt Ellinghorst von Evercore ISI. Der Autobauer generiere keinen Cashflow.

Es sei daher fraglich, wie er seine großen Pläne verwirklichen wolle. Angesichts dieser Bilanz sei die angestrebte Börsenbewertung viel zu hoch. Fünf Milliarden Pfund Börsenwert würde bedeuten, dass Aston Martin 30 Prozent teurer wäre als Ferrari.

Dabei sei Ferrari klar das wertvollere Unternehmen, sagt Ellinghorst. Der britische Autobauer zehrt immer noch vom Glamour der James-Bond-Filme. Seit 1964 fährt der britische Geheimagent die Marke, legendär ist der DB5 aus dem Film „Goldfinger“, der auch im jüngsten Film „Spectre“ wieder zum Einsatz kam.

Inzwischen sind die Haupttreiber des Geschäfts allerdings die Märkte in Asien und dem Mittleren Osten. Gerade Käufer im Mittleren Osten seien immer an neuen Modellen interessiert, sagt Wilson. Es sei daher wichtig, beim Tempo nicht nachzulassen. Mindestens ein neues Modell pro Jahr plant die Firma.

Der Absatz soll dieses Jahr von 5.098 auf 6.200 bis 6.400 Fahrzeuge gesteigert werden. Bis 2020 soll die Produktion auf 9.800 steigen. Dann ist auch die neue Fabrik in Wales in Betrieb. Langfristig strebt Palmer eine Jahresproduktion von 14.000 Fahrzeugen an.

Es gibt allerdings einige Fragezeichen hinter Palmers Strategie. Abgesehen von Ferrari sind die anderen Luxushersteller fast alle in großen Konzernen aufgegangen. Das hat den Vorteil, dass die Mütter die teuren Entwicklungskosten für Motoren und Elektronik schultern.

Wilson glaubt dennoch, dass Aston Martin auf Dauer mithalten kann. „Wir haben mit Daimler einen großen Bruder, der uns mit der neuesten Technik versorgt“, sagt er. Die Schwaben liefern seit 2013 Motoren und Elektronik nach Gaydon und sind auch mit fünf Prozent an Aston Martin beteiligt.

Auch für ihre E-Autos setzen die Briten auf Batterietechnik aus Deutschland. Während die beiden großen Finanzinvestoren, die italienische Private-Equity-Firma Investindustrial und der kuwaitische Fonds Investment Dar, den Börsengang nun zum teilweisen Exit nutzen, will Daimler seinen Anteil beibehalten.

Wilson wertet dies als „Vertrauensvotum“. Die Partnerschaft ist entscheidend für die Zukunft des britischen Autobauers – und zugleich eine potenzielle Schwäche. „Ohne Daimler hätte Aston Martin ein Problem“, sagt Ellinghorst. Ferrari hingegen produziere seine eigenen Motoren.

Auch der Brexit könnte das Unternehmen belasten, denn 60 Prozent der Teile kommen aus der EU. Sollten sich Briten und Europäer nicht auf eine Freihandelszone für Güter einigen, könnte der Import von Komponenten deutlich teurer werden. Die Firma spielt die möglichen Brexit-Folgen herunter.

Aston Martin sei weniger anfällig als die Massenhersteller, weil man nicht just in time produziere, sagt Wilson. Doch höhere Zölle würden das Unternehmen treffen. Zudem ist Aston Martin noch sehr abhängig vom Heimatmarkt.

30 Prozent der Autos werden hier verkauft. Eine Rezession nach dem Brexit würde die Firma daher hart treffen.

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