Audi-Produktion in Neckarsulm

Auch das Aushängeschild des Herstellers, der A8, wurde vom Kraftfahrt-Bundesamt beanstandet.

(Foto: dpa)

Autobauer Audi ist mit der Nachrüstung von manipulierten Diesel im Verzug

Besitzer Tausender Audis warten bis heute darauf, dass ihre Fahrzeuge zurückbeordert werden. Grund ist offenbar technisches Unvermögen im Konzern.
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DüsseldorfDie Ansage aus Flensburg war ebenso unmissverständlich wie unangenehm. Am 23. Januar 2018 dieses Jahres ließ das Kraftfahrt-Bundesamt die Öffentlichkeit wissen, dass die Behörde Audi zum Rückruf seiner Diesel-Flotte der Schadstoffklasse 6 verdonnert habe. Die Begründung: „Das KBA hat in den vergangenen Wochen verpflichtende Rückrufe dieser Fahrzeuge angeordnet, um die Vorschriftsmäßigkeit der produzierten Fahrzeuge wiederherzustellen.“

Betroffen waren alle Drei-Liter-Diesel-Motoren des Konzerns: der A4, A5, A6, A7 sowie Q5, SQ5 und Q7. Auch das Aushängeschild von Audi, der A8, wurde beanstandet. Weltweit ging es um 127.000 Fahrzeuge, davon 77.600 in Deutschland.

Audi kann das Tricksen offenbar nicht lassen. Selbst drei Jahre nach Beginn der Dieselaffäre fanden die Flensburger Prüfer auch in den neueren Modellen Abschalteinrichtungen, mit denen Audi die Abgaswerte seiner Fahrzeuge illegal manipulierte.

Das Kraftfahrt-Bundesamt forderte Audi deshalb auf, bis Anfang Februar ein Motorsoftware-Update für die betroffenen Fahrzeuge vorzustellen. Erst nach intensiver Prüfung und Freigabe durch die Behörde sollte Audi die Autos in die Werkstätten holen.

Genau das blieb bisher aus. Die Besitzer der vielen Tausend Audi-Modelle warten bis heute darauf, dass ihre Fahrzeuge zum Umrüsten zurückbeordert werden. Grund ist offenbar technisches Unvermögen bei dem Konzern, dessen Werbebotschaft „Vorsprung durch Technik“ lautet. Nach Recherchen des Handelsblatts kommen die Ingolstädter Ingenieure nicht damit voran, ein passendes Software-Update zur Behebung der Manipulationen zu liefern.

Beim Kraftfahrt-Bundesamt heißt es auf Nachfrage, dass man zum Stand und Inhalt von Verwaltungsverfahren keine Auskunft gebe. Aber ganz offensichtlich hakt es bei der Nachbesserung. Denn laut Behörde werden betroffene Halter mit Beginn einer Rückrufaktion informiert.

Bislang aber, so bestätigen Anwälte, haben Audi-Kunden noch keine derartige Post aus Ingolstadt erhalten. „Wir haben Dutzende von Mandanten, die schon gegen Audi vorgehen, aber noch nicht angeschrieben wurden“, sagt Markus Klamert von der Münchner Kanzlei KMP3G.

So fehlt aktuell nicht nur die Genehmigung für die Software, sondern offenbar die Software selbst – obwohl Audi sie bereits vor acht Monaten liefern sollte. Vor wenigen Tagen erhielt der Anwalt eines A6-Besitzers aus der Nähe von Köln ein Schreiben des Ingolstädter Autoherstellers: „Die Audi AG arbeitet mit Hochdruck daran, ein Software-Update zu entwickeln, ausführlich zu testen und dann eine Freigabe durch die zuständigen Behörden zu erhalten.“

Keine Antwort von Audi

Dabei war der kürzlich als Vorstandschef abgelöste Rupert Stadler noch Ende Mai ins Bundesverkehrsministerium zitiert worden. Er sollte Minister Andreas Scheuer Rede und Antwort zu den Software-Updates stehen. Von einem „konstruktiven Gespräch“ war hinterher die Rede. Die Konsequenzen sind aber offenbar noch ausgeblieben.

Warum? Audi bietet keine Antwort. Auf Nachfrage heißt es lediglich, man stehe „mit dem Kraftfahrt-Bundesamt fortlaufend im Austausch zu den von Audi vorgeschlagenen Lösungen“. Ob das KBA den Autobauer mit Sanktionen belegen wird, beantwortet wiederum die Behörde nicht.

Dabei geht der Zeitverzug zuallererst auf Kosten der Umwelt. Denn in den betroffenen Autos der Schadstoffklasse 6 wurden laut KBA „unzulässige Abschalteinrichtungen nachgewiesen“, die dazu führen, dass die schadstoffmindernde Motoraufwärmfunktion auf der Straße nicht arbeitet. Trotz des behördlich angeordneten Rückrufs fahren damit noch immer Audi-Diesel auf Deutschlands Straßen herum, die zu viel Abgase ausstoßen.

Das Ingolstädter Ingenieursversagen könnte aber auch dem Konzern wehtun – nämlich vor Gericht. Für Klägeranwalt Klamert ist der Vorgang ein klarer Beleg dafür, dass Audi gar nicht in der Lage ist, die Fahrzeuge nachzubessern.

Umkehrschluss: Audi muss die Fahrzeuge zurücknehmen und den Kunden den Kaufpreis erstatten. „Die Chancen zur Rückgabe der Fahrzeuge erhöhen sich dadurch natürlich“, sagt Klamert. Viele Audi-Fahrer wüssten das nicht. Aber: „Gerade die 3-Liter-Maschinen sind vor Gericht bei uns ein Selbstläufer.“

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2 Kommentare zu "Autobauer: Audi ist mit der Nachrüstung von manipulierten Diesel im Verzug"

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  • Lieber Autor,

    in diesem Beitrag werfen Sie mit Unterstellungen und Vorwürfen nur so um sich, sodass ich mich frage, warum Sie beabsichtigen der Marke Audi auf eine derartige Art und Weise zu schaden. Sie beziehen Sich auf den Werbeslogan und erwähnen dabei das angeblich "technische Unvermögen" im selben Satz. Das letzte Mal hatte sich BMW nach angeblichen Jahren ohne Innovationen aus dem Hause Audi, über den Werbeslogan lustig gemacht. Im Wettbewerb ist so was üblich und darf hin und wieder mal vorkommen. Als Redakteur einer bekannten Tageszeitung sollte man, meiner Meinung nach, jedoch über eine gewisse Neutralität verfügen. Da Sie genau so wenig wie ich wissen, was Konzernintern passiert und Ihre Nachforschungen sicherlich zu keinem klaren Ergebnis führten, besitzen Sie doch ebenso wenig das Recht sich über die Gesamtsituation negativ zu äußern und schlichtweg zu behaupten es würde die gesamte Software fehlen. Es ist natürlich nicht das der Volkswagenkonzern derartige Maßnahmen betrieben hat um Abgaswerte zu manipulieren, es ist aber genau so falsch Hass und Wut weiter zu verbreiten und Menschen damit beeinflussen zu wollen. Es ist eine Frechheit den Konzern weiter mit Sammelklagen zu belasten, wo sich die Betroffenen im eigentlichen Sinne nicht um die Umwelt sondern um die eigene Brieftasche sorgen. Sie sollten sich selber einmal durch den Kopf gehen lassen, ob es Sie wirklich stört, dass die betroffenen Fahrzeuge wenige mg mehr an Co2 ausstoßen als erlaubt ist. Menschen müssen Ihr Auto für kurze Strecken stehen lassen, Busse müssen elektrisch angetrieben werden, Straßenbahnen müssen kostenfrei werden usw. Die ganze Sache wird vom Grunde auf falsch angegangen und dafür sind KEINE Automobilhersteller verantwortlich. Es interessiert unterm Strich keinen Menschen mehr, solange es nicht um Geld geht, wenn von Übersee Autos importiert werden die 3x größer und breiter als deutsche Autos sind, 6L Hubraum besitzen und 25L Sprit verbrauchen.

  • Das ist ein starkes Stück! Und wirft ein schlechtes Licht auf den ganzen VW-Konzern.

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