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Autobauer BMW-Chef Oliver Zipse geht in die Offensive

Der neue Vorstandsvorsitzende des Münchner Autobauers fordert von seinen Mitarbeitern Konzentration aufs Kerngeschäft. Für die Mobilitätsdienste sucht Zipse nach Investoren.
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Der neue BMW-Chef will flexibel auf die Nachfrage von E-Autos reagieren können. Quelle: dpa
Oliver Zipse auf der IAA

Der neue BMW-Chef will flexibel auf die Nachfrage von E-Autos reagieren können.

(Foto: dpa)

München Auf die 20 Aufsichtsratsmitglieder von BMW wartet am Mittwoch eine stramme Tagesordnung. Zwei Tage wollen sich die Kontrolleure Zeit nehmen, um über kurzfristige Nöte und langfristige Notwendigkeiten zu sprechen. Die Zeit dafür ist reif: Mit Oliver Zipse steht seit Mitte August ein neuer Vorstandschef an der Spitze. Sein Vorgänger Harald Krüger hatte zuvor seinen Rückzug erklärt.

Ihm trauten die Kontrolleure nicht mehr zu, den anstehenden Wechsel zur Elektromobilität zu meistern und die Kosten im Griff zu halten. Sicher ist, einen kurzfristigen Richtungswechsel wird es in München nicht geben. Im Gegenteil: Zipse hat mit Krüger gemeinsam die beschleunigte Elektrostrategie entwickelt, deren Details dem Aufsichtsrat jetzt vorgelegt werden.

Unternehmenskreisen zufolge hat der Vorstand grünes Licht für die Elektrovarianten der 5er-Reihe und des Kompakt-SUVs X1 gegeben. Damit startet BMW die zweite Welle der Elektrifizierung – jedes Modell erhält einen elektrischen Zwilling. Bereits beschlossen sind die Elektrovarianten des Mini und des X3, der im kommenden Jahr in China produziert wird.

Das Werk München bereitet sich auf den Bau des I4 vor, der Elektrovariante des 3er-BMW. Das Kalkül: Anders als bei Volkswagen werden alle Modelle auf technischen Architekturen entwickelt, die weiter den Einsatz von Verbrennungsmotoren erlauben. Und künftig soll weltweit jedes BMW-Werk in der Lage sein, flexibel auf die Nachfrage nach Elektroautos zu reagieren.

Dieses Konzept hat Zipse zunächst als Leiter der Konzernplanung und anschließend als Produktionsvorstand maßgeblich entwickelt. Diese Flexibilität erfordert hohe Investitionen, nimmt aber Unsicherheit: Stockt die Nachfrage nach Stromern, werden einfach weiter Verbrenner gebaut, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen.

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Nicht zuletzt dieser Pragmatismus hat den 55-Jährigen in den vergangenen Jahren in der Konzernhierarchie stetig weiter nach oben geführt und ihm den Rückhalt von Aufsichtsratschef Norbert Reithofer gesichert. Dabei hatte der einst durchgesetzt, Elektroautos mit aufwendiger Kohlefaserkarosserie auf eigenen Fertigungsstraßen zu bauen.

Keine Extravaganzen mehr

Sein Schüler hat dieses milliardenschwere Experiment kassiert: Der Hybridsportwagen i8 läuft ebenso aus wie der 2013 gestartete „i3“ in seiner jetzigen Form. Wie ein Nachfolgemodell im Kompaktsegment aussehen könnte, ist derzeit offen. Sicher ist: Teure Einzellösungen wird es unter Zipse nicht mehr geben.

BMW kann sich diese Extravaganzen auch nicht mehr leisten. Seit Monaten liegt die Rendite unter Plan. Zwar hat sich die operative Marge im Autogeschäft im zweiten Quartal wieder leicht verbessert und liegt bei 6,5 Prozent, doch von der angepeilten Zielmarke von mindestens acht Prozent ist BMW immer noch ein gutes Stück entfernt. Ein Kostensenkungsprogramm von zwölf Milliarden Euro bis 2022 läuft.

Ob BMW angesichts der hohen Entwicklungsaufwendungen die Acht-Prozent-Marke mittelfristig überhaupt wieder als Ziel ausgeben soll, ist im Aufsichtsrat strittig. Insbesondere die Arbeitnehmer drängen darauf, in der Phase der Transformation den Korridor auf sechs bis acht Prozent zu senken.

Sie pochen zudem auf die rollierende, für jeweils sieben Jahre festgeschriebene Beschäftigungssicherung, die den deutschen Konzernangestellten bis weit ins kommende Jahrzehnt sichere Jobs garantiert. Doch Zipse braucht weitere Kostensenkungen – als Reizthema gilt der neue Standort in Ungarn.

„Flugzeugbauer und keine Airline“
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