Autobauer BMW könnte als erster deutscher Autobauer die Mehrheit an Joint Venture in China übernehmen

Trump sei Dank: China plant ein Gesetz, dass es BMW ermöglicht, als erster ausländischer Autobauer die Mehrheit an einem Gemeinschaftskonzern zu übernehmen.
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BMW will Anteil an Joint Venture in China deutlich erhöhen
BMW-Werk in Tiexi

Gegenwärtig hält der Autobauer 50 Prozent an dem Joint Venture.

MünchenDie Deutschland-Visite des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang verlief für BMW erfreulich. Im Stundentakt wurden neue Abkommen geschlossen: So errichtet der chinesische Hersteller CATL in Thüringen eine Fabrik für Hochleistungszellen, die BMW ab 2021 in sein Stromauto „inext“ einsetzen will. Mit Great Wall wird man schon bald Elektrominis in China bauen. Und mit dem langjährigen Joint-Venture-Partner „Brilliance“ vereinbarten die Münchener die jährliche Stückzahl der in China gebauten BMW-Modelle von heute 400.000 auf 520.000 Autos zu erhöhen.

Mehr noch: Li Keqiang ist offenbar bereit, BMW einen Herzenswunsch zu erfüllen. Am Rande der Gespräche sagte die chinesische Regierung zu, dass BMW ab 2022 die Mehrheit an dem Joint Venture in China übernehmen könnte, ein entsprechendes Gesetz ist bereits in Vorbereitung. Bis zu 75 Prozent der Anteile sollen die Münchener laut „Manager Magazin“ bekommen, heute sind beide Partner noch gleichberichtigt.

„Die BMW Group begrüßt Chinas Bekenntnis zur weiteren Öffnung und Reformen einschließlich des Wegfalls der Begrenzung für ausländische Beteiligungen bei Pkw Joint Ventures vom Jahr 2022 an“, hieß es am Donnerstag in München.

Details zu „laufenden Gesprächen“ mit dem dem Partner Brilliance wolle man zur Zeit nicht weiter kommentieren. Der chinesischen Nachrichtenseite Sina zufolge ist Brilliance-Präsident Qi Yumin etwas zurückhaltender.

Die Details zur Aufhebung der Beteiligungsbeschränkung seien noch nicht veröffentlicht worden, „Wie kann man denn dann schon über konkrete Anteilsverteilung sprechen?“, fragt der Brilliance-Chef.

Das große Interesse der Münchener an einem höheren Joint-Venture-Anteil liegt auf der Hand: Kein Markt wächst schneller als der chinesische. Seit 2013 hat der Konzern seine Verkäufe in China auf fast 600.000 Autos verdoppelt, China ist vor den USA und Deutschland mit Abstand der größte Einzelmarkt.

Fünf Modelle werden in den beiden Werken Dadong und Tiexi gefertigt, mit dem X3 läuft in diesen Tagen ein zusätzlicher Geländewagen in China vom Band. Die für 2020 geplante Elektorversion „iX3“ soll von China aus in die ganze Welt exportiert werden – auch ein Novom bei BMW.

Die Werke werden noch wichtiger: Mit dem von Donald Trump angezettelten Handelskrieg hat auch China Zölle auf Autoeinfuhren aus den USA eingeführt. Der Export von Geländewagen aus dem BMW-Werk in South Carolina nach China lohnt nicht mehr. Konzernchef Harald Krüger prüft deshalb, künftig auch den X5 in China zu bauen, weitere Modelle könnten folgen. Entscheidungen, die BMW noch leichter fallen dürften, wenn man mit 75 Prozent eindeutig Herr des Joint Ventures ist.

Seit 2003 arbeiten BMW und Brilliance in einem Gemeinschaftsunternehmen für den chinesischen Markt. Bislang ist BMW wie auch VW, General Motors oder Daimler mit der Joint-Venture-Struktur sehr gut gefahren.

Die chinesischen Hersteller organisierten das Personal, die Fabriken und oft auch den Vertrieb. Die westlichen Autobauer brachten wiederum ihre Modelle, ihre Technik und die modernsten Produktionsmethoden nach China.

Das Kalkül der Regierung in Peking, über die Zwangsehen die eigene Autoindustrie fit zu machen ging aber nicht auf. Meist ruhten sich die Joint-Venture-Partner auf den Innovationen ihrer westlichen Partner aus, lebten gut von ihrem Gewinnanteil und vernachlässigten die Entwicklung eigener Marken und Modelle.

Mit Geely, Nio oder Great Wall haben sich jenseits der Joint Venture Strukturen in den vergangenen Jahren starke Alternativen entwickelt und arbeiten aus Sicht der Zentralregierung sehr viel zielführender. Geely gelang es nicht nur auf dem Heimatmarkt erfolgreich mit westlichen Marken zu konkurrieren, das Unternehmen ist nun auch jenseits von China eine Macht.

Nach der Übernahme von Volvo kaufte Geely-Gründer Li Shufu im Februar auch 9,7 Prozent von Daimler und ist nun größter Einzelaktionär des BMW-Konkurrenten. Die Förderung solcher Unternehmungen ist der Regierung in Peking wichtiger als der Schutz der bislang wenig innovativen Joint-Venture-Betriebe heißt es in der Branche.

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