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Autobauer Chipmangel und schwache Elektro-Offensive: Volkswagen kriselt in China

Volkswagen ist Marktführer in China und schien uneinholbar. Doch nun stocken die Geschäfte. Bei den neuen Elektroautos geht es nur schleppend voran.
16.07.2021 - 12:01 Uhr Kommentieren
Das neue vollelektrische Modell wird ausschließlich in China produziert und auch nur in der Volksrepublik verkauft. Volkswagen muss auf den Durchbruch des Autos hoffen. Quelle: Bloomberg
Volkswagen ID.6 X

Das neue vollelektrische Modell wird ausschließlich in China produziert und auch nur in der Volksrepublik verkauft. Volkswagen muss auf den Durchbruch des Autos hoffen.

(Foto: Bloomberg)

Peking, Düsseldorf Der Chip-Engpass hat Volkswagen in China hart getroffen. Der Autokonzern hat dort im zweiten Quartal 12,3 Prozent weniger Fahrzeuge ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum, teilte VW am Freitag mit. Ein Brand beim wichtigen Zulieferer Renesas hatte die Produktionsengpässe durch den weltweiten Chipmangel bei VW verschärft.

Dabei sei das zweite Quartal zunächst „ziemlich gut“ gestartet, wie VW-China-Chef Stephan Wöllenstein im Gespräch mit Journalisten in Peking sagte. „Es ist ein besonders herausforderndes Jahr.“ Das Plattformsystem, mit dem VW seine Autos baut, um die Kosten zu drücken, habe sich in diesem Fall als Schwäche erwiesen. „Oft gewinnt man mit einer Plattform-Strategie, aber in Zeiten einer globalen Chip-Knappheit hat sie uns ein wenig geschadet.“

Volkswagen konnte dadurch nicht zwischen verschiedenen Produktionssystemen wechseln und den Chipmangel abmildern. Der Konzern hofft, dass sich der Engpass in der zweiten Jahreshälfte löst. Die Probleme dürften sich aber noch bis zum Jahr 2022 ziehen, dann in abgemilderter Form.

Die Zahlen schlagen auch auf die Gesamtbilanz des Konzerns durch. Zwar wurden im Juni mit 856.300 Fahrzeugen 6,5 Prozent mehr Autos, Lastwagen und Busse ausgeliefert als vor Jahresfrist. Im Mai hatte der Absatz noch um gut 40 Prozent zugelegt. Zuwächse in Westeuropa sowie Nord- und Südamerika konnten die Schwäche in China nur teilweise ausgleichen.

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    Bei den Verbrennern konnte Volkswagen zwar seine führende Position in China mit einem Marktanteil von 18 Prozent halten. Schwieriger gestaltet sich die Elektroautoinitiative. In diesem Jahr hat VW mehrere neue Modelle auf den Markt gebracht. Doch der Verkauf läuft nur langsam an. Im Juni setzte das Unternehmen laut eigenen Angaben 2900 Exemplare der ID.4-Reihe und 500 ID.6-Modelle ab, deren Verkauf erst im Juni gestartet war.

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    Zuvor hatten Medien berichtet, dass die Verkaufszahlen im Unternehmen als unzureichend angesehen werden. Wöllenstein erklärte dagegen, die Verkaufszahlen lägen innerhalb der Erwartungen. „Wir wissen, dass es sechs bis acht Monate dauert, bis sich ein neues Modell etabliert“, sagte er. VW sei in China noch kein „Synonym für Elektroautos“.

    Die Verkaufsrückgänge auf dem für VW extrem wichtigen Markt sind natürlich auch in der Konzernzentrale registriert worden. „In China ist die Rendite erstmals seit langer Zeit wieder unter zehn Prozent gerutscht“, hieß es aus Unternehmenskreisen. Die chinesischen Konzerntöchter haben in der Vergangenheit stets sehr gut verdient und jährlich mindestens drei Milliarden Euro an Ertrag nach Wolfsburg überwiesen.

    Audi und Porsche bleiben stark

    Die weitere Entwicklung wird in Investoren- und Finanzkreisen mit großem Interesse beobachtet. Volkswagen verkauft in China etwa 40 Prozent seiner Fahrzeuge. Analysten stellen sich die Frage, ob der Konzern den Negativtrend dort wieder umdrehen kann. „Die Marken VW und Skoda sind in China am stärksten unter Druck“, sagte Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst bei der Investmentbank Bernstein. Der Konzern müsse aufpassen, dass die hohen Erträge aus der Volksrepublik nicht dauerhaft erodierten.

    Besser entwickle sich das Geschäft mit den Premiummarken. Porsche meldete am Freitag für China einen Absatz von knapp 49.000 Autos für das erste Halbjahr, ein Plus von 23 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Audi setzte etwa 420.000 Fahrzeuge ab, 39 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Auch andere deutsche Autohersteller tun sich schwer damit, mit ihren Elektroautos in China Fuß zu fassen. Der Wettbewerb ist hart, mehr als 100 Anbieter buhlen um Käufer. Als VW noch keine eigenen Elektromodelle in China anbot, entwickelten einheimische Hersteller schon neue starke Marken. Branchenexperten kritisieren, dass die Wolfsburger zu spät mit ihren Modellen auf den Markt gekommen sind.

    So wird der Hersteller Nio bereits als „chinesisches Tesla“ bezeichnet. Auch andere Anbieter wie Xiaopeng oder Li Auto werden unter Autokäufern immer beliebter. Chinesische Unternehmen pumpen – mithilfe von externen Investoren – Milliarden in die Entwicklung neuer Elektromodelle. So stellte Evergrande, eigentlich ein hochverschuldeter Immobilienentwickler, bei der Automesse in Schanghai gleich neun Fahrzeuge vor. Der größte Konkurrent für VW bei Elektroautos ist Tesla. In China hat der US-Hersteller eine treue Anhängerschaft.

    Der Hersteller wird bereits als das „chinesische Tesla“ gehandelt. Quelle: Reuters
    Nio-Fahrzeug auf der Automesse in schanghai

    Der Hersteller wird bereits als das „chinesische Tesla“ gehandelt.

    (Foto: Reuters)

    Der chinesische Markt spielt eine Schlüsselrolle in der Elektro-Strategie von Volkswagen. Bis 2028 will der Konzern weltweit 28 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) verkaufen, mehr als die Hälfte davon in der Volksrepublik.

    Bis zum Jahr 2023 sollen dort insgesamt acht Modelle der neuen ID-Elektroreihe angeboten werden. Die Autos sind auf Basis der MEB-Plattform gefertigt, einer Art Baukasten für Elektrofahrzeuge. Das Unternehmen erhofft sich Skaleneffekte, weil die Plattform millionenfach weltweit verwendet werden kann.

    VW will Digitalisierung vorantreiben

    In China verkauft VW seine Autos jedoch mit stärkeren Prozessoren als in Europa und trägt damit dem Wunsch der Kundschaft nach jeder Menge digitaler Spielereien Rechnung. Insbesondere in Elektroautos gehören hochauflösende Displays für den TV- und Film-Konsum, hochwertige Soundanlagen und Ähnliches quasi zur Grundausstattung.

    Analysten empfehlen Volkswagen, noch mehr für die Digitalisierung der in China angebotenen Fahrzeuge zu tun. „VW muss das lokale Software-Angebot schnell vergrößern, um mit chinesischen Elektroanbietern wettbewerbsfähig zu bleiben“, so Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS.

    Man wolle mehr Kooperationen mit Technologieunternehmen eingehen, insbesondere chinesischen, kündigte Wöllenstein an. Erst in diesem Monat hatte der IT-Konzern Huawei eine Zusammenarbeit mit VW verkündet. Die Vereinbarung umfasse eine Lizenz für die wesentlichen Patente des 4G-Standards von Huawei, die mit drahtloser Konnektivität ausgestattete Fahrzeuge von Volkswagen abdeckt, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

    Die Vereinbarung sei der bislang größte Lizenzvertrag von Huawei in der Autobranche. Huawei ist in Europa und den USA umstritten. Dem Unternehmen werden enge Verbindungen zur Staatsführung nachgesagt, mehrere europäische Regierungen sowie die USA haben die Nutzung der 5G-Technologie des Netzwerkausrüsters beschränkt oder verboten.

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    Doch auch jenseits der aktuellen Probleme dürfte es in China langfristig für Volkswagen nicht einfacher werden. Die politischen Spannungen zwischen der Regierung in Peking und den USA und Europa nehmen weiter zu. Europäische Unternehmen beklagen, dass sie sich zunehmend in einer Zwickmühle befinden.

    Die chinesische Führung hat zwar auf der einen Seite ihren Markt insbesondere für Autobauer in den vergangenen Jahren geöffnet und Joint-Venture-Zwänge teilweise aufgehoben. Doch die Kommunistische Partei verlangt immer mehr Loyalität, auch von ausländischen Unternehmen. So sahen sich der schwedische Bekleidungskonzern H&M und der deutsche Sportartikelhersteller Adidas jüngst einem von der Partei orchestrierten Shitstorm ausgesetzt, weil sie keine Baumwolle aus der Uiguren-Provinz Xinjiang beziehen.

    Zudem betrifft die deutlich restriktivere Datenregulierung im Land auch Autohersteller wie Volkswagen. Man beobachte die Regulierung genau, sagte VW-China-Chef Wöllenstein. Dabei gehe es nicht nur um die Daten in den Elektroautos, sondern auch darum, wie Volkswagen als Unternehmen Kundendaten schütze. Man werde dafür auch Organisationsstrukturen im Unternehmen anpassen.

    Mehr: VW verdient in den ersten sechs Monaten 2021 mehr als im gesamten Vorjahr

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