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Autobauer Dacia ist Renaults Glück und der Deutschen Pech

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Schweitzer setzte sich schließlich durch. Der preisgünstige Logan erblickte das Licht der Autosalons. Und wurde schnell ein Erfolg: Kein Schnickschnack, bewährte Technik, praktische Form. Hier ist "Retro" keine Designmasche, sondern essenzieller Teil des Preiskonzepts.

Mit dem Billigmodell von Dacia glückte Schweitzer schon zum zweiten Mal, in der Autobranche einen ganz neuen Trend zu setzen. In den 90er-Jahren schon hatte er einen unerwarteten Hit gelandet, als Renault das Modell Scénic vorstellte und so das Segment der heute so populären Minivans quasi erfand.

Den nächsten Vorstoß haben die Franzosen schon in Planung: einen Billig-Geländewagen. "Duster" soll er heißen und den Markt für SUVs durcheinanderwirbeln. Auf dass er so erfolgreich werde wie der Logan.

Der Logan hat sich zum Weltauto von Renault gemausert

Der begann einst seine Erfolgsgeschichte unter dem Codenamen X90. Mitte September 2009 lief der einmillionste Logan vom Band.

Längst ist er Renaults Weltauto. Mal wird er als Renault vertrieben, etwa aus dem Werk in Moskau, mal als "Tondar 90" aus dem Teheraner Werk, mal als Nissan in Südamerika, Renaults japanischer Tochter. Und natürlich als Dacia. Aus Rumänien kommen mit inzwischen 760000 Bausätzen seit dem Logan-Start im September 2004 auch die allermeisten Teile, die in Russland, Iran, Indien, Südafrika, Marokko, Kolumbien und Brasilien zu Dacias zusammengeschraubt werden.

Seit kurzem werden in Pitesti gar Sechs-Gang-Schaltungen für die Werke von Renault und Nissan weltweit produziert.

Je größer die Modellfamilie von Dacia wird, desto größer wird auch der Schatten, den die Billigtochter auf die Mutter wirft. Wird der neue Geländewagen in Europa ein Renner, macht er Renaults Koleos zu einem noch größeren Flop, als er ohnehin schon ist.

Einst galten Autos von Dacia als ie Schlechtesten der Welt

Adolf Hitler war es, der 1943 in Pitesti die Werkshallen errichten ließ, in denen heute die Dacias gefertigt werden. Die Nazis wollten, dass ihr Verbündeter Rumänien hier Kampfflieger baute. 1968 begann dann der Autobau, doch schnell galt der rumänische Volkswagen als schlechtestes Auto der Welt. "Selbst Trabant und Wartburg sind besser als unsere Autos", sagte der damalige Dacia-Generaldirektor, als Renault 1999 für 50 Millionen Dollar 51 Prozent des Unternehmens kaufte.

Damals stellten die 28600 Werktätigen jährlich pro Kopf 3,5 Autos her und produzierten bei umgerechnet 159 Millionen Euro Umsatz 60 Millionen Euro Verlust. Heute rollt jede Minute eines der sechs Modelle von Logan und Sandero in Pitesti vom Band, ob Stufenhecklimousine, Kombi, Pick-up oder Crossover. Die Nachfrage war zeitweise so groß, dass das Dacia-Werk in Marokko Logans und Sanderos nach Spanien und Italien liefern musste - weil aus Rumänien keine mehr zu bekommen waren.

Für Rumäniens Wirtschaft ist Dacia ein Segen. Die Regierung preist den Logan als Rumäniens "besten Botschafter in der Welt". Dacia erwirtschaftet zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, zeichnet für 15 Prozent der Exporte verantwortlich und vertreibt so die Klischees über das jüngste EU-Mitglied von Korruption, Bettelbanden und Scheckkartenbetrüger-Clans.

Auch die deutsche Industrie zieht nach Rumänien. Allein deutsche Kfz-Zulieferer haben bereits 80 000 Mitarbeiter in Rumänien - und es werden mehr. Daimler verlagert gerade die Berliner Produktionslinie für Zahnräder und aus Stuttgart eine Fertigungslinie von Schaltgetrieben ins siebenbürgische Cugir. Der japanische Kfz-Zulieferer Takata verlegt seine Lenkradproduktion aus Aschaffenburg ins rumänische Arad. Hella Trailer Systems lagert seine Produktion von Beleuchtungssystemen für Lkw-Anhänger aus dem schwäbischen Nellingen ins westrumänische Temeswar aus. Der Autozulieferer Preh unterhält seit Anfang September einen Produktionsstandort bei Brasov, wo auch Schaeffler gerade ausbaut. Und auch Continental und Leoni weiten ihre Werke aus.

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5 Kommentare zu "Autobauer: Dacia ist Renaults Glück und der Deutschen Pech"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn der Stundenlohn 2 EUR beträgt, wie kann dann eine Lohnerhöhung von 100 EUR fast ein Drittel des bisherigen Lohnes sein?

  • Ach ozzi, der Lohnkostenanteil an einem Auto beträgt 6%, selbst wenn man dort statt 22€ nun 2€ zahlt wird das Auto bloss 6% billiger.

    An den Löhnen der bandarbeiter liegt es sicher nicht, wenn deutsche Autos teuer sind.

  • Negative Emotionen nützen nichts. bei Standardprodukten gewinnt derjenige, der Preisführer bei ausreichender Qualität ist. ich freue mich, dass das leidgeprüfte Rumänien die Chance hat Anschluß, an die Lebensverhältnisse in der EG zu bekommen. So soll der Markt funktionieren.

  • @Jonas, ein billigauto kann nicht in Deutschland gebaut werden. Wieviele würden hierzulande für 2 EUR/St. 6 Tage/Woche arbeiten wollen?..

  • Tja, wir hatten VW gewarnt, als sie das Volksauto vergassen und nur noch Premium konstruieren wollten, aber man hat ja nicht gehört, nicht mal gehört als der Dacia erschien, sondern in Arroganz versucht den auszulachen und den Phaeton beklatscht.

    Es sind die unfähigen arrogant-dummen Manager, die Duetschland mit ihren andauernden vorausgesehenen Fehlenstcheidungen schaden, bei denen sich die Arbeitslosen bedanken dürfen für die Folgen.

    Schmeisst die Damager endlich raus, bevor sie aus dem Land geprügelt werden.

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